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Das Status-Genre in Geschichten

Warum Gladiator eine Geschichte über Status ist

Erfahre, warum Gladiator primär zum Status-Genre gehört und wie du selbst eine Geschichte über den Status deiner Figuren schreiben kannst.

 

Das Status-Genre in Geschichten - Warum Gladiator eine Geschichte über Status ist

01. Feb 2019 0

Lass uns ausbrechen und mal nicht vordergründig an die Genres denken, bei denen immer ein externer Wert auf dem Spiel steht. Lass uns die Entwicklung einer Figur betrachten und wie eine Figur durch ihre Anstrengungen einen besseren Status in der Gesellschaft erzielen kann, ODER wie sie durch die eigenen Schwächen ihr Ansehen verlieren kann.

Status definiert sich als Anerkennung, Freude, Leben im Augenblick oder Schande. Klingt das nach dem Stoff, aus dem gute Geschichten gemacht sind? Ich kann dir sagen, es gibt viele Leser, die das Status-Genre lieben.

Oder was denkst du?

Magst du den Film ›Gladiator‹ mit Russel Crowe? Wenn ja, dann wird dich dieser Artikel interessieren, denn Gladiator ist entgegen allgemeiner Annahme kein Actionfilm, sondern gehört primär zum Status-Genre.
Im Folgenden gehe ich bei meinen Erklärungen zum Status-Genre daher auch immer wieder auf diesen Film ein, den ich als Beispiel für eine bessere Veranschaulichung dieses Genres nutze.

 

Inhalt

 

Was bedeutet Status?

Wenn wir Status für unsere Geschichten betrachten, ist Status weder ein Geburtsrecht noch kann man Status durch finanziellen Reichtum, Schönheit oder durch einen hohen IQ erhalten.

Status bedeutet Selbstrespekt.

Um das Status-Genre besser zu verstehen, muss man Klassenstatus und sozialen Status voneinander trennen. Soziale Klassen beziehen sich auf eine Bevölkerungsgruppe in einer wirtschaftlichen Hierarchie.

Status ist der Rang eines Individuums innerhalb einer sozialen Hierarchie.

Okay, das klingt komplex, aber jeder von uns kennst es doch: In unserer kleinen Autorengruppe haben wir einen hohen Status. Gehen wir allerdings zur Frankfurter Buchmesse, sind wir nur der kleine Autor von nebenan.

Aber weißt du was?

Status basiert auf dem eigenen Verhalten, der inneren Einstellung, dem Willen und dem Selbstwertgefühl.

Wir können unseren Status beeinflussen. Unser Status liegt in unserer Kontrolle.

Denk an Maximus von Gladiator. Man hat dem Legionär alles genommen – seinen militärischen Rang, seine Familie und seine Freiheit. Aber seine innere Einstellung (und natürlich sein kämpferisches Talent) half ihm, unter den anderen Gladiatoren und innerhalb seiner Verbündeten seinen Status zurückzugewinnen (nicht wie am Anfang, aber er hat den Respekt des römischen Volkes gewonnen und erhält immerhin seine Freiheit am Ende).

 

Wie können wir unseren Status ausbauen oder behalten?

Status durch Ansehen gewinnen

Ansehen gewinnt man, wenn wir selbst und auch wenn Andere unsere Fähigkeiten anerkennen, und/oder wir einen Wert für unsere Gemeinschaft besitzen. Ansehen kann man entweder durch Leistung oder Beziehung verbessern.

In Gladiator hat Maximus seinen Status schrittweise durch Ansehen aufgebaut. Erst innerhalb der Sklaven, dann bei den Gladiatoren und schließlich hat er das Ansehen des römischen Publikums gewonnen.

 

Status durch Macht erreichen

Andererseits kann man Status auch durch Macht erreichen.

Macht verlangt, dass man entweder physisch überlegen ist (schneller, stärker, größer, gewalttätiger) oder indem man einschüchternd auf andere wirkt (durch Drohungen und Mobbing).

Commodus gehört in diese Status-Kategorie. Man kann auch sagen, es ist die Status-Kategorie der Unbeliebten. Commodus hat zwar Macht, aber er hat kein Ansehen. Das ist ein großer Unterschied und bedeutet am Ende sogar seinen Fall. Hochmut kommt vor dem Fall – passt in dieser Geschichte perfekt.

 

Was ist der Reiz daran, eine Geschichte über Status zu schreiben?

Jeder Mensch hat seine eigenen Berührungspunkte mit Status. In manchen Bereichen werden wir für etwas angesehen, in anderen Bereichen sind wir noch ein unbedeutendes Nichts. Wer schafft es, die Politesse zu bequatschen, kein Ticket zu bekommen und wer erhält die nächste Gehaltserhöhung?

Bedürfnispyramide MaslowStatus-Geschichten sprechen uns an, weil Status ein Teil unseres Alltags ist. Wir alle wissen, dass ein guter Status Vorteile mit sich bringt, während uns ein niedriger Status einschränkt.

Es gehört zur menschlichen Natur, dass man nach einem besseren Status in allen Lebensbereichen strebt (sofern die Grundbedürfnisse gedeckt sind – siehe Bedürfnispyramide von Maslow). Der Kampf nach Statuserhalt und Statusgewinn und der Gefahr des Statusverlustes sind Herausforderungen, denen wir uns jeden Tag aufs Neue stellen müssen. Wir müssen uns immer wieder beweisen, damit wir unseren Status behalten oder um ihn nicht zu verlieren. Und wir müssen besser werden, um eine Chance auf einen besseren Status zu bekommen.


Ist das nicht schon guter Stoff für eine Geschichte?

 

Laut Shawn Coyne können Geschichten entweder wie ein Rezept aufgefasst werden oder wie eine Warnung.

Rezeptartige Geschichten: Sie zeigen uns, wie man seine Position in der sozialen Hierarchie behält oder verbessert – vor allem durch Ansehen. (Maximus)

Geschichten, die eher als Warnung gelten, enden meist nicht gut. Diese Geschichten zeigen uns, welche Entscheidungen und Aktionen in dem Verlust von Status enden. (Commodus)

Möchtest du nicht auch deinen Lesern ein Rezept in die Hand geben, wie sie ihre Träume erreichen und ihre Alpträume vermeiden können? (Gegenüberstellung wie bei Gladiator: Einer fällt und der andere steigt auf, nur um noch tiefer zu fallen).

 

Was braucht man für eine Status-Geschichte?

Die Erfahrung, die der Leser sucht, hilft diese Frage zu beantworten.

Zunächst müssen wir ein Thema für unseren Roman finden, denn wie bei unseren Romanfiguren gibt es Themen, Werte und Prinzipien, die wir mit Hilfe des Objekts des Verlangens festlegen können (bewusstes Ziel der Figuren) sowie mit Hilfe dessen, was wir denken, das es erfordert, unser Ziel zu erreichen (Aktionen, die Handlung vorantreiben).

Dann entwickeln wir Hindernisse (Charakterschwächen und Antagonisten), die wir besiegen müssen, um unsere Ziele zu erreichen (offenbart, dass sich die Figur verändern muss). Schließlich definieren unsere Taten den Charakter und legen fest, ob wir scheitern oder erfolgreich sein werden.

Je besser du diese Dinge im Griff hast, umso ansprechender wird dein Roman sein.

 

Warum Status-Geschichten so beliebt sind.

Wie bei jeder anderen Art von Romanen wählen wir Status-Geschichten aus, um bestimmte Emotionen zu spüren, ohne mit den Risiken im wahren Leben womöglich zu scheitern. (Mehr zur Bedeutung von Emotionen und Genre findest du in dem Artikel: Wie weiß ich, welchen Roman ich schreiben will?)

Nach Shawn Coyne besitzt das Status-Genre vier verschiedene Kategorien – sie alle unterscheiden sich durch ein bestimmtes Gefühl, das der Leser erfahren möchte. Außerdem definieren sie sich durch die Kombination des Anfangs- und Endpunktes des Protagonisten.

 

Was sind die 4 Kategorien des Status-Genres nach Shawn Coyne?

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Status: Erbärmlich

Status: Erbärmlich - Verlauf dieser Art von Geschichte

Diese Kategorie des Status-Genres beginnt für die Figur mit einem niedrigen Status und endet mit einem niedrigen Status.

Erbärmlich ist daher ein gutes Wort, um den untergebenen und schwachen Protagonisten zu beschreiben, der versucht aufzusteigen, aber doch wieder fällt. Der Hauptfigur wird es nicht gelingen, das zu bekommen, was sie will. Aber durch ein gewisses Maß an Aufopferung wird sie es schaffen, ein Stück dessen zu erhalten, was sie braucht.

Die Hauptemotion, welche diese Art von Geschichte für den Leser in sich trägt, ist Mitleid. (Filmbeispiel: Die Tragikkomödie: Little Miss Sunshine, Tess von den d’Urbervilles)

Falls der Protagonist durch all seine Aufopferung weder bekommt, was er will, noch was er braucht, kann der Leser nicht nur Mitleid für ihn empfinden, sondern er kann von der Handlung der Hauptfigur auch inspiriert werden – egal, wie hoch der Misserfolg gegen diese Art der Ungerechtigkeit ist. (Beispiel: Filmbiographie Milk)

 

 

Status: Tragisch

Status: Tragisch - Verlauf dieser Art von Geschichte

Diese Kategorie des Status-Genres beginnt für die Figur mit einem hohen Status und endet mit einem niedrigen Status.

Oder sagen wir es anhand der Figur: Eine fehlerbehaftete Figur versucht durch ihre Macht, weiter aufzusteigen oder ihre Statusposition zu behalten. In diesem Unterfangen begeht sie einen tragischen Fehler, der sie zum Misserfolg und zu einer gerechten Bestrafung verdammt.

Im Beispiel von Gladiator ist es Commodus, dessen Geschichte den tragischen Verlauf nimmt. Sein Fehler war es, dass er glaubte, dass er Maximus vor Beginn ihres Kampfes tödlich verletzen musste, um gegen ihn zu gewinnen, und um mit seinem sieg sein Ansehen zu vergrößern. Aber er hat Maximus unterschätzt. Er verliert den Kampf und seine gerechte Bestrafung ist sein eigener Tod.

Andere Beispiele sind: Eine amerikanische Tragödie von Theodore Dreiser sowie Haus Bellomont von Edith Wharton.

 

 

Status: Sentimental

Status: Sentimental - Verlauf dieser Art von Geschichte

Diese Kategorie des Status-Genres beginnt für die Figur mit einem niedrigen Status und endet mit einem hohen Status.

Dem untergebenen und schwachen Protagonisten gelingt es, trotz allem, einen besseren Status für sich zu schaffen. Die Hauptfigur erhält am Ende meist das, was sie will und braucht, aber natürlich nur durch die Opfer, die sie für ihre Ziele gemacht hat. Im Gegensatz zum tragischen Verlauf erhält die Hauptfigur ihren höheren Status nicht durch Macht, sondern durch Anerkennung/Ansehen.

Beispiele hierfür sind z.B. das Musical Annie oder der Kinder- und Jugendroman Der geheime Garten.

 

 

 

Status: Bewunderung

Status: Ansehen/Bewunderung - Verlauf dieser Art von Geschichte

Diese Kategorie des Status-Genres beginnt für die Figur mit einem hohen Status und endet mit einem hohen Status.

Maximus, der Protagonist aus dem Film Gladiator, gehört zu dieser Kategorie des Status-Genres. Durch seine Prinzipien gelingt es ihm, in seinem Status aufzusteigen, und das ohne viele Kompromisse. Die Hauptfigur bekommt am Ende das, was sie will, aber nur durch ein sehr großes Opfer. (Maximus erhält am Ende seine Freiheit zurück und kann endlich zu seiner Familie ins Jenseits, aber nur, weil sein Opfer sein eigener Tod war).

Der Protagonist gewinnt seinen Status größtenteils durch Anerkennung, wobei er auch Macht demonstrieren kann. Der Antiheld passt nicht in diese Kategorie.

Beispiele sind der Film Gladiator; Sara, die kleine Prinzessin sowie der Film Serpico.

 

Wie funktioniert es mit der Charakterisierung in Status-Geschichten?

Eine Figur, die vor allem nach einem besseren Status strebt, kann sich für eine von zwei Möglichkeiten entscheiden, wie sie zu mehr Status kommen will: Durch Macht oder durch Anerkennung.Wie ich bereits in meinen Beiträgen zu den Krisen geschrieben habe, definiert sich der Charakter einer Figur nicht durch das, was sie von sich vorgibt zu sein, was sie trägt oder wie sie redet. Es sind die Entscheidungen, die wir in Krisensituationen treffen, die den wahren Charakter eine Person zeigen.

Demnach sind es die Handlungen einer Figur, was sie tun und was sie nicht tun, die eine Person am besten beschreiben.

Eine Figur, die vor allem nach einem besseren Status strebt, kann sich für eine von zwei Möglichkeiten entscheiden, wie sie zu mehr Status kommen will: Durch Macht oder durch Anerkennung.

 

Macht oder Anerkennung?

Figuren, die ihren Status durch ihre Macht verfolgen, ...

... werden wahrscheinlich gern argumentieren und darauf abzielen, um jeden Preis zu gewinnen. Störrisch, trotzig und beschuldigend sind Eigenschaften, die gut zu ihnen passen. Will man sie etwas passiver darstellen, sind sie immer noch misstrauisch, gleichgültig, angespannt und passiv-aggressiv.

Wenn der Protagonist seinen Status durch Macht erhalten soll, dann braucht man zusätzlich andere Figuren, die ihm untergeben sind.

 

Figuren, die ihren Status durch Anerkennung verfolgen, ...

... sind eher offen, professionell, durchsetzungsfähig und forschend. Will man sie etwas passiver darstellen, sind sie freundlich, gesprächig, positiv und haben unrealistische Erwartungen.

Wenn der Protagonist Status durch Ansehen bekommen will, dann braucht man auch hier ander Figuren, welche die Figur bewundern.

 

Tipp: Wie bei Gladiator ist es gut, wenn sich Antagonist und Protagonist in ihrer Herangehensweise unterscheiden, wie sie Status erlangen wollen. Commodus versuchte es durch Macht, während Maximus seinen höheren Status durch Anerkennung erhielt. Das Gegenteil wäre z.B. der Film: The Social Network.

 

Kompromissbereitschaft und Durchsetzungsvermögen

Wie sich Kompromissbereitschaft und Durchsetzungsvermögen auf die Konflikte auswirken, kannst du dir in diesem Video ansehen oder einfach das Konfliktmodell von Thomas Kilmann googlen.

 

Ideen für das Status-Genre

  • Wenn du an einer Status-Geschichte interessiert bist, überlege, was mit einer Figur passieren kann, die viel Ansehen, aber wenig Macht hat? (Oft genutzt in Geschichten mit einem internen Status-Genre wie Maximus bei Gladiator oder wie bei der Actionstory mit Pete Mitchell von Top Gun).
  • Überlege, wie die Handlung deiner Geschichte aussehen würde, wenn die Hauptfigur viel Macht besäße, aber nur wenig Ansehen (Mark Zuckerberg von dem Film: The Social Network).
  • Wenn dein globales Genre Krieg oder Performance ist, wäre das Status Genre als internes Genre eine gute Kombination. Bekannte Beispiele dieser Kombination sind z.B. Rocky, Billy Elliot oder Big Night.

 

Für mehr Ideen zum Status-Genre lies Bücher oder schau Filme, die einen Protagonisten haben, der z.B. ein nach Erfolg strebender junger Streber ist; ein sozialer Schleimer, ein erbärmlicher Verlierer oder ein kompromissloser Held.

Tipp: Viele Status-Geschichten sind Komödien.

 

Lese Geschichten, die richtig gut bewertet worden sind, und finde heraus, was sie gemeinsam haben. Bei Filmen/Büchern, die nicht so gut ankamen, finde heraus, was ihnen fehlte. Wenn du diesen Vergleich anstellst, wirst du schon bald ein intuitives Gefühl dafür besitzen, was eine Status-Geschichte braucht.

 

Was denkst du über das Status-Genre? Ist es ein Genre, das dich interessiert? Mit welchem Genre würdest du es gern kombinieren? Schreib es gern in die Kommentare.



alt
Storyanalyse.de

Melanie Naumann hilft Autoren, ihre Geschichten auf ein neues Level zu heben.

Melanie Naumann schreibt Thriller, studierte Sprache und bildet sich seit 2015 als Lektorin fort. Aus der Liebe zum Lektorat entstand zuerst ein Schreibblog, Ende 2018 dann Storyanalyse.de, um Autoren Hilfestellungen zum Schreiben und Lektorieren ihrer Manuskripte zu geben.

Melanie orientiert sich an den Story Grid Erkenntnissen von Shawn Coyne, da sie die Art des Lektorats des US-amerikanischen Lektors als die hilfreichste Methode empfindet, um herauszufinden, ob Geschichten funktionieren.

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