Wie du deine Erzählperspektive bewusst zum Wohle der Geschichte wählen kannst. (Leitfaden 2021)


Die Erzählperspektive ist eine der wichtigsten Entscheidungen, die du für deine Story triffst. Und die Wahl ist weitaus größer als 1. oder 3. Person. In diesem Leitfaden erfährst du, was du wirklich wissen musst, um eine bewusste Entscheidung treffen zu können.

zuletzt bearbeitet am 28. Jun 2021

veröffentlicht am 26. Jun 2021 von Melanie Naumann

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Erzählperspektiven, Erzählmittel & Erzählmethoden

Erzählperspektiven, Erzählmittel & Erzählmethoden - Wie du deine Erzählperspektive bewusst zum Wohle der Geschichte wählen kannst. (Leitfaden 2021)


Die Erzählperspektive ist nicht unbedingt das spannendste Thema beim Romanschreiben. Oder was denkst du? 

Oberflächlich betrachtet scheint es bei der Wahl der Erzählperspektive um Pronomen (erste oder dritte Person) und Verbformen (Vergangenheit oder Gegenwart) zu gehen.

Aber die Erzählperspektive ist eine der wichtigsten Entscheidungen, die man für seine Geschichte treffen kann.

Denn jede deiner Entscheidungen bzgl. der Erzählperspektive und der verwendeten erzählerischen Mittel kann deine Geschichte entweder unterstützen oder beeinträchtigen. 

“Die Wahl deines Blickwinkels wird den Tenor jedes Taktes, jeder Szene, jeder Sequenz, jedes Aktes und des gesamten Werkes diktieren. Das sind kritische Entscheidungen." Shawn Coyne

Es hängt eine Menge von diesen Entscheidungen ab.

Wenn du die Elemente der Erzählperspektive und der erzählerischen Mittel verstehst und was sie bewirken sollen, kannst du eine kluge Wahl treffen und das Beste aus deinen kreativen Bemühungen machen. 

"Wenn du herausfindest, was am besten zu deiner Geschichte passt, wirst du eine unermessliche Erleichterung erfahren." Shawn Coyne

 

Hier eine Übersicht, was du in diesem Beitrag erfahren kannst:

  1. Die blinden Männer und der Elefant
  2. Definition: Erzählperspektive und Erzählweise
  3. Norman Friedman & seine Theorie der Erzählperspektive
  4. Warum ist die Wahl der Erzählperspektive so verdammt wichtig?
  5. Geschichten mit einem Erzähler
  6. Geschichten ohne einen Erzähler
  7. Tabelle der Möglichkeiten an Erzählperspektiven
  8. Wie wählst du die Erzählperspektive für deine Geschichte?
  9. Wie wählst du dein Erzählmittel aus?

 

Jeder nimmt die Dinge anders wahr.

1. Die blinden Männer und der Elefant

die blinden männer und der elefantHast du schon einmal von der Parabel mit den Blinden und dem Elefanten gehört?

Hier ein Auszug von Wikipedia:

Eine buddhistische Version wird in Udāna VI 4-6, erzählt: „Parabel von den blinden Männern und dem Elefanten“. Buddha erzählt das Gleichnis eines Raja, der blindgeborene Männer versammelt hatte, damit sie einen Elefanten untersuchen.

"Nachdem die blinden Männer den Elefanten befühlt hatten, ging der Raja zu jedem von ihnen und sagte, 'Ihr habt einen Elefanten erlebt, ihr Blinden?' – 'So ist es, Majestät. Wir haben einen Elefanten erlebt.' – 'Nun sagt mir, ihr Blinden: Was ist denn ein Elefant?'[2]

Sie versicherten ihm, dass der Elefant sei wie ein Topf (Kopf), ein weicher Korb (Ohr), eine Pflugschar (Stoßzahn), ein Pflug (Rüssel), ein Kornspeicher (Körper), eine Säule (Bein), ein Mörser (Rücken), ein Pistill (Schwanz), oder eine Bürste (Schwanzspitze).

Die Männer beginnen zu kämpfen, was den Raja erheitert und der Buddha erklärt den Mönchen:

"Daran nun eben hängen sie, die Pilger oder Geistlichen; da disputieren, streiten sie, als Menschen, die nur Teile seh’n."

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Die_blinden_M%C3%A4nner_und_der_Elefant 

 

Die Botschaft dieser Parabel ist, dass jeder seine Umgebung und seine Erfahrungen anders wahrnimmt. Wir erfahren unsere Umwelt durch die Linse unserer Erfahrungen und sind überzeugt, dass unsere Ansicht der Wahrheit entsprechen muss.

Aber wie du in der Parabel sehen kannst: Jeder nimmt nur einen Teil eines großen Ganzen wahr.

Und genau so ist es auch, wenn Schriftsteller über ihren Schreibprozess sprechen. Sie können auch nur ausdrücken, was für sie funktioniert. Es ist ihre Wahrheit. Ihr Teil, wie sie die Welt sehen. 

Aber dieses muss noch lange nicht auf dich als Autor und deinen Schreibprozess zutreffen.

Und das ist auch vollkommen okay. 

Wichtig ist, dass wir als Autoren offen für Ideen sind. Denn wenn wir ein tieferes Verständnis erlangen wollen, müssen wir verschiedene Schriftsteller studieren und die Erkenntnisse in unser eigenes Gesamtbild integrieren.

Das gilt vor allem für die Erzählperspektive, denn die Auswahlmöglichkeiten sind oft so vereinfacht, dass sie kaum eine Hilfe sind.

In diesem Beitrag findest du eine Zusammenstellung zum Thema Erzählperspektive aus verschiedenen Quellen (Quellen unten aufgelistet)

Mein Ziel ist es, dir damit zu helfen, die passende Erzählperspektive für deine Geschichte zu finden.

 

Kenne deinen Blickwinkel und deine Linse, durch welche du die Geschichte erzählst.

2. Definition: Erzählperspektive und Erzählweise

Die Erzählperspektive (POV) und die Erzählmethode (narrative device) werfen zusammen Fragen auf, wie wir die Geschichte erzählen wollen.

Die Erzählperspektive ist "der Blickwinkel, den der Autor benutzt, um dem Leser eine Geschichte zu erzählen".

Dies sagt uns, wo und in welcher Zeit sich der Erzähler befindet, um die Ereignisse der Geschichte zu vermitteln, in Bezug zu diesen Ereignissen.

Die Erzählweise ist eine imaginäre Linse, die der Autor wählt und durch die er die Ereignisse der Geschichte darstellt.

Die Linse gibt uns das Wer, Was, Wie und Warum des Storytellings (im Gegensatz zur Geschichte).

Alle Elemente der Erzählperspektive und der Erzählmethode sind miteinander verbunden und beeinflussen sich gegenseitig.

 

Wer erzählt die Geschichte?2.1 Wer erzählt die Geschichte?

In Sachbüchern spricht der Autor zum Leser, ohne einen Übersetzer oder einen Filter dazwischen. Trotzdem benutzt der Autor Linsen und kann eine bestimmte Rolle oder Funktion einnehmen, zum Beispiel als Lehrer, Führer, neutraler Journalist oder Gleichgesinnter.

In der Belletristik ist der Sprecher oder Erzähler meist jemand anderes als der Autor.

Der Autor schreibt die Geschichte, aber der Erzähler erzählt die Geschichte.

Er ist eine fiktive Person (oder Personen), die dem Leser die Ereignisse und Umstände der Geschichte schildert.

Die Person, welche die Ereignisse der Geschichte offenbart, kann ...

  • eine Figur innerhalb der Geschichte,
  • ein Erzähler außerhalb der Geschichte
  • oder eine nicht identifizierte Person sein kann.

 

Wenn der Erzähler eine Figur ist, kann es sich um den Protagonisten oder eine andere Figur handeln, die als Zeuge auftritt.

Der Autor platziert den Erzähler in einem Bereich, der von sichtbar bis verborgen reicht, d.h. der Autor kann sehr detailliert offenbaren, wer der Erzähler ist, oder er kann darüber schweigen. 

Tipp: Natürlich musst du dem Leser nicht sagen, wer der Erzähler ist. Aber du solltest es selbst wissen - und zwar von Anfang an.

 

In 'Transport' von Phillip P. Peterson ist Russel Harris der Erzähler, aber auch der Protagonist.

Die Erzählweise von 'Die Brautprinzessin' von William Goldman ist ziemlich komplex. Ein Schriftsteller erzählt die Ereignisse einer Geschichte, die ihm einst sein Vater erzählt hat und die ursprünglich von einem fiktiven Autor geschrieben wurde. Der Schriftsteller hat eine Erzählmethode mit einigen Überschneidungen zwischen sich und dem Erzähler geschaffen, aber er ist keine Figur innerhalb der Hauptgeschichte um Buttercup und Westley.

In 'Die Unendliche Geschichte' von Michael Ende ist der Erzähler eine nicht identifizierte Person, welche die beobachteten Ereignisse wiedergibt und kommentiert.

 

Tipp: Wie findet man die richtige Person für den Job des Erzählers? Du könntest dich fragen, wer das Wissen und die Fähigkeiten hat, um den Job zu machen, oder "wer wird dir die meisten Freiheiten geben und dich gleichzeitig einschränken, um auf den richtigen Weg zu bleiben, sodass du diese Geschichte auf die passende und effektivste Weise erzählen kannst?

 

2.2 Wem wird die Geschichte erzählt?Wer ist der Zuhörer?

Eine weitere Person, die für deine Erzählung entscheidend ist, ist der Empfänger der Informationen und Ereignisse der Geschichte.

Während das Publikum des Autors der Leser ist, könnte das Publikum des Erzählers jemand ganz anderes sein.

Genauso wie der Erzähler kann das Publikum eine bestimmte Figur, eine Gruppe von Menschen oder eine unbekannte Person sein.

 

Warum sollte man ein Zielpublikum für den Erzähler kreieren?

Wenn Menschen in der realen Welt eine Geschichte erzählen, dann tun sie das aus einem bestimmten Grund. Auch wenn das primäre Ziel ist, zu unterhalten, wollen wir etwas von dem Austausch, und dieses Ziel beeinflusst die Art und Weise, wie wir die Geschichte erzählen.

Das beabsichtigte Publikum beeinflusst, was wir sagen und wie.

Beispiel: Stell dir vor, dass unser Erzähler ein Teenager ist, der von einer abenteuerlichen Nacht erzählt.

Wenn der Erzähler den Eltern von den Ereignissen der Nacht berichtet, könnte er die guten Entscheidungen betonen und alles, was die Eltern nicht gutheißen würden, herunterspielen. Bestimmte Ereignisse könnten ganz weggelassen werden. Die Worte, die verwendet werden, sind weniger farbenfroh.

Die Version, die die Freunde des Erzählers in der Schule hören, wird in wesentlichen Punkten anders sein - auch wenn der Erzähler nicht lügt.

Tipp: Wenn du weißt, wem dein Erzäähler die Story erzählt, wird es dir leichter fallen, Entscheidungen zu treffen.

 

In 'Transport' von Phillip P. Peterson richtet sich Russel Harris an die Menschen seiner Welt.

In 'Die Brautprinzessin' erzählt der Erzähler die Geschichte für den Leser des fiktiven Romans, den er schreibt.

In 'Die Unendliche Geschichte' von Michael Ende gibt es zwei Empfänger. In der Geschichte von Atreyu ist Bastian das beabsichtigte Publikum, aber für das Buch von Michael Ende ist es der junge Leser.

In Bridget Jones ist Bridget selbst ihre Zielgruppe, denn sie schreibt ihr Tagebuch für sich.

Jeder Erzähler wird einen anderen Grund haben, seinem Publikum die Geschichte zu erzählen. Das hat wiederum Einfluss darauf, welche Ereignisse in der Geschichte enthalten sind und wie. Bevor wir auf diese Elemente eingehen, klären wir erst einmal, warum der Erzähler die Geschichte überhaupt erzählt:

 

Warum wird die Geschichte erzählt?2.3 Warum erzählt der Erzähler die Geschichte?

Der Erzähler und sein Zielpublikum können dir einen Hinweis darauf geben, warum sie die Geschichte erzählen.

Das Warum des Erzählers ist das Äquivalent zur essentiellen Handlung einer Figur oder ihrem Ziel/WANT.

Das heißt, du nutzt, was die Figur will, um zu bestimmen, wie sie sich in einer Szene verhält. Aber du kannst auch das nutzen, was der Erzähler will, um zu entscheiden, was du einbauen willst, in welcher Reihenfolge und wie. Dazu überlege, ob der Erzähler überreden, informieren oder unterhalten will, und vertiefe es dann.

 

In 'Transport' will Russel Harris den Menschen eine präskriptive Geschcihte erzählen, um zu verdeutlichen, wie nah Genie und Wahnsinn aneinanderliegen.

In 'Die Brautprinzessin' will der Junge, die Geschichte, die ihm sein Vater erzählt hat, einem breiteren amerikanischen Publikum nahebringen.

In 'Die Unendliche Geschichte' möchte der Erzähler das Bewusstsein des Publikums für die Existenz von fantastischen Welten schaffen, denn ohne Magie und kindlichen Glaube an die Möglichkeit von unerklärbaren Dingen würde die Menschheit ihren Glauben verlieren und alles, was magisch erscheint, als Lügen abstempeln.

In Bridget Jones versucht Bridget, sich zu ändern, und das Tagebuch soll ihren Fortschritt aufzeichnen.

 

Wo steht der Erzähler im Bezug zu den Ereignissen?2.4 Wo steht der Erzähler?

Wo bezieht sich darauf, wo sich der Erzähler in Bezug auf die Ereignisse der Geschichte befindet?

Der Erzähler kann in der Mitte der Geschichte stehen (wie bei einem Protagonisten-Erzähler, z.B. Bridget Jones), an der Seite (eine Figur innerhalb der Geschichte, die nicht der Protagonist ist, z.B. Nick Carraway in der Große Gatsby) oder von oben herab schauen (ein allwissender, gottähnlicher Erzähler).

Beachte, dass sich der Standort des Erzählers im Laufe der Geschichte ändern kann.

 

In 'Transport' befindet sich der Erzähler im Mittelpunkt der Geschichte, der die Ereignisse in der Vergangenheitsform schildert

In 'Die Brautprinzessin' wechselt der Standort des Erzählers. Manchmal ist er im Zentrum (wenn er von seinem eigenen Leben erzählt), ein anderes Mal ist er am Rande (wenn er über seinen Vater und seine Familie spricht), und ein anderes Mal beobachtet er von oben oder von außen (wenn er die Ereignisse über Buttercup und Westley erzählt).

In 'Die Unendliche Geschichte' befindet sich der Erzähler außerhalb der Geschichte und blickt auf die Ereignisse hinab, da er die Handlung erzählt.

In Bridget Jones steht im Zentrum ihrer eigenen Geschichte.

 

Wann wird die Story im Bezug zu den Geschehnissen erzählt?2.5 Wann erzählt der Erzähler die Geschichte?

Wann ist der Standpunkt des Erzählers in der Zeit relativ zu den Ereignissen der Geschichte.

Hier handelt es sich nicht um die Frage von Vergangenheit oder Gegenwart.

Die Vergangenheit kann einen Moment oder ein Jahrhundert zurückliegen. Wie lange etwas her ist, verändert die Art und Weise, wie wir Ereignisse sehen.

Die Aktualität mag uns erlauben, uns mehr und genauer zu erinnern, aber sie bietet uns keine Perspektive auf den Lauf der Zeit.

Erst, wenn mehr Zeit verstrichen ist, ist es uns möglich, vergangene Ereignisse in ihrem größeren Kontext einzuordnen und zu verstehen. Später haben wir vielleicht sogar eine andere Meinung als früher, die wir direkt oder indirekt teilen können.

Die Meinung kann sich ändern, warum wir erzählen, wem wir es erzählen, welche Ereignisse und Details wir teilen, sowie die Art und Weise, wie wir sie erzählen.

 

In 'Transport' schildert der Erzähler Ereignisse aus der jüngeren Vergangenheit (seit er an dem Geheimprojekt teilnimmt).

'Die Brautprinzessin' ist in der Vergangenheitsform geschrieben und handelt von Ereignissen, die in der jüngeren und ferneren Vergangenheit liegen.

'Die Unendliche Geschichte' ist in der Vergangenheit geschrieben, aber wir haben den Eindruck, dass die Ereignisse immer wieder und für jeden, der an sie glaubt, geschehen könnten. 

Bridget Jones schreibt in ihrem Tagebuch über Ereignisse in der jüngsten Vergangenheit, meistens vom selben Tag an.

 

Auf welche Infos hat der Erzähler Zugriff?2.6 Auf welche Ereignisse und Informationen hat der Erzähler Zugriff?

"Das Drama ist ein Leben, aus dem man die langweiligen Momente herausgeschnitten hat." Alfred Hitchcock 

Aber welche Teile sind langweilig? Welche Teile sind relevant?

Das Warum deines Erzählers kann dir helfen, diese Entscheidungen zu treffen, aber das Wer, Wo und Wann hilft uns, das Rohmaterial des Erzählers zu bestimmen, d.h. welche Ereignisse und Informationen stehen ihm zur Verfügung?

Wenn der Erzähler eine Figur innerhalb der Geschichte ist, die keine Kräfte der mentalen Telepathie besitzt, kann er nur das mitteilen, was er direkt beobachtet (Worte und Handlungen), erlebt (seine eigenen Sinneseindrücke, Gedanken und Gefühle) oder von anderen Quellen hört. Sie können ihre eigenen Gedanken, Emotionen und Empfindungen preisgeben, aber nicht die der anderen Figuren.

Wenn der Erzähler eine allwissende, gottähnliche Erscheinung ist, kann er Zugang zu den Gedanken, Gefühlen und Empfindungen einer, mehrerer oder aller Figuren der Geschichte haben.

 

In 'Transport' hat der Erzähler nur Zugang zu den Gedanken und Gefühlen von sich selbst, also Russell Harris.

In 'Die Brautprinzessin' hat der Erzähler Zugang zu dem, was er beobachtet hat und was die Leute ihm über sein eigenes Leben und seine Familie erzählt haben, aber in der Geschichte von Buttercup und Westley ist der Erzähler allwissend und hat Zugang zu den Gedanken und Gefühlen der Figuren. Innerhalb der Rahmenhandlung kommentiert der Erzähler die Ereignisse der Geschichte.

Bridget Jones hat Zugang zu Dingen, die sie beobachtet und von anderen gehört hat. Sie kann erahnen, was die anderen fühlen und denken, aber sie kann es nicht mit Sicherheit wissen.

 

Wie gibt der Erzähler die Infos wieder?2.7 Wie werden die Ereignisse und Informationen wiedergegeben?

Die Informationen, zu denen der Erzähler Zugang hat, helfen uns zusammen mit dem Warum, das Wie zu verstehen.

Das Wie der Erzählweise könnte ein ganzer Beitrag für sich sein.

Es beinhaltet alles von der Stilrichtung (z.B. Briefroman, Drama, Komödie) über die Wortwahl bis hin zu Erzählantrieb und Distanz.

Die Wahl des Wer, Warum, Wo, Wann und Was deiner Geschichte beeinflusst deine Optionen für das Wie.

Finde hier mehr zu den drei Arten des erzählerischen Antriebs heraus: Mystery, Suspense und Dramatische Ironie


Die erzählerische Distanz ist ein Spektrum, das beschreibt, wo der Leser (durch den Erzähler und den Autor) relativ zu den Figuren und Ereignissen der Geschichte steht.

Dies unterscheidet sich von der Position des Erzählers in Bezug auf die Geschichte. Denn der Erzähler kann im Zentrum der Ereignisse stehen (Protagonist), aber den Leser in großer Entfernung platzieren, oder umgekehrt. Diese Distanz kann sich innerhalb der Geschichte verändern.

 

In 'Transport' finden wir die externe und interne Fokalisierung, weil der Leser nicht all die Informationen hat, welche die Figur in der Geschichte besitzt, und andererseits wie der PRotagonist nicht weiß, wohin der Transport ihn bringt. Die erzählerische Distanz bleibt konstant auf Russel Harris gerichtet. Der Leser bleibt an seiner Seite die gesamte Geschichte lang und erhält durch den Einsatz von freier indirekter Rede einen Einblick in seine Gedankenwelt.

'Die Brautprinzessin' verwendet Humor und alle drei Formen des erzählerischen Antriebs. Die erzählerische Distanz verschiebt sich von ganz intim zu distanziert. Es scheint, als wolle der Erzähler uns zeigen, wie diese Geschichte ihn beeinflusst hat, also nimmt er uns mit, macht Beobachtungen und weist auf Dinge hin, die wir in einer geraden Erzählung übersehen würden.

Auch 'Die Unendliche Geschichte' verwendet alle drei Formen des erzählerischen Antriebs. Die narrative Distanz verschiebt sich von nah zu fern. Manchmal sind wir den Figuren sehr nahe. Es ist, als ob wir neben ihnen stehen. Manchmal fühlen wir uns mehr wie ein Kind in einer Gruppe anderer Kinder, die vor einem Mann sitzen und der großartigen Geschichte lauschen, die er uns erzählt.

Bridget Jones ist mit Tagebucheinträgen aufgebaut, die mit Spannung und dramatischer Ironie gepickt sind. Die erzählerische Distanz ist intim, denn immerhin lesen wir ihr Tagebuch.

 

Welche Infos werden vom Erzähler offenbart?2.8 Welche Informationen werden durch den Geschichtenerzähler offenbart?

Der Geschichtenerzähler übermittelt die Taten und die Worte der Figuren, die er beobachtet und kann Zugriff auf die Gedanken, Gefühle und Wahrnehmungen einer oder mehrerer Figuren haben.

Um auf diese Dinge hinzuweisen, kann der Erzähler sich zu den Figuren und Ereignissen innerhalb der Geschichte äußern, oder er kann seine Meinung zurückhalten. 

Friedman bezeichnet diese Unterscheidung als redaktionell oder neutral.

 

Die Erzählperspektive auf dem Spektrum zwischen Zeigen und Berichten.

3. Norman Friedman & seine Theorie der Erzählperspektive

Der Literaturkritiker Norman Friedman stellt die Erzählperspektive auf einem Spektrum von 'Showing and Telling' (Zeigen und Erzählen) dar, weil er dies als den entscheidenden Unterschied zwischen den beiden Optionen sieht.

Beachte, dass das Berichten den Leser nur aus zweiter Hand und indirekt erreicht, "ein allgemeiner Bericht über eine Reihe von Ereignissen, die sich über einen längeren Zeitraum und eine Vielzahl von Orten erstrecken." Auch wenn es sich so anfühlt, als ob wir dabei sind, sammelt jemand oder etwas Informationen über das, was passiert.
Das Zeigen hingegen ist unmittelbar und direkt, es liefert "konkrete Details innerhalb eines bestimmten zeitlichen und örtlichen Rahmens." Es ist unmittelbar und stellt (so weit wie möglich) den Eindruck her, vor Ort zu sein und die Ereignisse selbst zu beobachten.

Keine Geschichte besteht nur aus Berichten oder Zeigen, aber die Wahl deines Blickwinkels beeinflusst die Balance zwischen diesen beiden Methoden, Informationen zu vermitteln. 

Eine weitere Besonderheit in Friedmans System ist, dass die möglichen Blickwinkel und die Informationen, die dem Erzähler zur Verfügung stehen, immer mehr eingeschränkt werden.

Anmerkung: Ich lasse die Kategorie weg, die Friedman als Kamera bezeichnet, weil sie in der zeitgenössischen konventionellen Belletristik nicht sehr praktikabel ist. Ich lasse auch die zweite Person als Erählperspektive weg, weil es oft die erste Person ("Ich" als Protagonist oder Zeuge) in Verkleidung ist und die Grenze zwischen Erzähler und Leser verwischt. Fight Club von Chuck Palahniuk ist ein Beispiel für eine Geschichte geschrieben in der zweiten Person.

Es scheint ein ziemlich einfaches Problem zu sein, die Erzählperspektive für deine Geschichte zu wählen. Die primären Optionen sind die erste Person, die dritte Person und ein paar Varianten der Allwissendheit.

Allerdings ist das, was oberflächlich wahr zu sein scheint, nicht immer die nützlichste Form beim Schreiben.

Die Sichtweise, zusammen mit der Erzählweise, ist die Art und Weise, wie du deine Geschichte dem Leser präsentierst. Und statt nur ein paar weniger Optionen, gibt es viele verschiedene Möglichkeiten.Die Wahl der Erzählperspektive und Erzählweise kan man als mehrdimensional betrachten.

 

Die Erzählperspektive beeinflusst jedes Element deiner Geschichte.

4. Warum ist die Wahl der Erzählperspektive so verdammt wichtig?

Autoren wählen ihre Perspektive oft nach Gefühl oder Intuition oder basierend auf ihrer Einschätzung ihrer Fähigkeiten.

Manchmal schauen sie auch auf Bücher innerhalb ihres Genres oder auf eine bekannte Autoritätsfigur.

Das Problem dabei ist, dass es kaum etwas gibt, das dir hilft zu überprüfen, ob deine Wahl auch wirklich die richtige ist.

Da die Art und Weise, wie du deine Geschichte präsentierst, genauso wichtig ist wie das, was die Geschichte ausmacht, solltest du nicht raten.

Stell dir vor, ein Autor wählt aus einer Laune heraus sein Genre, ohne darauf zu achten, ob es zu seiner Geschichte und seiner Leitidee passt oder nicht.

Deine Genre- und Erzählerentscheidungen beeinflussen jede Szene und die Worte darin. Eine nicht so gute Entscheidung bedeutet komplettes Neuschreiben.

Wenn die Entscheidung der Erzählperspektive einfach wäre, würden sich Geschichten mit einem allwissenden Erzähler, oder die in erster oder dritter Person stark ähneln. Aber ich denke, du weißt aus eigener Erfahrung, dass dies nicht der Fall ist.

"Die Unendliche Geschichte" mit dem allwissenden Erzähler klingt anders als "Effi Briest" oder "Ragtime" von E. L. Doctorow.

"Die Tribute von Panem" unterscheiden sich von "Bridget Jones Tagebuch" oder "Gone Girl" in der Ich-Perspektive. 

Die Möglichkeiten der Erzählperspektive haben eine konkrete mechanische Anwendung (das Wie in Bezug auf die Verwendung von Pronomen ist ziemlich klar), aber wieder zeigt dir die Anwendung nicht, wie du die beste Wahl für deine Geschichte triffst.

Viele online Artikel erklären die Vor- und Nachteile jeder Option, aber um das große Ganze zu sehen, müssen wir tiefer in das Thema der Erzählperspektive eintauchen. 

Denn um eine Entscheidung zu treffen, die deine Geschichte unterstützt, musst du

1. die Geschichte, die du schreiben willst,

2. und deine Optionen, sie zu präsentieren, verstehen.

 

Geschichten können einen Erzähler haben, der entweder in der Geschichte ist oder von außen auf sie schaut.

5. Geschichten mit einem Erzähler

Wenn wir einen Erzähler (mit Publikum) wählen, der zwischen dem Autor und dem Leser steht, müssen wir überlegen:

  • Wer der Erzähler ist
  • und wo er in Bezug auf die Ereignisse der Geschichte positioniert ist.
  • Ist er eine Figur innerhalb oder jemand außerhalb der Geschichte?
  • Ist er vertrauensvoll? Können wir ihm glauben? 

 

Tipp: Jeder Erzähler ist in dem Maße unzuverlässig, wie er in der Lage ist, die Geschehnisse selbst zu begreifen und zu verarbeiten (im Falle eines jungen oder naiven Charakters). Dazu kommt sein eigenes Interesse oder Ziel, warum er die Geschichte erzählt.

 

5.1 Erzähler innerhalb der Geschichte

Die Erzähler innerhalb einer Geschichte sprechen meist in der Ich-Perspektive und sind bis zu einem gewissen Grad identifizierbar.

Erzähler, die Figuren innerhalb der Geschichte sind, können ...

  • die Geschichte erzählen, während sie mitten im Geschehen sind (Die Tribute von Panem von Suzanne Collins),
  • wenn die Ereignisse in der jüngsten Vergangenheit liegen (Wer die Nachtigall stört von Harper Lee oder Die Schatzinsel von Robert Louis Stevenson)
  • oder in der fernen Vergangenheit (The Fishermen von Chigozie Obioma)

 

Diese folgendev beiden Kategorien ("Ich" als Zeuge oder Protagonist) identifizieren, wer der Erzähler in Bezug auf die Geschichte ist. Aber die Beispiele zeigen die vielen Möglichkeiten innerhalb der Grenzen, vor allem in Bezug auf die Form, die die Erzählung annimmt.

Zum Beispiel kann sie gesprochen, geschrieben oder gedacht werden, und zwar in einem Interview oder Gespräch, durch einen dramatischen Monolog, eine Briefform, einen Bewusstseinsstrom oder einen inneren Monolog.

 

5.1.1 "Ich" als Zeuge oder außenstehender Erzähler

Ein peripherer Erzähler erzählt eine Geschichte, die sich um eine andere Figur dreht, d.h. die Perspektivfigur ist nicht der Protagonist.

Dieser Erzähler kann nur von Ereignissen und Umständen berichten, die er beobachtet oder aus zweiter Hand erfährt, zusammen mit seinem eigenen Gedanken, Emotionen und Wahrnehmungen.

Ishmael aus Moby Dick ist ein klassisches Beispiel.

Auch Sherlock Holmes Geschichten nutzen diese Sichtweise: Holmes ist der Protagonist und John Watson, der Erzähler.

Nick Carraway aus Der große Gatsby ist ein Zeuge der Ereignisse, die zum Tod von Jay Gatsby führen.

Dies ist eine gute Option, wenn der Protagonist nicht genug Einblick hat, um die Geschichte in seinem eigenen Namen zu präsentieren oder wenn es schwer wäre, beim Leser Sympathie für den Protagonisten zu wecken.



5.1.2 "Ich" als Protagonist

Diese Perspektive kommt durch die Erlebnisse des Protagonisten - des Erzählers - zustande, und was sie offenbaren, kommt von dem, was sie wahrnehmen oder von anderen Figuren lernen.

Hier kann allerdings eine Lücke zwischen den Ereignissen der Geschichte und dem Erzählen auftreten. Dabei kann es sein, dass sie Umstände und Einsichten offenbaren, die nach den Ereignissen der Geschichte gewonnen wurden.

Gute Beispiele sind Wer die Nachtigall stört, Die Tribute von Panem, Robinson Crusoe von Daniel Defoe oder die Winnetou-Reihe von Karl May.

 

5.2 Erzähler außerhalb der Geschichte

5.2.1 Redaktionelle Allwissenheit

Die redaktionelle Allwissenheit kann jeden Standpunkt, jede Zeit oder jeden Ort einnehmen, mit Zugang zu allen Informationen, sowohl von außerhalb als auch innerhalb der Erfahrung der Figur (von denen nicht alle in der Geschichte enthüllt werden müssen).

Innere Umstände werden dem Leser erzählt, oft durch die Verwendung von Gedankenanhängern.

Der Erzähler gibt Erklärungen ab, unabhängig vom Bewusstsein der Figuren, und äußert gelegentlich seine Meinung über die Ereignisse und Umstände in der Geschichte.

Der Erzähler ist oft offen, indem er die Ich- oder Wir-Form verwendet, wie in Die Bücherdiebin von Markus Zusak, oder er bleibt anonym, indem er Pronomen der dritten Person nutzt, wie in Farm der Tiere von George Orwell oder Das Parfüm von Patrick Süskind.

 

5.2.2 Neutrale Allwissenheit

Der neutrale allwissende Erzähler hat die gleichen Freiheiten wie der redaktionelle allwissende Erzähler, aber er kommentiert die Ereignisse und Umstände der Geschichte nicht.

Diese Perspektive wird in Der Tod kommt zum Erzbischof von Willa Cather, Der Magier der Erdsee von Ursula K. Le Guin und Mr. Midshipman Hornblower von C.S. Forester verwendet.

 

Geschichten können aber auch gar keinen Erzähler haben.

6. Geschichten ohne einen Erzähler

6.1 Dramatischer Stil

Im dramatischen Stil wird ein verdeckter Erzähler eingesetzt, und wir haben keinen Zugang mehr zu den Gedanken, Emotionen und Wahrnehmungen der Figuren.

Wir hören, was sie sagen und sehen, was sie tun, aber ihr inneres Erleben steht für uns zwischen den Zeilen.

Friedman verweist auf Ernest Hemingway's Kurzgeschichte "Hills Like White Elephants" und "The Killers" als gutes Beispiel.

Wir sehen diese Beispiele oft aufgeführt, weil es nicht viele reine Beispiele gibt.

Du kannst jedoch eine abgewandelte Form des dramatischen Stils in Shirley Jacksons "The Lottery" finden, und ein wenig weiter in Richtung des erzählerischen Endes des Spektrums, "Murder on the Orient Express" von Agatha Christie.

Diese erzählerische Wahl ist schwer zu bewerkstelligen und kann schwer zu lesen sein.

Als Autor musst du den Unterton beherrschen, die Kunst, zu kommunizieren, was du meinst, ohne es zu sagen. Außerdem arbeitet der Leser extra hart, um die Lücken zu schließen, die ein Erzähler normalerweise füllen würde. Das Ergebnis ist, dass wir dies in Kurzgeschichten sehen, aber nicht so sehr in längeren Geschichten.

Einige Autoren nutzen diese Technik für bestimmte Szenen innerhalb eines Romans.

Beispiel "Harry Potter und der Halbblutprinz":

Die Geschichte wird hauptsächlich in selektiver Allwissenheit erzählt wird. Sie zeigt uns eine Szene im dramatischen Stil. Dies geschieht im zweiten Kapitel - eine Szene, in der sich Severus Snape mit Narcissa Malfoy und Bellatrix Lestrange trifft. Wir beobachten ihre Handlungen und Sprache, haben aber keinen Zugang zum inneren Erleben der Figuren. Dies bietet zwei Formen des erzählerischen Antriebs: dramatische Ironie (weil wir etwas wissen, was Harry nicht weiß) und Geheimnis (weil wir die Bedeutung von Snapes Handlungen nicht kennen).

 

6.2 Selektive und Multiple Selektive Allwissenheit

Wenn wir in die multiple selektive Allwissenheit wechseln, tritt der Erzähler in den Hintergrund.

Wir sprechen hier oft von der nahen dritten Person als Erzählperspektive.

Wie der dramatische Stil hat dieser Standpunkt keinen Erzähler, der mit einem Publikum zu einem bestimmten Zweck kommuniziert, sondern gibt dem Autor die Möglichkeit, die inneren Empfindungen, Gefühle und Gedanken einer Figur zu enthüllen. Norman Friedman erklärt, dass die Geschichte durch den Verstand einer oder mehrerer Figuren vermittelt wird.

Selbst wenn der Autor ein Fenster in das innere Erleben der Figuren öffnet, werden uns ihre Gedanken in freier indirekter Rede gezeigt, anstatt sie mit begleitenden Gedanken-Tags zu erzählen (z.B. 'dachte sie').

Der Kritiker James Wood beschreibt die freie indirekte Rede elegant als

"eine Art geheimes Mitteilen", das entsteht, weil "sobald jemand eine Geschichte über eine Figur erzählt, scheint sich die Erzählung um diese Figur herum biegen zu wollen, mit ihr verschmelzen zu wollen, ihre Art zu denken und zu sprechen anzunehmen."

Diese Sichtweise ist sehr beliebt und bietet eine große Flexibilität, auch wenn wir immer nur in den Erfahrungen einer Figur gefangen sind.

Die Geschichte kann einen weiten Umfang haben, wie

  • in der Harry Potter Reihe von J. K. Rowling,
  • in Stolz und Vorurteil,
  • oder in Das Lied von Feuer und Eis von George R. R. Martin (mehrfache selektive Allwissenheit),
  • aber auch in ruhigen, globalen, inneren Genregeschichten wie Brooklyn von Colm Toíbín.

 

Kenne die Möglichkeiten, die dir für die Wahl deiner Erzählperspektive und der erzählerischen Mittel zur Verfügung stehen.

7. Tabelle der Möglichkeiten an Erzählperspektiven

Damon Knight hat in seinem Buch Creating Short Fiction eine unglaublich nützliche Tabelle erstellt, die Leslie Watts (Story Grid) hier angepasst hat, indem sie Friedmans Kategorien und einige von Keens Terminologie verwendet hat.

Behalte im Hinterkopf, dass dies eine Tabelle der Möglichkeiten ist, nicht der Anforderungen.

Möglichkeiten an Erzählperspektiven

* ist selten, aber "Die Bücherdiebin" ist ein gutes Beispiel dafür.

 Verbinde die Wahl der Erzählperspektive mit der Leitidee oder dem zentralen Thema deiner Story.

8. Wie wählst du die Erzählperspektive für deine Geschichte?

Viele Autoren entscheiden sich für das, was ihnen am einfachsten erscheint, oder was sie am liebsten schreiben.

Andere konsultieren Meisterwerke in ihrem gewählten Genre.

Viele hören einfach auf ihr Bauchgefühl.

Diese Herangehensweisen führen nicht automatisch zu einem falschen Ergebnis, aber sie helfen dir nicht beim Tenor für jeden Takt, jede Szene, jede Sequenz, jeden Akt und deine gesamte Geschichte oder bei der Entscheidung, wie du die Aktionen der Figuren, ihre Dialoge und die Details des Settings wählst.

All diese Wege helfen dir nicht mit dem Inhalt deiner Geschichte.

Wichtiger ist, dass du eine bewusste Entscheidung triffst.

Und das gelingt dir durch das, was Shawn Coyne "Narrative Device" (Erzählmittel) nennt.

Die Erzählperspektive und das Erzählmittel sind "der Blickwinkel, den der Autor benutzt, um dem Leser eine Geschichte zu erzählen."

Hinweis: Wenn dein Genre das ist, worum es in deiner Geschichte geht, dann ist deine Erzählweise/Erzählperspektive die Art und Weise, wie du deinem Leser die Geschichte präsentierst.

Also, innerhalb der Geschichte:

  • Wer erzählt die Geschichte?
  • Wem erzählt er die Geschichte?
  • In welcher Form wird die Geschichte erzählt?
  • Warum erzählen sie die Geschichte?
  • Wann erzählen sie die Geschichte in Bezug auf die Ereignisse der Geschichte?

 

Die Verknüpfung des Was, deines Genres, mit dem Wie wird dir helfen, eine kluge Wahl zu treffen. 

Für weitere Details zu den oben genannten Fragen sh. Punkt 2 dieses Beitrags.

 

Der Schlüssel ist, die Wahl der Erzählperspektive mit der Leitidee oder dem zentralen Thema zu verbinden.

In der Tat sollten deine Entscheidungen für eine Erzählperspektive so einzigartig und spezifisch sein wie deine Leitidee, und die beiden sind eng miteinander verbunden.

Schauen wir uns ein konkretes Beispiel an, damit dies Sinn macht.

Bridget Jones - Schokolade zum Frühstück: Roman Beispiel: Bridget Jones - Schokolade zum Frühstück von Helen Fielding

  • Was ist die gewählte Perspektive in Bridget Jones's Diary? Die erste Person.
    Wir können nicht genau sagen, auf welcher Grundlage Fielding ihre Wahl traf, aber die Ich-Perspektive macht Sinn, weil Fielding Bridgets Geschichte in Form von Bridgets Tagebuch erzählt. Bridget hält die Ereignisse ihres Lebens über den Zeitraum eines Jahres fest.
    Was bedeutet das für uns aus technischer Sicht?
  • Wer erzählt die Geschichte? Bridget erzählt die Geschichte. Sie ist die Protagonistin und somit eine Figur innerhalb der Geschichte, nicht jemand von außen.
    Das sagt uns, dass sie bei einigen Dingen objektiv sein wird (zum Beispiel beim Verhalten ihrer Mutter), aber weniger objektiv, wenn es um sie selbst geht. Und da wir wissen, dass es sich um eine Liebesgeschichte handelt und ein Entwicklungsbogen eingebaut ist, wird sich Bridgets Fähigkeit, sich selbst und ihre Handlungen klar zu sehen, wahrscheinlich verbessern, wenn sie im Laufe der Geschichte an Erfahrung und Reife gewinnt.
  • Wer ist Bridgets Publikum? Bridget selbst ist ihr Publikum und wir erwarten von ihr, dass sie ziemlich offen darüber spricht, was sie denkt und tut.
  • In welcher Form erzählt Bridget die Geschichte? In einem Tagebuch.
    Auch dies ist etwas Privates, was bedeutet, dass sie so ehrlich ist, wie sie bereit und in der Lage ist, es zu sein. Es ist ein schriftlicher Bericht, im Gegensatz zu Sprache oder Gedanken.
  • Wann erzählt Bridget die Geschichte? Bridget beschreibt die Ereignisse kurz nachdem sie geschehen sind.
    Sie verfügt über einen gewissen Abstand, aber nicht viel. Wenn sie über die Ereignisse in der fernen Vergangenheit schreiben würde, würde sie anders darüber berichten. Später in der Geschichte gewinnt sie eine bessere Perspektive für Ereignisse, die früher in der Geschichte passieren. Und das ist wichtig, denn während Bridget sich verändert, ändert sich auch die Art und Weise, wie sie die früheren Ereignisse beurteilt.
  • Warum erzählt Bridget die Geschichte? Weil sie verfolgen will, wie gut sie ihre Neujahrsvorsätze einhält.
    Es ist bemerkenswert, dass Bridget als Erzählerin sich nicht vorgenommen hat, eine Liebesgeschichte zu schreiben. Das war das Ziel von Helen Fielding. Weil ihre Ziele unterschiedlich sind, ist es wichtig, sie voneinander zu trennen. Ein anderer Zweck oder ein anderes Ziel verändert die Informationen, die du präsentierst und wie du sie präsentierst.

 

Der Wunsch, eine fesselnde Liebesgeschichte oder eine Action- oder Performance-Geschichte zu schreiben, ist nicht spezifisch genug, um dich bei deinen erzähltechnischen Entscheidungen zu unterstützen.

Dein spezifisches erzählerisches Mittel in Kombination mit deiner Leitidee liefert spezifische Einschränkungen, die es dir ermöglichen, deine Geschichte konsistent zu präsentieren.

Denn wenn die Form und der Inhalt aufeinander abgestimmt sind, ist deine Geschichte stimmiger.

 

Was ist mit der Leitidee / dem Thema?

Die Leitidee oder das Thema deiner Geschichte ist eine einfache Ursache-Wirkungs-Aussage über die Veränderung, die passiert, wenn der Protagonist bestimmte Herausforderungen für seine menschlichen Grundbedürfnisse erfährt. Und oft ist es die destillierte Botschaft, die der Erzähler an sein Publikum weitergeben möchte.

Manchmal ist das auch die Absicht des Erzählers, wenn er beginnt, die Geschichte zu erzählen. Das ist besonders dann der Fall, wenn der Erzähler Ereignisse aus der fernen Vergangenheit erzählt.

Wenn der Erzähler auch der Protagonist ist oder über Ereignisse in der Gegenwart oder jüngeren Vergangenheit schreibt, kann die steuernde Idee die Lektion sein, die sich aus der Erfahrung des Erzählers beim Schreiben oder Erzählen der Geschichte ergibt.

Beispiel: Bridget Jones - Schokolade zum Frühstück von Helen Fielding

Während Bridget also das Tagebuch beginnt, um festzuhalten, wie erfolgreich sie ihre Vorsätze einhält, ist das, was sie am Ende lernt, der Leitgedanke:
"Die Liebe triumphiert, wenn wir lernen, uns selbst zu respektieren."

Natürlich kann es sein, dass du als Autor mit der Leitidee deiner Geschichte übereinstimmst, und es kann auch dein Ziel sein, diese Botschaft zu teilen.

Aber du befindest dich in einer anderen Position als der Erzähler.

Deine Absicht, eine großartige Geschichte zu erzählen, wird dir nicht unbedingt dabei helfen, wichtige inhaltliche Entscheidungen zu treffen. Die Wahl eines bestimmten Erzählmittels kann dir helfen, weise zu wählen.

Beispiel: Bridget Jones - Schokolade zum Frühstück von Helen Fielding

Bridgets Tagebucheinträge beinhalten ihren Alkohol- und Zigarettenkonsum.

Diese Details erzeugen oft einen komödiantischen Effekt, aber das ist nicht unbedingt ein Grund, sie zu erwähnen. Sie stehen im Einklang mit dem erzählerischen Mittel - Bridget verfolgt ihre Neujahrsvorsätze, zu denen die Einschränkung ihres Alkohol- und Zigarettenkonsums gehört. Aber diese Details machen auch im Hinblick auf die Leitidee Sinn, denn Bridgets Konsum ist ein Indiz für ihren Selbstrespekt. 

Aber was wäre, wenn Fielding ein anderes erzählerisches Mittel gewählt hätte?

Was wäre zum Beispiel, wenn sie Bridget als Erzählerin beibehalten, ihr aber ein anderes Publikum gegeben hätte? Wie würde Bridget diese Geschichte anders präsentieren, wenn sie die Botschaft oder die Leitidee an ihre Teenager-Tochter weitergeben wollte?

Bridget (und damit Fielding) würde wahrscheinlich andere Details einbauen, um die Lektion zu lehren und die Veränderung in sich selbst zu demonstrieren. In diesem hypothetischen Beispiel haben wir das Genre, die grundlegenden Ereignisse der Geschichte oder den Erzähler-Protagonisten nicht verändert. Aber die Veränderung des Publikums verändert die Details, die in der Erzählung Sinn machen und wie wir sie präsentieren.

Wie hilft das der Autorin?

Mit ihrem spezifischen Erzählmittel und den grundlegenden Ereignissen der Geschichte kann Fielding sich fragen, was würde Bridget in ihr Tagebuch schreiben, nachdem sie diese Ereignisse erlebt hat? Das Tagebuch als Erzählmittel gibt Fielding eine klare Eröffnung für jede Szene, und sie kann ganze Kategorien von Informationen (z.B. Handlungen der Figuren, Dialoge der Figuren und Details über das Setting) eliminieren, weil sie weiß, wer die Geschichte erzählt, zu wem, in welcher Form, warum und wann. Diese Beschränkungen sind dein Freund.

 

Offene vs. verdeckte narrative Mittel

Fielding benutzt ein offenes Erzählmittel: Als Leser wissen wir, dass Bridget in ihr Tagebuch schreibt.

Was ist, wenn du nicht willst, dass das erzählerische Mittel für den Leser so offensichtlich ist?

Der Leser muss es nicht wissen, aber du solltest trotzdem eine klare Entscheidung treffen.

Tim Grahl war sich unsicher, wie er E-Mails an seine Mailingliste schreiben sollte.

Er hatte das gleiche Problem, das wir alle haben, wenn wir uns zum Schreiben hinsetzen: Was füge ich ein und wie präsentiere ich es meinem Zuhörer?

Was schließlich für ihn funktionierte, war, jede E-Mail an eine bestimmte Person zu schreiben. Als er also begann, eine E-Mail an seine Liste zu verfassen, schrieb er: "Liebe Karen". Er wusste, was er sagen musste und wie er es sagen musste, weil er wusste, was er Karen sagen musste, um ihr zu helfen, ein bestimmtes Problem zu lösen. Als er die E-Mail fertig hatte, löschte er einfach "Liebe Karen" und drückte auf Senden.

Du kannst das auch tun. Dein erzählerisches Mittel muss dem Leser nicht offenbart werden, aber du solltest dir darüber im Klaren sein, wer wem, wo, wann, warum und in welcher Form etwas erzählt.

 

Kenne deine Intention. Kenne dein WARUM.

9. Wie wählst du dein Erzählmittel aus?

Wie ich bereits gesagt habe, sollte dein erzählerisches Mittel so spezifisch und einzigartig sein wie deine Leitidee, und die beiden sind eng miteinander verbunden.

  • Wenn du deine Leitidee kennst, denke darüber nach, wer diese Botschaft überbringen möchte und an wen.
  • Wenn du deine Leitidee nicht kennst, überlege, wer die Ereignisse der Geschichte beobachten könnte und vielleicht eine wichtige Nachricht über seine Sicht der Dinge mitteilen möchte.
  • Beginne mit dem Publikum. Welches Publikum macht am meisten Sinn angesichts der Botschaft oder Lektion deiner Geschichte in Kombination mit der Leitidee deines Genres? Dann frage, wer ist am besten in der Lage, die Ereignisse zu beobachten und die Botschaft an dieses Publikum zu vermitteln? Mit anderen Worten: Nutze das, was du weißt, um das zu lösen, was du nicht weißt.

 

"Im zeitgenössischen Schreiben kann man alles mit dem Blickwinkel machen, was man will, solange es funktioniert." John Gardner

 

Weiteres Vorgehen:

  1. Erstelle eine Liste mit fünfzehn bis zwanzig Möglichkeiten für erzählerische Mittel und probiere sie aus.
  2. Schreibe eine Szene aus der Perspektive deiner Top-Auswahl. 
  3. Verbringe etwas Zeit damit, über dein spezifisches Erzählmittel nachzudenken und zu schreiben.
  4. Verstehe, dass es keine einzig richtige Antwort gibt, obwohl einige Entscheidungen effektiver sein werden als andere. Es ist sehr individuell, und obwohl es einige konventionelle Weisheiten darüber gibt, welche POVs zu verschiedenen Arten von Geschichten passen, ist es besser, sie alle in Betracht zu ziehen und einen Prozess der Eliminierung durch Experimentieren anzuwenden.
  5. Denke daran, dass du dich nicht auf einen einzigen Bickwinkel beschränken musst. Einige Geschichten verwenden einen einheitlichen Blickwinkel, aber viele der Autoren haben mehr als einen gewählt.
  6. Pass jedoch auf, dass eine andere Perspektivfigur auch das Genre beeinflussen kann: z.B. eine Kriminalgeschichte aus der Sicht des Verbrechers zu erzählen, ordnet die Story in das Subgenre 'Heist' oder 'Caper' ein, nicht ein Krimi, der meistens aus der Perspektive des Ermittlers erzählt wird.

 

Wähle mit Bedacht

Perspektive und Erzählweise sind komplizierter, als sie auf den ersten Blick erscheinen, aber die Betrachtung der zugrundeliegenden Elemente soll die Dinge einfacher machen.

Wenn du verstehst, was sich hinter den Entscheidungen verbirgt und sie im Bezug auf die Geschichte betrachtest, die du erzählen willst, bringst du ein klares Bewusstsein in dein Storytelling.

Ziehe in Erwägung, diese Fragen im Hinblick auf deine eigene Sichtweise zu stellen:

  1. Warum schreibe ich diese Geschichte? Wenn du dein Warum kennst, kannst du es als eine Art Objektiv verwenden, wie du es für deinen Erzähler tust.
  2. Was weiß ich über meine Geschichte? Die Chancen stehen gut, dass du viel mehr über die Geschichte weißt, als du denkst, und das kannst du nutzen, um das zu lösen, was du noch nicht weißt.
  3. Wer ist der ideale Leser für die Geschichte, die ich erzählen möchte? Wer ist der Erzähler, und zu wem spricht er? Identifiziere diese Schlüsselrollen für deine Geschichte und lerne, sie aus ihrer Perspektive zu sehen.
  4. Wie kann ich dieses Problem auf eine neue Art und Weise sehen? Wie möchte ich, dass der Leser sich fühlt, wenn er mit dem Lesen fertig ist? Wie wirkt sich das auf meine Perspektivenwahl aus?
  5. Wo verliere ich mich? Wo bin ich vom Weg abgekommen? Wo kann ich Hilfe finden?
  6. Wann ist meine Deadline für den Abschluss dieser Phase des Schreibprozesses? Dies wird dir helfen zu entscheiden, wie du an die Lösung deines Problems herangehen kannst.

 

Dann identifiziere deinen nächsten Schritt und lege los.

 

Quellen für diesen Beitrag:

 

 



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Melanie Naumann ist die erste und einzige zertifizierte Story Grid Lektorin im deutschsprachigen Raum. Sie liebt es, Autoren zu helfen, das Potenzial ihrer Geschichten zu entdecken und mit ihnen eine authentische und fesselne Romanhandlung in jeder Art von Setting zu entwickeln.

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Kommentare 1


Hans

28. Juni 2021

Danke für diesen sehr informativen Artikel. Er hilft mir, meine Perspektiven perfekt zu wählen.