Wie kann ich besser schreiben lernen?

Mit Worten Bilder malen

zuletzt bearbeitet am 06. Nov 2018

veröffentlicht am 13. Jul 2017 von Melanie Naumann

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Stumme Worte ersetzen lernen

Mit Worten Bilder malen - Stumme Worte ersetzen lernen

Wenn man im ersten Entwurf steckt und die Storyideen fließen lässt, nutzt die Wörter, die euch einfallen, und verweilt nicht an Formulierungen. Spätestens in der Überarbeitungsphase wird es jedoch Zeit, sich von den schwachen / stummen Wörtern zu verabschieden.


Inhaltsübersicht:

Was sind stumme Wörter?

Faule Verben

Abstrakt / konkret

Dinge / Zeug

Füllwörter wie 'sehr', 'wirklich', 'ziemlich'

 

Wie du die richtigen Worte findest, um Bilder zu malen.

Was sind stumme Wörter?

Stumme Wörter tragen nicht zur Erzählung bei. Sie haben keine Aussagekraft, kein Bild, das man mit ihnen verbindet und sind nicht mehr als ein Platzhalter, eine leere Hülle ohne Persönlichkeit.

Sie hängen zwischen den Zeilen wie festgetretener Kaugummi und stocken den Lesefluss.

Um den Schreibstil aufzupolieren, müssen wir die ausdruckslosen Begriffe finden und durch passendere ersetzen, sodass die Szene im Kopf des Lesers nicht unterbrochen wird. Merke dir, dass jedes Wort für die Geschichte bedeutend sein sollte.

 

Beschreibe keinen Status:

Das Wasser war heiß.

Obwohl das Beispiel ein Aktivsatz ist (im Passiv: "Das Wasser wurde gekocht."), klingt das Wort ›war‹ passiv, da es statt einer Aktion einen Zustand beschreibt.

Um deinen Schreibstil ansprechender zu gestalten, solltest du stumme Verben wie ›ist‹, ›war‹, ›scheinen‹, ›bleiben‹, ›fühlen‹ oder ›anhören wie‹ meiden.

Ersetze diese Wörter mit aktiven Verben, die konkreter ausdrücken, was passiert, sodass der Leser ein Bild vor Augen bekommt.
Im oben genannten Beispiel könnte der Satz lauten:

Das Wasser blubberte auf dem Herd.

Nutze diese Erkenntnis und wende sie auch für allgemeine Verben an, die du mit spezifischeren oder die Handlung konkreter ausdrückenden Verben ersetzt. Mehr dazu im nächsten Absatz.

 

Faule Verben:

Das sind all die Wörter, die ›tun‹ und ›machen‹, aber nicht die Handlung vorantreiben.

Sie sind Platzhalter, die eine Tätigkeit umschreiben, wohingegen das direkte / starke Verb die Aktion auf den Punkt bringt, und die Persönlichkeit des Charakters ausdrückt.


Das heißt, geht dein Held dem Bösen nur entgegen? Oder rennt er? Vielleicht humpelt er zu ihm, jagt auf ihn zu oder schleicht? Pierscht er sich wie ein Raubtier an, oder trampelt er vor Wut?

Es existieren unzählige Synonyme, die Sinneseindrücke wecken und treffender eine Eigenart oder einen Gemütszustand ausdrücken, und damit ein Bild im Kopf des Lesers schaffen.

 

Gehen / Laufen

Er ging / lief über die Straße.
Er überquerte die Straße.
Er tänzelte den Zebrastreifen entlang.
Der Zombie schlurfte auf dem Asphalt.

Sehen

Er sah zu ihr.
Er äugte sie.
Er starrte sie an.
Sein Blick fixierte sich auf ihr.

Geben

Es gab Pasta.
Sie aß Paste.
Er schlürfte die Nudeln hinunter.

 

Abstrakt / konkret

In Verbindung mit den faulen Verben trifft man meist Aussagen an, die einen weiten Interpretationsspielraum voller Fragezeichen bieten.

Beispiel:
Tun / Haben

"Kannst du das später tun?" (Abstrakt)
"Was?"
"Den Text korrigieren." (Konkret)

Ist / Sind

Er ist allein. (Abstrakt)
(oder) Er schloss sich in seinem Zimmer ein und vergrub den Kopf im Kissen.
(oder) Er zählt die Tage, bis er sie wiedersieht.
(oder) Er verödet in Einsamkeit.

Präzise Worte können auch Substantive betreffen:

Ich versuche, den Stein zum Glänzen zu bringen.
(oder) Ich poliere den Rohdiamanten.

Oder Aussagen:

Er ist doof.
(oder) Er besitzt das Gedächtnis einer Eintagsfliege.

 

Dinge / Zeug

Während du den ersten Entwurf nur für dich schreibst, solltest du den zweiten für den Leser verfassen, sodass er deiner Geschichte ununterbrochen folgen kann, ohne, dass er an Stellen stecken bleibt, die ihm durch schwache Wortwahl unklar erscheinen.

Lisa bereiten diese Dinge immer Schwierigkeiten.
(oder) Sobald Lisa ihren Grafikentwurf vorstellen musste, stieg ihr das Blut in die Wangen.

Für den Ausflug brauchen wir das passende Zeug.
(oder) Wir benötigen Zelte, Taschenlampen und Batterien.

 

Füllwörter wie 'sehr', 'wirklich', 'ziemlich',  'direkt'

Bitte suche und streiche diese Wörter aus deinem Text, denn sie die blähen deine Sätze auf.

Ich bin sehr müde.
(oder) Ich bin erschöpft.

Sie liefen sehr schnell.
(oder) Sie rannten.

Sein Gesang war sehr schön.
(oder) Sein Gesang übertraf die Erwartungen der Jury.

Das Meer tobte wirklich sehr stark.
(oder) Der Sturm peitschte die Wellen gegen die Bucht.

Eva war eine ziemlich dünne Frau.
(oder) Aus jeder Ecke ihres Körpers stachen die Knochen gegen ihre Haut.

Er lief direkt auf sie zu.
(oder) Er lief auf sie zu.

 

Anmerkung

Es ist okay, stumme Wörter in Dialogen zu verwenden, denn sie gehören in die Alltagssprache. Jedoch rate ich dir, in der Überarbeitungsphase dir eine Liste zur Hand zu nehmen, auf die du alle Wörter schreibst, die du zugern als Füllwörter gebrauchst. Mit der Funktion "Suchen" spürst du die nichtssagenden Klebereste aus der Zeit des ersten Entwurfs auf und verbesserst sie.

Aufgabe:

Nimm dir deinen Text zur Hand, starte die Suchfunktion (STRG + F) und tippe die Füllwörter wie 'sehr', 'ziemlich' und 'wirklich' ein. Streiche sie aus deinen Sätzen.
Erkennst du, wie viel flüssiger deine Texte klingen, schon allein, wenn du nur ein unnötiges Wort weglässt?
Überprüfe deine Sätze auf weitere stumme Wörter, die du durch starke Begriffe ersetzen kannst.


Melanie Naumann - Lektorin Storyanalyse - Schreibe deinen besten Roman. Melanie Naumann - Lektorin Storyanalyse - Schreibe deinen besten Roman.
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Melanie Naumann ist die erste deutsche zertifizierte Story Grid Lektorin. Sie liebt die Analyse von Geschichten – global betrachtet bis hin zu den Szenen und Beats – und hilft Autoren, ihren besten Roman zu schreiben. Sie bietet sowohl die Diagnose eines Manuskripts an, als auch wöchentliche Coachinganrufe zwischen Autor und Lektor.

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