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Das Status-Genre in Romanen und Filmen

Pflichtszenen und Konventionen des Status-Genres

Die Pflichtszenen und Konventionen für das Status-Genre am Beispiel von Gladiator. Erfahre, wie man einen Roman über den Status von Figuren schreibt.

 

Das Status-Genre in Romanen und Filmen - Pflichtszenen und Konventionen des Status-Genres

08. Feb 2019 0

Dieser Beitrag befasst sich mit den Pflichtszenen und Konventionen, die zu einer Geschichte gehören, die sich um den Status der Figuren dreht.

Wenn du weißt, dass Status eine Rolle in deiner Geschichte spielt, dann lies weiter. Wenn du dir noch unsicher bist, ob Status relevant für dich ist, kannst du auch gern meinen ersten Beitrag zum Status lesen: Das Status-Genre in Geschichten – Warum Gladiator eine Geschichte über Status ist.

 

Inhalt


Blicken wir noch einmal zurück:

Was ist eine Status-Geschichte?

»Die Status-Geschichte ist entweder eine Heldenreise oder bei mehreren Protagonisten ein Miniplot. Die Status-Geschichte gehört zu einem internen Genre, welches die soziale Beweglichkeit und die Natur des Erfolges erforscht ... Diese Art von Geschichte dreht sich um den Versuch eines Protagonisten, in seinem sozialen Status aufzusteigen, sowie um den Preis, den diese Person für seinen Aufstieg zahlen muss.« (Shawn Coyne)

 

Status-Geschichten handeln von einem Wandel des sozialen Standes. Sie werden von dem inneren Konflikt des Protagonisten angetrieben. Figuren in einer Status-Geschichte streben nach der Bestätigung von Anderen, denn sie brauchen Anerkennung und Selbstrespekt.

Global dreht sich diese Art von Geschichte um Erfolg und Misserfolg – und wie sich diese beiden Werte vom Anfang zum Ende für den Protagonisten wandeln.

Beachte, dass es eine Stufe gibt, die sogar noch schlimmer als Misserfolg ist. In jener tiefen Stufe verkauft man sich für etwas, dass nicht den eigenen Prinzipien entspricht, und man tut alles, um irgendwie an Anerkennung oder Macht zu gelangen. Dieses ›Sich-selbst-Verkaufen‹ ist also noch schlimmer als ein ehrenvoller Misserfolg. Es ist das Statusäquivalent von Verdammnis.

 Eine Geschichte über status dreht sich um Erfolg und Misserfolg – und wie sich diese beiden Werte vom Anfang zum Ende für den Protagonisten wandeln. (Pflichtszenen sind keine Ketten, die deine Kreativität einschränken. Sondern es sind die Eckpfeiler, die sicherstellen, dass du das Versprechen einhältst, was das Genre deines Romans dem Leser gibt.) Erfahre mehr über das Schreiben und Lektorieren von Romanen auf auf storyanalyse.de

Wie definiert sich Erfolg und Misserfolg für den Protagonisten?

Die Definition von Erfolg und Misserfolg in einer Status-Geschichte ist je nach Protagonist unterschiedlich. Die Bestimmung hängt vor allem von dem Punkt ab, wo der Protagonist seine Reise begann und was seine persönlichen Ziele sind.

In Gladiator beginnt die Geschichte mit Maximus, der als Heerführer jede Schlacht gegen die Germanen gewonnen hat. Er wird von seinen Soldaten angesehen und hat einen hohen Status unter ihnen. Aber er besitzt keine Freiheit, er gehört Rom.

Er ist ein Mann, der für seine Prinzipien einsteht, und das verursacht seinen Fall, als er sich Commodus widersetzt. Er verliert seine Familie, seinen militärischen Rang und sein Zuhause ... er wird zum Sklaven und Gladiator. Er möchte weiterhin seine Freiheit zurück. Er will mit seiner Familie wieder vereint werden.

Am Ende der Geschichte bekommt er, was er will. Er erhält seine Freiheit zurück. Sein Status ist durch die Anerkennung seiner Gladiatoren-Verbündeten und durch die Einwohner Roms so stark gestiegen, dass er seine Freiheit gewährt bekam. Im Kontext seiner Welt hat Maximus gewonnen. Er ist aufgestiegen.

 

Was ist die kontrollierende Idee in einer Status-Geschichte?

Die Botschaft ist die Lektion, die der Leser durch die Geschichte lernen soll. Diese kontrollierende Idee kann in einem Satz ausgedrückt werden, der das Argument herausfiltert, welches die Geschichte machen soll. Oder anders ausgedrückt, der Satz enthält die beiden Pole der Werteskala, um die sich die Geschichte dreht (Erfolg – Misserfolg) sowie den Grund des Wandels. (Mehr über kontrollierende Ideen kannst du hier lesen)


Für Status-Geschichten lautet die kontrollierende Idee:

Erfolg setzt ein, wenn die Person sich selbst treu bleibt, egal, ob sie einen höheren Status erreicht oder nicht.

Misserfolg tritt ein, wenn die Figur sich und ihre Prinzipien verkauft, um einen höheren Status zu erreichen.

Im Falle von Gladiator kann die kontrollierende Idee wie folgt lauten:

»Erfolg – zumindest im Jenseits – gilt als Belohnung für den Helden, der gewillt ist, für seine Prinzipien zu sterben.«

 

Was sind die Konventionen des Status-Genres?

Warum brauchen wir Konventionen überhaupt?

Shawn Coyne erklärt Konventionen wie folgt:

»Konventionen sind Elemente in einer Geschichte, welche vorhanden sein müssen oder der Leser wird verwirrt, verunsichert oder so gelangweilt, dass egal wie wohlklingend die Sätze sind, er das Buch weglegt. Konventionen sind keine Pflichtszenen, aber sie sind besondere Anforderungen an die Figuren der Geschichte und an die Methoden, wie man die Handlung vorantreibt (kleine Wendepunkte durch Offenbarungen, die da sein müssen, und welche durch den Autor diskret in die Geschichte gewebt werden können).«

 

Im letzten Beitrag bin ich auf die vier Kategorien des Status-Genres eingegangen. Diese vier Kategorien sind erbärmlich, tragisch, sentimental und Bewunderung. Jede dieser Kategorien hat ihre eigenen Konventionen, aber es gibt auch welche, die sie gemeinsam haben:

  • Es gibt eine starke Figur des Mentors, der dem Protagonisten lehrt, wie man Erfolg erreichen kann und wie man Misserfolg vermeidet, z.B. der Herrscher Marcus Aurelius in Gladiator.
  • Große soziale Probleme bilden den Subtext der Geschichte. (Rassismus, Frauenhass, Klassenunterschiede, ...)
  • Ein Vorbote oder Schwellenwächter, der auch nach Status strebt, sich aber dafür verkauft hat, warnt den Protagonisten mit einer Geschichte, was er nicht tun sollte, um Status zu erlangen.
  • Ein klarer Punkt, wo der Protagonist den Moment erreicht, wo er einsieht, dass er niemals dahin zurückkehren kann, wie es einst war.
  • Ein ironisches oder bittersüßes Ende = Der Protagonist gewinnt, aber verliert auch (Er bekommt, was er will, aber nicht das, was er braucht) oder verliert, aber gewinnt auch etwas (Er bekommt nicht das, was er will, aber dafür das, was er braucht). 

 

 

Was sind die Pflichtszenen in Geschichten, die sich um den Status der Figuren drehen?

Nach Shawn Coyne sind Pflichtszenen »die Szenen in einer Geschichte, welche die Erwartungen der Leser erfüllen, die durch die Konventionen des Genres vorbereitet werden.«

8 Pflichtszenen, die in jede Status-Geschichte gehören. (Pflichtszenen sind keine Ketten, die deine Kreativität einschränken. Sondern es sind die Eckpfeiler, die sicherstellen, dass du das Versprechen einhältst, was das Genre deines Romans dem Leser gibt.) Erfahre mehr über das Schreiben und Lektorieren von Romanen auf auf storyanalyse.deWenn man nur eine Pflichtszene weglässt, funktioniert die Geschichte nicht mehr.

Pflichtszenen sind keine Ketten, die deine Kreativität einschränken. Sondern es sind die Eckpfeiler, die sicherstellen, dass du das Versprechen einhältst, was das Genre deines Romans dem Leser gibt.

Tipp: Die Pflichtszenen orientieren sich meistens auch an den Etappen der Heldenreise von Vogler.

 

Das auslösende Ereignis fordert den Status quo des Protagonisten heraus und bedroht seine soziale Position.

Am Beispiel von Gladiator: Maximus gelingt es nicht, seine Familie zu retten. Er begräbt sie und es gibt nichts mehr für ihn, für das es sich zu leben lohnt. (Das ist die Herausforderung, die Maximus am Anfang bewältigen muss)

 

Der Protagonist verlässt sein vertrautes Umfeld und sucht nach seinem Glück oder er bleibt zuhause und folgt heimlich seinen Träumen.

Am Beispiel von Gladiator: Maximus erfährt, dass es zurück nach Rom geht, zu den Spielen des Imperators. Proximo erzählt Maximus seine Geschichte, wie es ihm gelang, als Gladiator seine Freiheit zu gewinnen und wie er vor dem Imperator stand, der ihm an der Schulter berührte. Maximus gesteht Proximo, dass er auch nach Rom will, um vor dem Kaiser zu stehen. (Maximus ist jetzt gewillt, als Gladiator zu siegen und das Publikum für sich zu gewinnen, sodass er Commodus gegenüber stehen kann).

 

Der Protagonist muss sich an die neuen Gegebenheiten anpassen, aber er vertraut alten Gewohnheiten und wird erniedrigt.

Am Beispiel von Gladiator: Als General und Heeresführer, deren Motto Stärke und Ehre ist, weigert sich Maximus, als Gladiator zu kämpfen und wird von den anderen Gladiatoren geschlagen. In der Arena tötet Maximus schnell, macht das Publikum sprachlos und wirft sein Schwert hin. ›Seid ihr noch nicht unterhalten?‹, aber die Masse liebt ihn trotzdem.

 

Der Protagonist findet heraus, nach was der Antagonist strebt und versucht, es selbst zu bekommen.

Am Beispiel von Gladiator: Lucilla sagt zu Maximus: ›Heute habe ich einen Sklaven gesehen, der mächtiger als der Herrscher Roms war ... der Pöbel ist Rom und solange Commodus den Pöbel kontrolliert, kontrolliert er alles.‹ Sie sagt Maximus, dass Commodus Feinde im Senat hat und bittet Maximus, sich mit einem von ihnen zu treffen. Aber Maximus lehnt ab und schickt sie weg. Erst als er seinen Kameraden Cicero sieht, erinnert er sich an seine Familie und spürt, dass sie bei ihm sind. Er stimmt zu, dass er sich mit dem Senator trifft. Somit treibt ihn nicht mehr nur die Rache an, sondern er versucht alles, um Rom zu helfen. Maximus strebt nun also auch nach der Anerkennung von Commodus’ Vater, so wie auch Commodus es noch tut.

 

Die erste Strategie, um den Antagonisten zu besiegen, schlägt fehl. Das liegt daran, dass der Antagonist in einer Status-Geschichte entweder mehr Macht oder einen höheren Status als der Protagonist hat ODER dass er den Protagonisten erpresst.

Am Beispiel von Gladiator: Maximus will Commodus töten, als er ihn im Colloseum sieht. Aber der Neffe von Commodus kommt dazwischen. Ebenso muss Maximus seinen Helm abnehmen und kann somit seine Identität nicht länger verstecken. Commodus will, dass Maximus umgebracht wird, aber Maximus hat den Pöbel bereits auf seiner Seite und darf weiterleben. Auch der zweite Plan geht schief, wo Lucilla und Senator Gracchus Maximus zu seinem Heer bringen will, damit sie Rom einnehmen können.

 

Während eines Alles-Ist-Verloren Moments realisiert der Protagonist, dass er seine Definition von Erfolg ändern muss oder er riskiert, dass er seine Prinzipien verliert. (Je nach Kategorie des Status-Genres kann es hier eintreten, dass sich der Protagonist verkauft und seine Prinzipien ignoriert).

Am Beispiel von Gladiator: Maximus ›Alles-ist-Verloren Moment ist, wenn er das Angebot von Lucilla ablehnt, den Senator Gracchus zu treffen. Er sagt, er wäre nur ein Sklave. Was könnte er schon für einen Unterschied machen? Sein Herz will Rache, mehr als das er sich auf sein Motto von Stärke und Ehre konzentriert. Aber nachdem Juba sagt: »Du hast einen bedeutenden Namen. Er muss erst einmal deinen Namen töten, bevor er dich töten kann« beginnt Maximus zu glauben, dass er doch etwas ausrichten kann. Dann sieht er Cicero mit den Gebetsstatuen und er sieht ein, dass er alles, was in seiner Macht steht, für Rom tun muss – und um den Wunsch von Marcus Aurelius zu ehren.

 

Das Kernereignis ist der Moment, wo der Protagonist gewillt ist, dass zu tun, was notwendig ist, um einen höheren Status zu erreichen, oder er lehnt die Welt ab, zu der er gehören wollte.

Am Beispiel von Gladiator: Maximus bekämpft Commodus, selbst als dieser ihn vor dem Kampf verletzt hat. Der Wille von Maximus für seine Sache einzustehen, überzeugt sogar Quintus, der Commodus kein zweites Schwert gibt. Maximus besiegt Commodus und tötet ihn. Und selbst, als er so nah dran ist, seine Familie wiederzusehen, bleibt er noch so lange am Leben, bis sicher ist, dass die anderen Gladiatoren befreit werden und Gracchus seinen Posten wiederbekommt. Immer noch als Diener Roms lässt Maximus nicht los, bis Lucilla ihm sagt, dass er zu seiner Familie gehen soll.

 

Der Protagonist rettet sich selbst oder verliert sich selbst im Kernereignis – basierend auf der eigenen Handlung.

Am Beispiel von Gladiator: Misserfolg ist besser, als sich zu verkaufen. Maximus verliert zwar sein Leben, aber er erhält seine Ehre zurück, indem er gegen Commodus kämpft. Maximus erfüllt den Wunsch von Marcus Aurelius und gewinnt die Ehre und die Liebe von Rom. Ein Held und Diener Roms bis zu seinem Tod und er wird mit seiner Familie belohnt, die ihm im Jenseits erwartet.

 

 

Tipp: Wenn du eine Geschichte über Status schreibst, dann teste die Werte und Prinzipien deines Protagonisten und lass ihn Misserfolge erleben. Nur durch Misserfolge wird dem Leser umso mehr klar, wie sehr eine Person an ihren Prinzipien festhalten kann oder wann sie gewillt ist, sich selbst zu verkaufen.

 



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Storyanalyse.de

Melanie Naumann hilft Autoren, ihre Geschichten auf ein neues Level zu heben.

Melanie Naumann schreibt Thriller, studierte Sprache und bildet sich seit 2015 als Lektorin fort. Aus der Liebe zum Lektorat entstand zuerst ein Schreibblog, Ende 2018 dann Storyanalyse.de, um Autoren Hilfestellungen zum Schreiben und Lektorieren ihrer Manuskripte zu geben.

Melanie orientiert sich an den Story Grid Erkenntnissen von Shawn Coyne, da sie die Art des Lektorats des US-amerikanischen Lektors als die hilfreichste Methode empfindet, um herauszufinden, ob Geschichten funktionieren.

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