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Was heißt Show, don't tell?

Was ist Zeigen? Was ist Erzählen

Der Beginn der Show, don't Tell Reihe

Eine Erklärung der beiden Begriffe "Zeigen, statt Erzählen" inklusive Beispielen und Vor-und Nachteilen der Verwendung.

 

Was ist Zeigen? Was ist Erzählen - Der Beginn der Show, don't Tell Reihe

29. Jun 2018 0

Inhaltsübersicht

Was ist Zeigen? Was ist Erzählen?

Beispiele für Show, don’t tell

Zum Zeigen gehören Dialoge

Die fünf Bereiche des Zeigens

 

Was ist Zeigen? Was ist Erzählen?

Show = Zeigen

ZEIGEN / SHOW heißt, dass man im Kopf des Lesers mentale Bilder schafft und seine Sinne anspricht. Man lässt ihn fühlen, so dass er Teil der Geschichte wird und diese für ihn lebendig wird. Alle seine Sinne werden angesprochen. Er riecht, fühlt, sieht, hört und schmeckt mit dem Charakter.

Wie John Gardner sagte, man muss die Realität mit Details herüberbringen, um die fiktive Welt zu gestalten - mit all dem, was die Figuren tun und sagen. Damit überzeugen wir den Leser und er liest unsere Geschichte so, als wäre sie wirklich passiert.

Das bedeutet, dass wir mit den direkten physischen und emotionalen Erlebnissen des Charakters konfrontiert sind. Wir fühlen, wie der Wind unsere Wange streift, wie sich ein Obdachloser an unseren Mantel klammert und wie salzig das Meer schmeckt.

Leser lieben es, mit den Charakteren mitzufühlen. Und das Zeigen ist wie ein Beweismittel. Wir können dem Leser erzählen, dass unser Protagonist sehr schnell wütend wird, doch wenn wir es nie zeigen, dann widerspricht sich unsere Geschichte.

 

Tell = Erzählen

ERZÄHLEN / TELL bedeutet, dass man als Erzähler allgemeine Grundlagen schafft (egal, aus welcher Perspektive man schreibt) und der Leser nicht mit dem Geschehen konfrontiert ist.

Man liefert Informationen und erklärt.

Alle Sätze, die den Leser nicht das ultimative Geschehen live miterleben lassen, fallen unter diesen Punkt. Wenn wir sagen:

›Schnee hüllte die Spitzen der Berge ein.‹

›Es war einmal ...‹

›Eine Armee aus Freiwilligen zog in den Krieg.‹

 

Beispiele für Show, don’t tell

Erzählen: Der Wind nahm an Geschwindigkeit zu und die Stühle und Tische des Cafés fielen um.
Zeigen: Der Wind peitschte ihr die Haare ins Gesicht und der Stuhl eines Cafés krachte gegen ihr Schienbein.

Wenn wir zeigen, schaffen wir ein mentales Bild in der Vorstellung des Lesers. Außerdem ist Zeigen konkreter.

Um zu erzählen, verwenden wir allgemeine Worte und kaum Details, die uns ein Bild vor Augen zaubern. Wie gesagt, Erzählen dient dem Überbringen von Informationen.

Das obere Beispiel kann man auf drei Worte herunterbrechen: Es war stürmisch.
Dieser Satz ist so allgemein, dass wir absolut nichts empfinden oder sehen. Doch, um zu zeigen, wie stürmisch es ist, gibt es viele Möglichkeiten:

Der Wind rüttelte das Haus.
Er konnte keinen Schritt gehen, ohne das der Wind ihn zurück zwang.
Der Wind heulte so laut, dass niemand meine Schreie hörte.

All diese Beispiele verwenden spezifische Details. Diese Details stärken den Schreibstil und halten den Erzähltraum aufrecht.

Vor allem sollte man bedenken, dass starke Verben beim Zeigen helfen. Vermeide stumme Wörter wie (ist, war, sind, waren), denn sie sind zu allgemein. (Näheres dazu in meinem Blogartikel: Stumme Wörter und schwache Sätze pimpen)

 

Weitere Beispiele:

Erzählen: Der alte Mann war ein Tischler, der seine Werkzeuge am Gürtel trug.
Zeigen: Eine Säge und ein Hammer pendelten an seinem Gurt. Sein Daumennagel war schwarz und als er sich bückte, fielen die Sägespäne aus seinem buchefarbenem Haar.

Erzählen: Er kniete sich zu ihr und legte ihren Kopf auf seinen Schoß. Er sah ihr tief in die Augen, doch der Blutverlust ließ sie das Bewusstsein verlieren.
Zeigen: Er fiel neben ihr auf die Knie und die Splitter der Weinflasche rissen seine Haut auf. Seine Hand fuhr sanft unter ihren Hinterkopf, wobei ihr Blut sein Handgelenk wärmte. Es pulsierte aus ihrer Kehle. Ihre Augen flackerten.

 

Zeigen besitzt meist eine höhere Wortzahl, als etwas zu erzählen.

Manchmal ist es sogar strategisch klug, wenn man einige Dinge offenlässt und nicht zu detailliert beschreibt. So kann der Leser die Lücken mit seinen eigenen Vorstellungen füllen.

Doch meist wirst du eine Welt für den Leser gestalten wollen, wo all das, was den Charakteren zustößt, wie ein lebendiger Schliff des wahren Lebens ist.

Sobald du einen wichtigen Wendepunkt in deiner Geschichte schreibst, solltest du zeigen, statt erzählen. Denn das sind die entscheidenden Momente deiner Figur, die sie durch den Plot führen. Diese muss der Leser hautnah und durch das provozierte eigene Fühlen mitempfinden.

Um jedoch eine zusammenhängende Geschichte zu schaffen, muss man manchmal wissen, wie eine Figur von A zu B nach C gelangt, aber wir müssen nicht jedes Detail von der Überwindung der Strecke kennen.

An diesem Morgen hetzte Clara zum Bahnhof, doch der Zug war Sekunden vorher abgefahren.

Solange Clara auf dem Weg von A nach B nichts passiert, dass auf die Geschichte Einfluss nimmt, können wir erzählen, um von einer Information (Clara hat den Zug verpasst) schnell zur nächsten zu gelangen. In diesem Fall ist es die Konsequenz, die Clara durch ihre Verspätung erfahren muss. Dies bedeutet, dass wir statt der Ursache den Fokus auf den entscheidenden Effekt legen, den die Ursache hervorbringt. Die Ursache ist nicht das Hauptereignis, sondern sie katapultiert uns in einer kompakten Expositionserzählung zu dem nächsten kritischen Moment.

 

Zum Zeigen gehören Dialoge.

Dem Thema ›Dialoge‹ werde ich eine eigene Rubrik widmen.

Man sollte daran denken, dass Dialoge immer zum Zeigen gehören, denn sie zeigen das aktuelle Geschehen in einem Gespräch.

Zusätzlich bilden sie ein Indiz für die Persönlichkeit der Charaktere, wie sie sprechen, welche Wörter sie wählen, etc.

Beachte jedoch, dass du Dialoge nicht dafür verwendest, um zwischen die beiden »...« Informationen hinein zu krachen.

Dialoge müssen die Handlung vorantreiben.

Beispiel:

Erzählen: Elisabeth war eine dieser Frauen, die sich so sehr nach Liebe sehnte, dass sie in jeder männlichen Aufmerksamkeit Liebe sah.
Zeigen: Zeige, wie sich Elisabeth verhält. Wie sie mit den Männern spricht, wie Hoffnung sie erfüllt und wie arg die Enttäuschung sein muss, wenn der Mann nicht mit ihr ausgehen will. Wenn sie zu Hause sitzt und ihrer dreijährigen Tochter verspricht, dass sie irgendwann wieder einen Vater haben wird.

Lese zu der physischen Distanz auch gern in meinem Glossar über John Gardener und der Begriff der psychischen Distanz.

 

Erzählen funktioniert wunderbar, indem es dem Leser berichtet, wo wir sind und was geschieht.

Und Zeigen ist genauso brillant, da es uns das psychische und emotionale Erleben des Charakters näherbringt, auch wenn es uns nicht sagt, wo wir sind und wer er oder wir sind.

Deswegen braucht man sowohl das Zeigen als auch das Erzählen

 

Die fünf Bereiche des Zeigens

Hier findest du eine Liste der Bereiche, die ich dem Zeigen zuordne. Alles andere, was du nicht unter diesen Punkten findest, gehört zum Erzählen.

Die Liste dient auch als Orientierungspunkt, denn die nächsten Blogposts werden die einzelnen Bereiche Schritt für Schritt näher erläutern.

  • Aktionen: Alle Handlungen, die deine Charaktere in Echtzeit unternehmen z.B. Marie schmiss die Torte in Jacks Gesicht.
  • Dialoge: Alles, was deine Charaktere sagen und zwischen den Anführungszeichen zu finden ist, z.B. »Sag mir, dass du mich liebst.«
  • Innere Monologe: Alles, was dein Charakter denkt, entweder durch wörtliche Gedankenrede (meist in kursiv) oder in Form eines Statements (nicht hervorgehoben), z.B. Warum kannst du dir nie die Haare kämmen, du strubbeliger Waschbär? Der Typ schafft es nie, seine Mähne zu bändigen.
  • Innere Emotionen: Alles, was dein Charakter als unmittelbares Ergebnis einer physischen Reaktion spürt oder das, was seine Emotionen direkt beeinflusst, z.B. Adrenalin rauschte durch seine Venen und die Schmetterlinge schmetterten durch seinen Bauch.
  • Beschreibungen: Alles, was die Sinne deines Charakters anspricht, z.B. Zwei Schüssen donnerten durch die Luft. Das Licht der Straßenlaterne explodierte in einem gleißenden Blitz. Splitter rieselten auf James nieder und er roch die verbrannten Funken, während er das Blut auf seinen Lippen schmeckte.


All diese Punkte können wir dem ›Zeigen‹ zuordnen.

Würden wir das letzte Beispiel erzählen, könnte es wie folgt lauten:

Mit einer blutigen Lippe stützte sich James an die Straßenlaterne. Jemand schoss das Licht über ihm aus und er fragte sich, wer ihn verfolgte.

Bitte bedenke, dass ›erzählen‹ effizienter als ›zeigen‹ ist, und wie lebendiger ›zeigen‹ statt ›erzählen‹ ist.

Deswegen versuche die interessanten Teile deiner Geschichte immer zu zeigen, während du die eher langweiligen per Erzählung zusammenfasst.



alt
Storyanalyse.de

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Melanie Naumann schreibt Thriller, studierte Sprache und bildet sich seit 2015 als Lektorin fort. Aus der Liebe zum Lektorat entstand zuerst ein Schreibblog, Ende 2018 dann Storyanalyse.de, um Autoren Hilfestellungen zum Schreiben und Lektorieren ihrer Manuskripte zu geben.

Melanie orientiert sich an den Story Grid Erkenntnissen von Shawn Coyne, da sie die Art des Lektorats des US-amerikanischen Lektors als die hilfreichste Methode empfindet, um herauszufinden, ob Geschichten funktionieren.

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