Die kontrollierende Idee


Die meisten Autoren haben etwas zu sagen in dieser Welt. Sie wollen, dass ihre Botschaft vom Leser entdeckt und verstanden wird. Aber wie weiß man, welcher innere Gedanke die Handlung in unserer Geschichte vorangetrieben hat? Viele Dinge geschehen unterbewusst, und obwohl man sich eine Richtung vorgenommen hat, kann es sein, dass der Leser an einem anderen Punkt ankommt und eine wichtige Erkenntnis über das Thema gewinnt, welches die Geschichte kontrolliert.

zuletzt bearbeitet am 30. Nov 2021

veröffentlicht am 01. Apr 2018 von Eva Maria Nielsen

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Die Botschaft in der Geschichte

Die Botschaft in der Geschichte - Die kontrollierende Idee


Inhaltsübersicht

Die Botschaft versteckt in der Geschichte

Was ist die zentrale / kontrollierende Idee?

Genre und kontrollierende Idee

 

Die Botschaft versteckt in der Geschichte

Doch etwas zu sagen haben und es genau zu verstehen und zu kommunizieren, ist keine Leichtigkeit.

Die Wahrheit sieht eher so aus, dass es eine große Kluft zwischen unseren rational begründeten und spezifischen, inneren Philosophien und unseren kreativen Energien besteht. Uns fällt eine tolle Szene oder eine wunderschöne Beschreibung ein, aber wir besitzen kein Verständnis davon, von wo dieser Gedanke herrührt.

Je mehr du schreibst, desto eher erhältst du Hinweise, die dir helfen, das zentrale Thema deiner globalen Geschichte zu verstehen.

Viele Autoren, ich eingeschlossen, machen sich keine Gedanken über das zentrale Thema ihrer Geschichte, bis sie ganz tief im Schreibprozess stecken. Manche streiten vielleicht auch ab, dass sie irgendeine Botschaft einbauen.

Schauen wir uns aber jede Geschichte genauer an, dann werden wir feststellen, dass bestimmte zentrale Themen in der Geschichte auftauchen.

Beispiele dieser Themen können sein: Tyrannei, Selbsttäuschung, Erniedrigung, Intimität, Liebe, Verlust, Trauer, Glaube, Hoffnung, etc.

Kein Autor muss sich übermäßig mit dem zentralen Thema seiner Geschichte befassen, aber er sollte verstehen, dass die Festlegung der zentralen Idee helfen kann, von der die Geschichte handelt, seine Schreibarbeit gezielter zum Erfolg zu führen.

Warum soll man noch mit Schreibblockaden hadern, wenn nur ein Gedanke die Geschichte so stark stützen kann, dass du hintereinander eine Szene nach der nächsten raushaust?

Leider erfordert die Definition des zentralen Themas eine Menge Geduld. Ich bin zwar selbst vom Sternzeichen Stier, und uns wird nachgesagt, wir wären geduldige Menschen, aber ehrlich? Ich geh auch lieber mit dem Kopf durch die Wand.

Vorteile durch die kontrollierende Idee

Hast du einmal deine zentrale Idee gefunden, wird deine Geschichte lebendiger. Probleme werden sich selbst lösen und Entscheidungen werden so viel einfacher sein, während die Arbeit so viel mehr Freude bereiten wird.

 

Aber was ist denn jetzt genau die zentrale / kontrollierende Idee?

Robert McKee drückte es wie folgt aus:

Die kontrollierende Idee muss auf die kleinste Anzahl an Worten heruntergebrochen werden können und darf nicht länger als eine Ein-Satz-Aussage sein. Die Aussage muss den Wertwandel der gesamten Geschichte beinhalten, entweder zum Positiven oder Negativen. Dabei sollte man den Grund des Wertwandels so konkret wie möglich verfassen.

Das kontrollierende Thema von Romeo und Julia lautet demzufolge: Liebe besiegt alles außer den Tod.

»Die Firma« von John Grisham hat ein anderes zentrales Thema: Gerechtigkeit siegt, wenn das typische Opfer schlauer als der Täter ist.
Ist diese Aussage besonders einfallsreich? Nein, aber es passt perfekt zum Kern eines Krimis — Gerechtigkeit.

John Grisham konnte aufgrund seines tiefgreifenden Verständnisses über einen jungen Anwalt eine mitreißende Geschichte schreiben. Selbst wenn das zentrale Thema nicht besonders spektakulär ist, so ist die Aussage »Gerechtigkeit siegt« doch etwas, an das ein jeder glauben mag.

Wenn wir »Die Firma« lesen, nimmt uns ein Gefühl der Angst ein: Wie kann Gerechtigkeit herrschen, wenn das eigene Rechtssystem korrupt ist? Am Höhepunkt der Geschichte, wo die Gerechtigkeit überraschenderweise, und doch vorhersehbar siegt, sind wir erleichtert.
Für den Leser ist es, wichtig zu wissen, dass ein einziges Individuum schlauer als ein System sein kann, und gleichzeitig dieses System beschützen kann.

 

Das ist die zentrale Idee einer Geschichte:

Nimm einen Wert, auf den ein jeder vertraut, um friedlich zu leben, und fordere seine Schwerfälligkeit heraus. Die Auflösung der Geschichte ist dann entweder Bestätigung oder Verwundbarkeit.

Wenn du also glaubst, dass Krimis, Horror oder Action-Geschichten keine besondere Botschaft in sich tragen und nur der Unterhaltung dienen, dann bedenke, dass sie die Werte unserer Gesellschaft in ihrem zentralen Thema tragen: Der Schurke wird geschnappt. Gerechtigkeit siegt. Das Leben ist wertvoll. Liebe ist himmlisch – wir müssen diese Botschaften von Geschichten vermittelt bekommen oder wir verzweifeln.

 

Genre und kontrollierende Idee

Wenn du in einem der externen Genres schreibst, dann wird dir die zentrale Idee meist schon durch die Genrewahl vorgegeben. Hält man sich daran, ist das vollkommen okay und auch lobenswert, wenn man es gekonnt ausführt.

Du musst nicht mit dem Kopf durch die Wand, um ein innovatives zentrales Thema zu finden. Du musst nur wissen, was die kontrollierende Idee deines Genres ist und auf Kurs bleiben.
Vor allem, wenn dich eine Schreibblockade heimsucht.


Sind innovative, kontrollierende Ideen im externen Inhalts-Genre möglich?

Natürlich.
Und das funktioniert prima, wenn du dein internes Inhalts-Genre bis an die Grenzen des Externen treibst. Denken wir an Stephen King und »The Shining«.
Die zentrale Idee: Narzisstischer Selbstmissbrauch vernichtet alle Formen menschlicher Liebe.

Der Roman gehört mit zu den Meisterwerken von King, geschrieben zu einem Zeitpunkt, als sich King selbst seinem Alkoholismus und seiner Kokain-Abhängigkeit bewusst wurde.
Die Geschichte schlug ein, weil sie zutiefst erschreckend und gleichzeitig so persönlich war. Es war eine zutiefst bewegende Straf- / Vorsichtsgeschichte für den übermäßig ehrgeizigen / selbstverachtenden Streber in uns allen, der darauf besteht, dass, wenn er nur in den richtigen Umständen leben würde, er sein Meisterwerk schaffen könnte …
Und dieses interne Genre wurde so wunderbar in eine doppeldeutige Horror-Geschichte verpackt - ein literarischer Miniplot, der sich als Horror-Geschichte tarnt. Unglaublich!

Auch wenn du den charismatischsten Helden und eine detailreiche und verzaubernde Szenerie erschaffen hast, ohne ein klares Verständnis von dem, was du mit deiner Geschichte vermitteln willst, wirst du nie die bezaubernden Worte hören: »Dein Buch hat mein Leben verändert.«

Es liegen viele Entscheidungen vor dir, aber vergiss nicht, dich zu fragen (neben all den Wendungen, die du für deine Geschichte vorbereitet hast), was ist der eine Satz, der deine Geschichte beschreibt?



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Melanie Naumann ist die erste zertifizierte deutsche Story Grid Lektorin. Sie ist die Gründerin von Storyanalyse.de und gab die Leitung von Storyanalyse im Dezember 2021 an die Geschichtenhebamme Eva Maria Nielsen ab. Melanie arbeitet seither vorwiegend mit Songwritern zusammen, um ihnen zu helfen, die Power of Storytelling für ihre Songtexte zu nutzen.

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