Vergangenheit oder Gegenwart? (inkl. Download)


Vergangenheit oder Gegenwart? In welcher Zeitform schildert dein Erzähler die Geschichte? Erlebt er sie hautnah mit oder blickt er auf sie zurück?

zuletzt bearbeitet am 30. Nov 2021

veröffentlicht am 04. Nov 2017 von Eva Maria Nielsen

Kommentare: 3

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In welcher Zeitform schreibt man einen Roman?

In welcher Zeitform schreibt man einen Roman? - Vergangenheit oder Gegenwart? (inkl. Download)


In diesem Artikel erfährst du, wie du entscheiden kannst, ob du deinen Roman in der Vergangenheit oder in der Gegenwart schreiben sollst.

Am Ende des Artikels wirst du ein besseres Verständnis der Vor- und Nachteile der beiden Zeitformen besitzen. Zusätzlich stelle ich dir eine Übersicht bereit, die du dir kostenlos herunterladen kannst.

 

Inhaltsübersicht

  1. Einfach Gewohnheit: Geschichten Lesen und Schreiben in der Vergangenheit
  2. Drehbücher und Filme beeinflussen die Wahl der Zeitform für Romane
  3. Willst du deinen Roman im Präsens schreiben?
  4. So kombinierst du Gegenwart und Vergangenheit.

 

Hinweis: Bevor du über die passende Zeitform grübelst, solltest du weitaus wichtigere Dinge für dein Romanprojekt klären. Beispielsweise, in welchem Genre schreibst du? Was sind die Szenen, die deine Leser von dieser Art Geschichte erwarten? Oder wie kannst du dir ein stabiles Handlungsgerüst aufbauen, sodass du den roten Faden in der Hand behältst, etc. Diese und viele weitere Fragen sind essentiell, um deine Geschichte zu entwickeln.

In diesem Beitrag erfährst du, wie du dein Romanprojekt planen kannst: Von der Idee bis hin zum ersten Entwurf: Wie du die Handlung deines Romans planen und entwickeln kannst (Leitfaden 2021)

 

Vergangenheit oder Gegenwart?

Eine einfache und doch entscheidende Frage, die du dir vor Beginn deines Romans stellen solltest.

Vielleicht hast du ja auch vor beide Zeitformen in verschiedenen Szenen einzusetzen.

Aber wann wählst du welche?

Wie setzt du sie ein?

In welchem Fall wäre die andere Zeitform doch der bessere Zeitrahmen, um die Ereignisse deiner Geschichte zu schildern?

Beachte, dass du im Nachhinein, wenn dein Manuskript fertig vor dir liegt, du die Zeitform immer noch ändern kannst. Aber hast du dir schon einmal vorgestellt, wie viele Verben ein Roman mit ca. 80.000 Wörtern besitzt? Und dass es nicht nur die Verben sind, die du ändern musst? Sondern manchmal ganze Beschreibungen, Absätze und manchmal auch ganze Zusammenhänge?

Deswegen lerne die Vor- und Nachteile beider Zeitformen – Gegenwart und Vergangenheit – kennen und erfahre, wie du sie am wirkungsvollsten für deine Geschichte einsetzt.

 

1. Einfach Gewohnheit: Geschichten Lesen und Schreiben in der Vergangenheit

Über Jahrtausende erzählten sich Menschen Geschichten in der Vergangenheitsform.

Sie dienten der Überlieferung von Wissen, Erlebnissen, Warnungen und auch der Unterhaltung.

Egal, ob sie ausgedacht oder wahr waren, man erzählte sie sich stets als ein Ereignis, das bereits passiert war. Menschen lieben es, Geschichten zu hören. Vor allem über Dinge, die anderen zugestoßen sind, sei es aus Interesse, Wissensdurst oder einfacher Unterhaltung.

Wir sind es gewohnt, Geschichten zu hören, die uns in der Vergangenheitsform erzählt werden.

Gerade deswegen sind sie glaubhafter, weil sie so erscheinen, als wären sie bereits passiert (selbst Fantasy Geschichten – oder wer glaubt nicht daran, dass Tolkien vielleicht doch eine Parallelwelt namens Mittelerde entdeckt hat ;-) .

Im Allgemeinen lesen wir daher Geschichten in der Vergangenheitsform.

Und erst durch das Medium Film und TV erlebten Geschichten, die in der Gegenwart erzählt werden, ihren Durchbruch.

 

1.1 Was sind die Vorteile von Geschichten, die im Präteritum geschrieben sind?

Für deine Unterlagen habe ich dir eine Übersicht vorbereitet. Du kannst sie hier herunterladen: Vorteile und Nachteile von Vergangenheit und Gegenwart

Vergangenheit oder Gegenwart

  • Du bist der Herrscher über die Zeit. Du bestimmt, wann du welche Ereignisse offenbarst und wie lang sie in ihrer Erzählung andauern.
  • Du gibst die Geschwindigkeit vor. Da sich die Ereignisse in der Vergangenheit zugetragen haben, entscheidest du, ob du das Tempo deiner Handlung anziehst oder verlangsamst.
  • Du kannst Spannung mit Leichtigkeit aufbauen. Deine Leser wissen, dass deine Geschichte auf einen Punkt in der Zukunft hinsteuert, weil sie genau von diesem Zeitpunkt erzählt wird (selbst Sprünge zum Erzähler in der Zukunft sind möglich).
  • Hintergrunderzählungen und Rückblicke sind durch die verschiedenen Zeitformen der Vergangenheit leicht umzusetzen.
  • Enthülle die Charakterzüge deiner Figuren in der zeitlichen Anordnung von vergangenen Ereignissen, sodass sie deine Leser überraschen.
  • der Erzähler und der Protagonist sind durch die Zeit getrennt, selbst wenn sie der die gleiche Person sind.
  • Der Fokus der Erzählung tendiert zu dem Aufbau der Erkenntnis, in welchem Kontext von vergangenen Ereignissen sich die Figuren und ihre Entscheidungen entwickelt haben. Dies bietet Spielraum für dramatische Ironie, Spannung und Verständnis.

 

1.2 Nachteile: Schreiben in der Vergangenheitsform.

  • Bei persönlichen Erzählern kann der Leser davon ausgehen, dass er in der Geschichte nicht sterben wird, weil er die Geschichte erzählt.
  • die Verführung ist groß in ein reines Erzählen zu verfallen, ohne die Ereignisse in einem Aufbau von Minute-zu-Minute Spannung zu zeigen.
  • für Anfänger birgt der Erzähler in der dritten Person die Gefahr einer distanzierten und faden Erzählung, mit hoher psychischer Distanz zu den Figuren, sodass der Leser nie die Dinge wie die Figuren erlebt.

 

2. Drehbücher und Filme beeinflussen die Wahl der Zeitform für Romane

Heute, im Zeitalter von Filmen, baute sich der Einfluss von Drehbüchern auf die Art des Romanschreibens aus. So sehr, dass auch die Gegenwart als Zeitform für das Geschichtenerzählen genutzt wird.

Wusstest du, dass man früher die Zeitform der Gegenwart in fiktiver Prosa nutzte oder sie als ein Mittel der Moderne galt, um einen besonderen Effekt zu erzielen? Heutzutage ist sie als Standardzeitform in unserem Inneren einprogrammiert. Um uns herum geschehen so viele Geschichten und durch das Storytelling im Marketing oder die Möglichkeiten von Virtual Reality lauern interaktive Geschichten vor unserer Türschwelle.

Wir haben die Macht die Geschichten, die uns begeistern, mitzugestalten.

Ich selbst habe in meiner Teenagerzeit Geschichten geschrieben, die im 'Jetzt' passierten. Somit waren sie für mich greifbarer und bildeten ein intensiveres Erleben der Handlung und Emotionen.

 

2.1 In Filmen und Büchern wird jeweils "anders" erzählt.

Es ist wichtig zu verstehen, dass es einen Unterschied zwischen dem Medium BUCH und FILM gibt.

Filme können nicht erzählen, wie ein Buch es kann.

Filme bauen eine Geschichte auf, indem sie eine Sequenz von Ereignissen / Aktionen in der Gegenwart zeigen.

Um in einem Film herauszustellen, dass etwas bereits passiert ist, kann allein durch die Zugabe dieser Information vermittelt werden – sei es durch das Hinzufügen eines Bildrahmens mit unsauberen Kanten, eine Datumsangabe, oder der Stimme eines Erzählers.

Beispiel: Im Film gibt es kein Äquivalent zu:

Ich war bereits mehrere Kilometer über die Landstraße gerauscht, als mir klar wurde, dass diese Kiste nicht das Auto war, von dem ich als Kind träumte. Jetzt fahr ich zurück zur Werkstatt, denn wenn ich noch ein paar Minuten länger diesen Alptraum erleben muss, setze ich diese Karre gegen den nächsten Baum.

Um all die Zeitformen dieses Absatzes in einem Film darzustellen, müsste man eine Reihe von Momenten zeigen und darauf hoffen, dass der Zuschauer den Zusammenhang zwischen Zeit, Ursache und Eventualität versteht.

 

3. Willst du deinen Roman im Präsens schreiben?

Wenn du deine Geschichte in der Zeitform der Gegenwart erzählen willst, dann verpasst du eine wertvolle und einzigartige Möglichkeit: Die Tatsache, dass der Erzähler eine von der physischen Handlung unabhängige Einheit in Zeit und Raum darstellt.

Denn die Zeit der Erzählung ist unabhängig zu der realen Zeit, und die Textzeit unterscheidet sich auch nochmal davon.

Aber in der Gegenwartserzählung kannst du diesen Vorteil nicht auskosten. Denn wenn man seine Geschichte in der Zeitform der Gegenwart erzählt, dann schreibt man automatisch seine Kapitel im Modus von Augenblick-zu-Augenblick. Man ist immer mitten im aktuellen Geschehen.

Die Gefahr hierbei besteht jedoch darin, dass ab und zu weitere Informationen notwendig sind, um die Handlung auszubauen.

Doch jedes Mal, wenn man Hintergrundwissen oder Erklärungen einbauen muss, dann pausiert man die laufende, gegenwärtige Geschichte.

Vor allem in Actionszenen scheint es dann so, dass Figuren alle Zeit der Welt hätten, um sich über bestimmte Dinge Gedanken zu machen - wobei man im realen Leben bestimmt nicht Zeit hat, Dinge abzuwägen, zu philosophieren oder in Erinnerung zu schwälgen, wenn man gerade um sein Leben rennt.

 

3.1 Welche Erzählperspektive für Geschichten im Präsens?

Erzählperspektive: Ich-Erzähler

Nehmen wir an, du schreibst deine Geschichte aus der Ich-Perspektive. D.h. der Leser erlebt die Geschichte komplett aus der Sicht des Ich-Erzählers.

Doch was passiert, wenn der Ich-Erzähler in der Gegenwarts-Zeitform plötzlich bewusstlos geschlagen wird?

Beispiel: Ich sehe ein paar Kerle vor dem Club stehen. Tätowiert und um sie herum schlängeln sich die Rauchwolken. Sie gehören bestimmt zu diesem brutalen Motorradclub, die Passanten einfach mitten auf der Straße -

Du hast keine andere Wahl, als das Kapitel abzubrechen. Ein Ich-Erzähler kann nicht im Präsens erzählen, wie er gerade bewusstlos geschlagen wird. Er kann das ›Warum‹ und ›Wer‹ erst im Nachhinein dem Leser mitteilen. Und dann läuft man der Gefahr aus, dass es zu sehr nach Exposition klingt.

 

Erzählperspektive: Begrenzte, dritte Person

Schilderst du das Geschehen aus der Sicht der begrenzten dritten Person (= der externe Erzähler hat nur Einblicke in die Gefühle und Gedanken einer Figur), dann ist die Erzählung in der Gegenwart genauso problematisch.

Dadurch, dass wir dem Protagonisten auf innerer Ebene sehr nahe stehen (mit ihm denken und fühlen), erfahren wir all das, was er erlebt, in der Gegenwartserzählung noch intensiver.

Das bedeutet: Bei Ereignissen (die ja immer im Hier und Jetzt aktuell geschehen) steht der Protagonist in seiner Rolle als Erzähler außerhalb des Geschehens. Sein gesamtes Empfinden ist in jenem Moment auf das Erleben statt das Erzählen gerichtet.

Demzufolge kann der Erzähler (aus der begrenzten dritten Person sowie auch der Ich-Erzähler) im aktiven Geschehen nie sowohl Erzähler als auch Hauptfigur zugleich sein, um das Geschehen gleichzeitig zu schildern und zu erleben.

Beispiel: John weiß, dass er sich diesem brutalen Motorradclub nicht nähern sollte. Es schnürt ihm die Eingeweide zusammen während ihm seine Gedanken schockierende Bilder zeigen, wie er bereits mit den Füßen im Beton schwitzend am Ufer steht. Jetzt schauen sie auch noch zu ihm herüber. Das Adrenalin rast durch seine Venen, so schnell, wie er plötzlich von den tätowierten Männern davonrennt. Er dreht sich nicht um. Er rennt und rennt. Sein Kopf ist leer.

Sobald John in Panik verfällt und losrennt, kann man nicht erzählen, wie die anderen Männer reagieren. Vielleicht dreht sich John um und erkennt, dass sie ihm folgen. Aber er wird keine Zeit haben, um sich zu fragen warum oder was er am besten tun könnte. Hier kann man nur von Moment-zu-Moment erzählen, und der Leser ist blind für alle Dinge, die um John passieren. Der sogenannte Tunnelblick setzt dann ein.

Daher werden wir als Leser nie ganz in die Geschichte eintauchen können.

 

Erzählperspektive: Begrenzte, dritte Person - neutral

Neutral bedeutet, dass der Erzähler keinen Einblick in die Gefühlswelt und Gedanken der Figuren hat. Somit kann man nur Ist-Zustände schreiben, was eher wie eine Aufzählung klingen wird, als eine Geschichte.

Beispiel: John nähert sich dem Motorradclub. Schweißperlen tropfen von seiner Stirn hinab auf seine kreideweißen Wangen. Die tätowierten Männer sehen ihn. Und John rennt. Er rennt so schnell er kann. Die Männer folgen ihm. Er rennt über die Straße. Die Kerle sind ihm dich auf den Fersen.

Langweilig oder? Im Film wäre es spannender, weil wir mehr visuelle und akustische Reize erfahren, welche die Verfolgungsjagd zu einem intensiveren Erlebnis machen.

Aber wenn man einen neutralen Erzähler hat, dann fällt es dem Leser extrem schwer, eine Verbindung mit der Figur aufzubauen. Sie bleibt dem Leser fremd.

 

Erzählperspektive: dritte Person, allwissend

Wenn du den allwissenden Erzähler einsetzt, sind deine Möglichkeiten nicht so limitiert wie bei dem Ich-Erzähler oder der Perspektive aus der begrenzten, dritten Person.

Hier kannst du in dem Beispiel mit John und dem Motorradclub die Handlungen aller Seiten zeigen. Du musst nur aufpassen, dass du in einer Szene nicht von Kopf zu Kopf springst, weil der Leser sonst nicht weiß, welche deiner Figuren gerade was erlebt oder denkt.

 

3.2 Was sind die Vorteile von Geschichten im Präsens?

Möchtest du trotzdem deine Geschichten im Präsens schreiben, solltest du ein gutes Gefühl für Handlung, Zeit und Raum entwickeln. Dabei musst du vor allem darauf Act geben, nicht nur vom Jetzt zum nächsten Jetzt zu springen, weil sich sonst der Leser wie mit einem Löffel geprügelt fühlt.

Flüssiges und flexibles Erzählen ist hier ein sehr wichtiger Faktor, um einen guten Ausgleich zwischen den Ereignissen zu schaffen.

Vorteile: Schreiben in der Gegenwart:

  • Die Geschichte spielt sich im Hier und Jetzt für den Leser ab.
  • Die Handlung wirkt realer, da sie in ihrem Ablauf dem realen Leben gleicht, wo der Fokus auf dem, was gerade geschieht, liegt.
  • Der Strom von Dingen, die hintereinander geschehen, dient der Erzählung. Denn wo der Protagonist verwirrt ist, kann man den Leser auch verwirren.
  • die ewige Gegenwart passt zu den Figuren / dem Erzähler, die ihr Gefühl von Vergangenheit und Zukunft vergessen oder unterdrücken.
  • um zu betonen, dass der menschliche Zustand vergänglich ist
  • einfache Verwendung der Zeitform
  • in Kombination mit dem Ich-Erzähler verschmilzt die Lücke zwischen Erzähler und Protagonist. Der Erzähler weiß das, was der Protagonist weiß und sagt nur das aus, was der Protagonist in einer Situation denkt und fühlt

 Storyanalyse - Ereignisse bauen auf der Vergangenheit auf und werden von der Zukunft fortgeführt.

3.3 Was sind die Nachteile von Geschichten im Präsens?

Können Romane, die im Präsens geschrieben sind, einen Erzählstil stärken, wenn der Leser doch im permanenten Jetzt gefangen ist? Wenn die Erzählung mit der physischen Aktion einhergeht?

Vielleicht.

Auch wenn die Gegenwart im Geschichtenerzählen funktioniert, kann sie dennoch nicht die Vielschichtigkeit der menschlichen Erfahrung herüberbringen: Nämlich die Tatsache, dass Ereignisse sich auf der Vergangenheit aufbauen und von der Zukunft fortgeführt werden.

Mit dem Alter kommt die Reife. Dann verstehen wir, dass unsere ERfahrungen dazu beitragen, dass wir den Zusammenhang von Zeit und Raum um uns herum kennen. Wir wissen, wie schnell die Zeit verfliegt, und nur die Vergangenheitserzählung beinhaltet dieses Erlebtes wie auch den Augenblick.

Nachteile: Schreiben in der Gegenwart:

  • Die Erzählung der fortlaufenden Hier und Jetzt Ereignisse schafft Inflexibilität. Dabei gibt es kaum Spielraum für das Vergrößern und Komprimieren von Szenen, und Zeitverschiebungen sind umständlich oder abrupt.
  • Der Realismus in der Zeit verfügt über vergangene Aussagen und Geschehnisschilderungen. Der Autor muss hier selektieren und fokussieren können, um zu entscheiden, wie etwas erzählt wird.
  • Spannung kann nur durch die ungewisse Zukunft geschaffen werden, so stellt sich der Ironie- und Spannungsaufbau schwieriger dar.
  • Die Treue zur Gegenwart, der Realität, gewährt kaum Platz um Bedeutungen zu erklären oder etwas zum Verständnis anzubieten. Die Handlung muss für Erzählungen pausiert werden.
  • kannst du die Action nicht pausieren, reißen Rückblenden deine Leser aus der Geschichte.
  • subtile Charakterisierung und die Schaffung von Tiefe durch Hintergrundgeschehnisse sind nicht gegeben.
  • kein Unterschied zwischen Gedanken, Anspielungen oder freier indirekter Rede
  • durch die ständige Gegenwart wird die Geschichte ›aus der Zeit genommen‹ – Sie verliert den menschlichen Sinn, der unseren Platz in der Zeit und Welt bestimmt, wenn uns die Vergangenheit vorwärtsbringt und uns handeln lässt.
  • bei der Kombination mit einem Ich-Erzähler muss dieser sowohl beobachten als auch erleben. Dies kann ein Gefühl von losgelösten Ereignissen schaffen.

 

4. So kombinierst du Gegenwart und Vergangenheit.

Natürlich ist es möglich, die Vorteile beider Zeitformen für deine Geschichte zu nutzen.

Entweder trennst du sie durch Szenen voneinander oder du packst sie in deinen Handlungsfaden an die Stelle, wo sie am besten passen. Das bedeutet, Ereignisse, die in deiner Geschichte nah an der Zukunft liegen, aus der die Geschichte erzählt wird, verfasst du im Präsens. In der Gegenwart schilderst du dann die Vorkommnisse, die weiter zurückliegen.

Aber auch das Gegenteil könnte prima funktionieren: Das verwirrte Gefühl der Gegenwart kann Erinnerungen perfekt ins Hier und Jetzt holen, während die Vergangenheit die in uns verankerte Beziehung zur Zeit, die eine Haupterzählung braucht, perfektioniert.

 

Ob du dir bereits vorher die Frage der Zeitform gestellt hast, oder jetzt eher verwirrt bist, welche du verwenden solltest: Du musst wissen, dass im Repertoire des Geschichtenschreibens beide Zeitformen existieren und du als Autor die Entscheidung treffen musst, wie sie deiner Geschichte am besten dienlich sind. 

Einen bestimmten Teil deiner Geschichte in der Gegenwart zu schreiben, kann eine gute Strategie sein - wenn es passt!

 

Teile gerne deine Anmerkungen zu diesem Beitrag in den Kommentaren. 



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Melanie Naumann ist die erste zertifizierte deutsche Story Grid Lektorin. Sie ist die Gründerin von Storyanalyse.de und gab die Leitung von Storyanalyse im Dezember 2021 an die Geschichtenhebamme Eva Maria Nielsen ab. Melanie arbeitet seither vorwiegend mit Songwritern zusammen, um ihnen zu helfen, die Power of Storytelling für ihre Songtexte zu nutzen.

Dein Kommentar

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Kommentare 3


Katrin

06. Juli 2021

Der Beitrag ist sehr informativ und hilfreich, vielen Dank dafür! Wäre nur echt cool wenn es noch Beispiele gäbe wo beide Zeitformen verwendet werden!

Melanie - Storyanalyse.de

09. Juli 2021

Hi Katrin, wenn du nach Beispielen suchst, schau doch mal in meinem Artikel über Erzählperspektiven und -mittel nach. Da werden einige aufgeführt.

Tine

01. Oktober 2021

Danke für den tollen Artikel! Was ich so intutitiv als Probleme beim Schreiben in der Gegenwart gespürt habe, dem hast du eine Erklärung gegeben. LG Tine