Was ist das Genre meines Buches/Romans?

Genre: Wovan handelt der Roman (Leitfaden)

Ein Buch im richtigen Genre schreiben

Man muss wissen, in welchem Genre man sein Buch schreiben will. Erfahre hier, wie du dein Genre findest und wie du dadurch die Erwartung deiner Leser erfüllst.

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zuletzt bearbeitet am 21. Mai 2019

veröffentlicht am 18. Jan 2019 von Melanie Naumann

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Genre: Wovan handelt der Roman (Leitfaden) - Ein Buch im richtigen Genre schreiben

Warum ist Genre so wichtig? Und warum ist es noch wichtiger, dass du weißt, zu welchem Genre das Buch gehört, das du schreibst?

In diesem Beitrag erfährst du, wie die Entscheidung für das Genre deines Romans bestimmt, ob deine Leser dein Buch mögen werden oder nicht. Genre ist der Schlüssel zum Erfolg. Wer sein Genre kennt und es beherrscht, kann die Erwartungen seiner Leser erfüllen. Wer ein Buch schreibt, ohne zu wissen, in welches Genre es gehört, wird Verluste in seinen Verkaufs- und Leserzahlen verzeichnen.

Klingt hart, ich weiß.

 

Inhalt

 

Wie mir das Story Grid half, mein Genre zu finden

"Warum der Film Gladiator nicht ins Action-Genre gehört." (Bild mit Gladiatoren), Storyanalyse.deBevor ich das Story Grid von Shawn Coyne studierte, glaubte ich, dass ich eine Actiongeschichte geschrieben hätte.

Mein Buch ›Der Fedora Attentäter‹ verfügt zwar über zahlreiche Actionsequenzen, aber allein der Anteil an Action (bei mir: Bomben, Explosionen, Geiselnahmen, Entführungen) machen nicht das Genre aus, zu dem eine Geschichte gehört.

Mein Buch ist ein Thriller, da ich alle Konventionen und Pflichtszenen dieses Genres bediene, aber nicht alle Konventionen der Actiongeschichte darin umsetze. Hätte ich mein Buch nun unter Actiongeschichte vermarktet (für die andere Erwartungen gelten), wären meine Leser enttäuscht gewesen.

Genre sagt aus, was ein Leser von einer Geschichte erwarten kann.

Ist die Genre-Kennzeichnung falsch, an der sich auch das Buchcover ausrichtet, wird der Leser in der Geschichte nicht das finden, weswegen er das Buch gekauft hatte.

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Ein anderes Beispiel: Gladiator

GladiatorDer Film ›Gladiator‹ ist keine Actiongeschichte.

Ich sage es gern nochmal: Der Film ›Gladiator‹ ist kein Actionfilm. Trotz des hohen Maßes an Action, einschließlich kolossaler und blutiger Kampfszenen, beginnt und endet die Geschichte mit den inneren Werten eines Mannes, dessen Prinzipien nicht gefährdet werden können, selbst wenn er körperlich versklavt und gezwungen wird, gegen diese Prinzipien zu handeln.

Gladiator gehört zum Status-Genre (mehr dazu bald).

Denk nur daran, dass die Geschichte Maximus vorstellt, wie er der Führer seines Kriegsherrn ist und jede Schlacht gegen die Germanen gewonnen hat. Er ist an der Spitze seiner Karriere als Legionär. Umso drastischer wenn wir sehen, wie Maximus all seiner Titel beraubt wird und als Sklave endet. Nicht nur Sklave, sondern als Gladiator.

Status bezieht sich immer darauf, wie eine Person in einem sozialen Gefüge aufsteigen oder fallen kann. Commodus steigt zum Caesar auf – nur um am Ende wieder zu fallen, während Maximus Körper symbolisch für seinen wiedergewonnenen Aufstieg in die Höhe gehoben wird, während Commodus liegen bleibt.

Es ist wirklich verlockend, das sekundäre Genre dieses Films als Action zu kennzeichnen – wiederum wegen all der ACTION. Das Verlangen nach Rache von Maximus hält ihn am Leben, aber die Handlung der Action eines Racheplots erfordert technisch, dass der Held den Schurken jagt, während Maximus keine Hoffnung auf diese freie Handlung hat. Seine Gelegenheit zur Rache ist mehr oder weniger zufällig.

 

Hätte ich Shawn Coyne und das Story Grid nicht gekannt, hätte ich Gladiator weiter als Actionfilm betrachtet. Aber wenn man weiß, worauf man achten muss und wie sich die Genres voneinander unterscheiden und wie externe und interne Genres miteinander verwoben werden können, kann man Geschichten viel besser beurteilen und wirklich klar herausfinden, zu welchem Genre eine Geschichte gehört ODER anderen Autoren helfen, die Frage: ›Wie finde ich das Genre, in dem ich schreibe?‹ zu beantworten.

 "Genre hilft dir schon vor dem Schreiben deines Romans zu wissen, was die Leser von deiner Geschichte erwarten werden." - storyanalyse.de

Warum es so wichtig ist, zu wissen, was dein Genre ist

  • Genre ist wichtiger, als man anzunehmen glaubt.
  • Genre wirkt sich auf jeden Bereich deines Romans aus.
  • Genre beeinflusst die Figuren in deinem Buch.
  • Genre schützt dich vor Schreibblockaden, die dich so niederschlagen, dass du am liebsten alles hinwerfen würdest.
  • Genre hilft dir beim Marketing.

 

Und vor allem wird Genre dir helfen, ein Buch zu schreiben, das deinen Lesern gefallen wird. Wer mit seinen Geschichten die Erwartungen seiner Leser erfüllen kann, wird Leser gewinnen, die durch Weiterempfehlungen zu diesem Buch finden.

 

Ohne Shawn Coyne hätte ich nie so ein starkes Bewusstsein für Genre entwickelt.

Genre hilft mir schon vor dem Schreiben meines Buches zu wissen, was Leser von meiner Geschichte erwarten werden.

Und wer weiß, was Leser erwarten, kann Geschichten schreiben, die nicht nur die Leser überraschen, sondern sie auch begeistern.

 

Wer ist Shawn Coyne?

Wer bis hier noch nicht weiß, wer Shawn Coyne ist, kann sich im folgenden Video einen Beitrag von Shawn Coyne ansehen, wo er über Genre spricht.

(Sprache des Videos ist in Englisch, da es das Story Grid noch nicht in Deutschland gibt – aber ich bin dran, es auch deutschen Autoren zugänglich zu machen. Mehr dazu erfährst du hier: Meine Story Grid Mission.)

 

Genre aus der Perspektive eines Autors

Wir alle kennen Genres – sei es durch die Filmkategorien auf Amazon Prime oder Netflix, oder durch die Klassifizierungen im Buchhandel. Aber wenn wir Genre wirklich verstehen wollen, müssen wir Genre aus der Perspektive eines Autors betrachten.

Vielleicht ist das Konzept Genre einfacher verständlich, wenn wir dieses Beispiel betrachten:

Stell dir vor, du trainierst jeden Tag im Fitnessstudio und hältst eine strenge Diät ein. Am Freitag willst du mit Freunden essen gehen und dir einen richtig deftigen American Hamburger gönnen, mit extra viel Käse, schönen saftigem Fleisch und geräuchertem Schinken.

Mit deinen Freunden gehst du zum besten Restaurant der Stadt und bestellt deinen Beefburger.

15 Minuten später bekommst du deinen Burger serviert. Aber statt eines Beefburgers ist es ein Tofu-Burger. Weltklasse und vom besten Koch des Landes zubereitet. Aber du bist nicht ins Restaurant gegangen, um einen Tofuburger zu essen. Du warst in der Stimmung für einen Beefburger. Egal, wie gut der Tofu-Burger ist, bist du enttäuscht. Und du wirst das Restaurant auch niemanden weiteremfehlen, weil du nicht bekommen hast, was du wolltest.

Wenn wir gerne Liebesgeschichten lesen und selbst eine Lovestory schreiben wollen, müssen wir uns die Frage stellen, ob es eher eine romantische Komödie sein soll (Crazy, Stupid, Love) oder ein Familiendrama (Kramer vs. Kramer). In beiden Subgenres des Lovestory Genres geht es um Beziehungen – einmal um die Anwandlung einer Beziehung und im zweiten Fall um die Ehe.

Oder wir wollen einen Thriller schreiben. Soll es ein Thriller mit der Schwerpunkt Recht sein (Michael Clayton) oder ein Psychothriller (Das Schweigen der Lämmer)?

 

"Für Autoren definiert sich Genre an der Art der Geschichte, die man erzählen will." - storyanalyse.de 8Bild mit verschiedenen Szenen im Hintergrund, um Genrevielfältigkeit zu zeigen.)

Es dreht sich dabei um die Erwartungen der Leser. Um ein erfolgreiches Buch zu schreiben, müssen sich Leser, Marketing und Autor einig sein, um was für eine Art von Geschichte es sich handelt!

 

Was ist dein primäres Genre?

Tipp: Schreibe deinen Roman in nur einem Genre

Natürlich gibt es auch die Mischung: Liebesgeschichten finden sich oft in vielen Arten von Geschichten wieder, aber sie müssen nicht die Hauptkategorie des Buches sein. Wer ein Buch schreibt, der muss sich auf ein primäres Genre festlegen. Ein Genre!

Wenn es zu einer Actiongeschichte auch eine Lovestory gibt, aber sich das Buch größtenteils um Leben und Tod dreht, dann ist Action das primäre Genre und die Liebesgeschichte die Nebenhandlung und somit nur das sekundäre, unterstützende Genre.

Hinweis: Bitte nicht verwechseln: Science-Fiction Horror oder Fantasy Actiongeschichte etc. Science-Fiction ist eine Form von Fantasy. Und Fantasy bestimmt zwar ein Verkaufsgenre, gehört aber nicht zu der Art Genre, was die Art der Geschichte bestimmt, sondern nur, in welcher Art Realität die Geschichte stattfindet.

Wer also sagt, ich habe eine Fantasy-Geschichte geschrieben, sagt dem Leser nicht, was er für eine Art von Geschichte erwarten kann. Fantasy kann bedeuten, es ist eine Actiongeschichte wie Herr der Ringe, Horror wie Twilight oder Krimi-Fantasy (die Serie Grimm – Polizist, der Gestalten aus Grimm’s Märchen jagt, die Verbrechen begehen.)

 

Wähle ein Genre aus. Nur eins.

Das ist der beste Rat, den ich dir geben kann.

Mach dich aber auch nicht verrückt, wenn du am Anfang noch nicht weißt, in welchem Genre du dein Buch schreiben willst. Manchmal kannst du auch einfach nur die Geschichte fließen lassen und deinen ersten Entwurf schreiben. Auch diese Herangehensweise funktioniert – immerhin ist die größte Herausforderung erst einmal, die Geschichte auf Papier zu bringen.

Aber spätestens in der Überarbeitung zum zweiten Entwurf sollte man sich festlegen, was das primäre Genre ist. Ohne diese Entscheidung wird man nicht zielgerichtet lektorieren können und sich in ein Fass ohne Boden begeben, das nie gestopft werden kann.

Wenn ich eine Geschichte an meine Testleser gebe, möchte ich zuerst von ihnen wissen, ob sie der Geschichte folgen konnten. Wenn sie mir sagen, dass sie stellenweise verwirrt waren, dann klingen die Alarmglocken. Der Job eines Autors ist es, den Leser an die Hand zu nehmen und ihn durch die Geschichte zu führen.

 

 

Was in den nächsten Absätzen folgen wird, ist eine Zusammenstellung verschiedener Quellen von Aristoteles und Plato, zu Schiller und Goethe, zu Friedman, Vogler und vor allem Shawn Coyne, der diese fünf Kategorien zur Genre-Entscheidung entwickelt hat.

Zusätzlich hat mich auch sehr die Herangehensweise von Robert McKee beeinflusst, den ich zuerst durch seine Beiträge für das Storytelling im Marketing kennenlernte. Er ist der führende Experte im Handwerk des Geschichtenschreibens (vor allem für Drehbücher). Die genialsten Ideen, die McKee und sein Kollege El-Wakil hervorbrachten, drehen sich um das Zusammenspiel von fünf verschiedenen Kategorien des Genres.

Was bedeutet Genre?

Ein Genre ist wie ein Etikett, das dem Leser / Publikum verrät, was er zu erwarten hat.

Jeder weiß, womit er bei einem Thriller, einer Liebesgeschichte oder einem Action-Film rechnen kann. Diese Erwartung bildet zugleich den Grund, warum oder warum wir nicht eine Geschichte sehen oder lesen wollen.

 

In welchem Genre kannst du deine Geschichte einordnen?

Egal, ob du bereits eine Geschichte geschrieben hast oder sie noch im Kopf mit dir herumträgst, die grobe Zuordnung zu einem Genre hast du bereits bewusst oder unterbewusst getroffen.

Doch jetzt solltest du bewusst über die Festlegung des Genres mit seinen fünf Teilbereichen nachdenken.

So kannst du auf ihre Konventionen und Pflichtszenen zurückgreifen, wenn du unter einer Schreibblockade leidest. Dasselbe gilt, wenn du deine Geschichte überprüfen willst, ob sie alle Elemente beinhaltet, die der Leser durch die Klassifizierung des Genres erwarten wird.

Genreunterteilungen gibt es genügend, und die Kriterien für die Klassifizierung sind nicht einheitlich. Während Kriminalromane und Romanzen anhand des Hauptplots einem Genre zugeordnet werden, ist bei den historischen Romanen entscheidend, wann die Geschichte stattfindet.

Die Genre Unterteilung hilft dir deinen Blick für die Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Geschichten zu schärfen.

Genres agieren als Orientierungspunkt, sodass wir unter all den veröffentlichten Büchern den Überblick bewahren können.

Dabei gilt, je mehr Konventionen eines Genres in einem Buch zu finden sind, desto eher wird es zu einem bestimmten Genre gehören.

In vielen Romanen gibt es Elemente, die ein oder zwei weitere Genres antasten. Das Genre leitet sich dann von dem Handlungsstrang ab, der durch die verwobenen Konventionen mit dem größten Fokus durch die Geschichte führt. Wenn ein Krimi beispielsweise einen Nebenplot mit einer Liebesgeschichte besitzt, bleibt er ein Kriminalroman.

 

Fünf Fragen, um die globale Geschichte mit dem Genre zu definieren

"In diesem Sinne beantwortet uns das Genre fünf Fragen, die unsere Entscheidung beeinflussen." (Shawn Coyne)

  • Wie lang ist die Geschichte?
  • Inwiefern müssen wir unsere Vorstellungskraft zum Unglaublichen dehnen?
  • Was ist der Stil, durch den wir die Geschichte erleben werden?
  • Wie ist die Story strukturiert?
  • Was ist der allgemeine Inhalt der Geschichte?

 

Mit diesen fünf Fragen haben McKee und El-Wakil die unzähligen vertrauten Genres sortiert, die wir alle intuitiv in fünf Hauptkategorien kennen.

Diese fünf Bereiche bilden in ihrer Gesamtheit die globale Geschichte.
Das bedeutet, dass man als Autor fünf Entscheidungen für sein Buch treffen muss. (Mehr sind aufgrund von verschiedenen Handlungssträngen in bestimmten Bereichen möglich)

 

Die folgenden fünf Bereiche, die das eigene Genre definieren, kann man wie eine Art Straßenkarte betrachten. Sie helfen Autoren von einem Punkt zum nächsten zu kommen, wenn sie damit anfangen, ihr Buch zu schreiben oder zu lektorieren.

 

Die Bestandteile der globalen Geschichte

Es gibt insgesamt fünf Fragen, die man bei der eigenen Genre-Entscheidung beantworten muss: Umfang, Realität, Stil, Struktur und Inhalt. In jedem Bereich muss man seine Wahl treffen.

 

Umfang

Genre-Entscheidung Umfang

Als Erstes musst du natürlich wissen, welchen Umfang dein Buch annehmen wird. Soll es nur eine Kurzgeschichte werden, ein Drehbuch oder ein Roman.

Der Umfang sagt demnach aus, wie lang die Geschichte sein wird.

Kurz: Kurzfilme und Kurzgeschichten

Mittlere: TV Serien, Dokumentationen, Novellen, 1000 Wort Journalismus, ein Akt Theaterstücke

Lang: Filme, Romane, drei Akt Theaterstücke (oder mehr).

Realität & Stil

Die nächsten beiden Entscheidungen beziehen sich auf den Grad der Realität, den deine Geschichte besitzt sowie den Stil.

Natürlich musst du hier nichts analysieren, wenn du dir zwischen zwei Merkmalen unsicher bist. Bedenke, du kannst ein Drama mit witzigen Elementen schreiben oder eine Komödie mit einem Hauch Drama. Doch wenn du dich zum Zeitpunkt der Buchveröffentlichung festlegen musst, schau auf die Emotionen, die deine Geschichte ausdrückt. Sind sie wahr oder versuchst du, ihnen auszuweichen? Das ist in diesem Beispiel dein Genre im Bereich Stil – Drama oder Komödie.

In der Frage der Realität musst du dir im Klaren sein, ob deine Geschichte wirklich geschehen ist (Factualismus), sie noch nicht geschehen ist, aber passieren könnte (Realismus), sie durch etwas Unnatürliches nicht in der Wirklichkeit existieren kann (Fantasie) oder sie komplett aus der Reihe fällt, und selbst für Fantasy zu grotesk ist (Absurdismus).

Realität

Der Realitätsfaktor bezieht sich auf die Frage, inwiefern die Geschichte in das Unfassbare taucht.

Genre-Entscheidung Realität

Factualismus: Das sind Storys, die sich auf geschichtliche Ereignisse beziehen sowie Biographien. Sie starten meist mit: »Die Geschichte beruht auf wahren Begebenheiten«, wie z.B. Schindlers Liste, Ziemlich beste Freunde, The Social Network, The Wolf of Wall Street.

Realismus: Das sind Geschichten, die zwar noch nicht passiert sind, aber im realen Leben geschehen können, wie z.B. die Fernsehserie Law and Order.

Absurdismus: Hier finden sich all die Geschichten, die man z.B. bei den Looney Tunes findet.

Fantasie: Wie es der Name sagt, sind es die Geschichten des Wundersamen und Fantastischen. Sie benötigen eine umfassende Aufhebung des Unglaubens. Sie werden in drei Subgenres geteilt:

  • Mensch: Anthropomorphisierte Wirklichkeit wie George Orwells dystopische Fabel ›Farm der Tiere‹, oder Zeitreisen wie ›Zurück in die Zukunft‹ oder ›Täglich grüßt das Murmeltier‹. Auch hier lassen sie sich in Zeitgemäße und historische Literatur unterscheiden.
  • Magie: Das sind die Welten, in die man zugern entschwindet. Sie werden bestimmt von neuen Gesetzen und von anderen Geschöpfen bewohnt, so z.B. J.R.R. Tolkiens ›Der Herr der Ringe‹ oder Avatar.
  • Science Fiction: Hier überschneiden sich die Grenzen zwischen technischem Fortschritt und Magie, die nicht unbedingt durch Fabelwesen, sondern eher durch technische Hilfsmittel von jedem Anwender eingesetzt werden können. Sci-Fi lässt sich weiter aufsplitten in:
    Alternative Geschichte: Watchmen von Alan Moore
    Cyberpunk, Die Neuromancer Trilogie von William Gibson
    Naturwissenschaft, Solaris von Stanislaw Lem.
    Militärisch: Starship Troopers von Robert A. Heinleins
    Post Apokalyptisches / Dystopie: The Road von Cormac McCarthy
    Romanze: Outlander von Diana Galbaldon
    Sozialwissenschaft: Star Trek
    Weltraumoper: Star Wars

 

Stil

Der Stil sagt aus, wie wir die Geschichte erfahren werden.

Genre-Entscheidung Stil

Drama: Ein ernster Ton, der die Realität konfrontiert und von tiefen Emotionen begleitet wird.

Komödie: lustige Ereignisse und Witz mit dem Ziel, sich nicht mit wahren Emotionen auseinandersetzen zu müssen.
 
Dokumentation: Auf Fakten beruhende Geschichten wie ›Die Reise der Pinguine‹ oder fiktionale Dokumentarfilme, die das Doku-Genre parodieren (Apollo 18, Das Wunder von Wien oder Borat).

Musical: Figuren fangen an zu singen, wie Chicago oder Grease.

Tanz: Dirty Dancing, Black Swan

Kampfkunst: Karate Kid, HiddenDragon

Literarisch: Eine Sensibilität der »hohen Kunst«, wie sie von einer bestimmten Intelligenz ausgesprochen wird. Sie teilt sich in:

  • Poesie: Fahles Feuer von Vladimir Nabokov
  • Minimalismus: kurze Fiktion, ›Würdest Du bitte endlich still sein, bitte ...‹ von Raymond Carver
  • Meta: Selbstreferentielle Werke, die Geschichten über Geschichten erzählen, wie Die Versteigerung von No. 49 von Thomas Pynchon
  • Post Moderne: Fragmentiert und subversiv in der formalen Struktur, Naked Lunch von William Burroughs.
  • Theatralisch: Eigenschaften des Theaters
  • Filmisch: Eigenschaften von Filmen
  • Epistolarisch: Eigenschaften von Briefen
  • Zeichentrick: Anthropomorphisierte Dummheit


Das sind die ersten drei Entscheidungen, die leicht zu treffen sind. Schreib sie dir auf.
Nun weiter zu der schwierigeren und komplementären Beziehung zwischen Struktur und Inhalt.

 

Die Struktur deiner Geschichte

Genre-Entscheidung Struktur

Die Struktur bezieht sich auf den Aufbau der Geschichte. Ist sie minimalistisch, nicht traditionell oder in einem Bogen gespannt?

Bogenplot: Hierzu gehören die typischen Geschichten: die Heldenreise, das klassische Dreieck von Aristoteles mit Anfang – Mitte – Ende, die Drei-Akt Struktur oder der Aufbau von Hollywood Screenplays.

Selbst wenn sich dein Protagonist nicht zum Schicksalsberg aufmacht, um den Ring zu zerstören, bildet ein spezielles Ziel die Grundlage  der Handlungsstruktur. Durch ein Ereignis wird das Leben des Protagonisten aus der Bahn geworfen und er versucht, bewusst und / oder unbewusst, wieder das Gleichgewicht herzustellen. Auf seiner Reise begegnen ihm antagonistische Kräfte (interne Hindernisse, menschliche oder natürliche), die ihm das Erreichen seines Zieles erschweren oder verwehren.

Der Mini-Plot bezieht sich größtenteils auf innere Konflikte.

Der Anti-Plot verwirft jegliche Prinzipien des Geschichtenerzählens. Die Erzählung bröckelt, die Realität und Zeit hängen in der Luft und der Protagonist verändert sich nicht. Das ist die feine Art der Post-Moderne.

Der Inhalt der Geschichte

Genre-Entscheidung Inhalt

Der Inhalt ist der Begriff, der am meisten mit dem Genre assoziiert wird. Er setzt die Atmosphäre / die zentrale Idee der Geschichte.

Die folgenden 12 Genres hat Shawn Coyne als die Genres festgelegt, die am besten den Inhalt der Geschichte beschreiben.

Externe Genres des Inhalts sind Geschichten, die hauptsächlich von einem globalen externen Wert und seiner positiven und negativen Energie angetrieben werden, wie in den folgenden Beispielen dargestellt:

  • Action: Leben vs. Tod
  • Horror: Leben vs. Schicksal, das schlimmer als der Tod ist (Verdammnis).
  • Verbrechen: Gerechtigkeit vs. Ungerechtigkeit.
  • Western: Individualismus vs. Gesellschaft, Freiheit vs. Zivilisation.
  • Krieg: Gerecht vs. Korrupt.
  • Thriller: Leben vs. Tod mit der Möglichkeit auf Verdammnis in Kombination von Gerechtigkeit vs. Ungerechtigkeit (Ein Mix aus Action, Horror und Verbrechen)
  • Gesellschaft: Der Wert, der auf dem Spiel steht, bestimmt das Subgenre, z.B. die häusliche Geschichte von einem Individuum vs. Familiendynamik.
  • Liebe: Liebe vs. Hass vs. Selbsthass vs. Hass, der vorgibt Liebe zu sein.
  • Performance: Anerkennung vs. Pein


Interne Genres des Inhalts beziehen sich auf Geschichten, die von der Natur des internen Konflikts des Protagonisten angetrieben werden.

  • Status: Erfolg vs. Misserfolg.
  • Weltanschauung: eine Veränderung im Leben führt zum Wandel der Werte.
  • Moral: eine Veränderung der Moral des Protagonisten.

 

Um extern und intern zu unterscheiden, kann man sich auch einfach Fragen: Wird die Geschichte vom Plot oder den Figuren angetrieben? Wenn der Plot die Geschichte antreibt, gehört das Buch zum externen Inhalt. Wenn die Figuren die Geschichte antreiben, dann geht es um die internen Genres (je nach Auffassung können sie sich in der Wahrnehmung auch stark vermischen. Was für den einen eine Geschichte über Moral ist, ist für den Anderen eine Status Geschichte.).

Geschichten müssen nicht über ein externes und internes Genre verfügen. Gruselgeschichten, Krimis und Actionstories besitzen meist kein internes Genre.

In internen Genres muss sich der Protagonist im Laufe der Geschichte verändern / die Sicht auf die Dinge muss sich wandeln, um selbst wachsen zu können, vor allem in Liebesgeschichten gibt es ein unterstützendes internes Genre, da jeder der zwei Protagonisten erst zu einer Erkenntnis kommen muss, bevor das Paar zusammen sein kann.

Man kann extern und intern miteinander kombinieren, aber auch hier gilt es, dass man ein primäres Genre festlegt. Andernfalls verwirrt man den Leser, weil er nicht das bekommt, was er womöglich von der Geschichte erwartet.

 

Ein Beispiel:

Sagen wir, wir wollen eine Geschichte über einen Astronuten schreiben, der auf dem Mars zurückgelassen wird (Der Marsianer von Andy Weir).

Da ein jeder von uns zuerst die Geschichte als Leser betrachtet, wissen wir, dass es eine Science-Fiction Geschichte ist, weil die Reise auf den Mars bisher noch nicht möglich ist.

Science-Fiction ist eine korrekte Zuordnung für diese Geschichte. Aber Autoren müssen mehr in die Tiefe gehen und uns fragen: Von was handelt die Geschichte wirklich? Ja, die Story spielt auf dem Mars und Science-Fiction macht die Geschichte möglich. Aber der Marsianer ist eine Geschichte, die sich um das blanke Überleben in einer todbringenden Umgebung dreht.

Der Marsianer ist zwar im Bereich Realität: Fantasy - Science Fiction, aber im Sinne ds Inhalts ist der Marsianer eine Actiongeschichte (Abenteuer - Umwelt)

 

Wie die fünf Fragen der Genre-Entscheidung beantwortet werden können

Wenn man versteht, wie die fünf Fragen der Genre-Entscheidung miteinander arbeiten, hat man eine super Grundlage für seinen Roman gefunden.

Sagen wir, du willst die Geschichte über einen kleinen Hobbit schreiben, der mit ein paar Zwergen zu einem Berg reist. (Der Hobbit J.R.R. Tolkien). Die Antworten auf die fünf Fragen würden wie folgt aussehen:

Umfang: Lang (Roman)

Realität: Fantasy - Magisch (es ist eine fantastische Welt, die sich geographisch wie auch von den Bewohnern und Möglichkeiten von unserer unterscheidet)

Stil: Drama

Struktur: Heldenreise/Bogenplot (ein Handlungsstrang, der Bilbos Abenteuer folgt)

Externer Inhalt (primäres Genre): Action - Abenteuer - Umgebung - Labyrinth (Weg zum Einsamen Berg finden)

Interner Inhalt: Weltanschauung: eine Veränderung in Bilbos Leben führt zum Wandel seiner Werte. Er bricht aus seiner eigenen, kleinen Welt aus (Bequemlichkeit seines Zuhauses) und setzt alles daran, dass auch die Zwerge ihr Zuhause zurückbekommen.

 

Diese fünf Fragen passen nicht zu meiner Geschichte

Doch, die Fragen passen. Frage dich, welche Art von Geschichte/Buch du wirklich schreiben willst. Denk auch gern länger über diese Frage nach.

Wenn der Autor nicht in der Lage ist, diese Entscheidung zu treffen, kann er seinen Lesern nicht erklären, was er geschrieben hat. Und wenn der Leser nicht weiß, was ihn erwartet, wird er das Buch nicht kaufen.

 

Tom Clancy, Stephen King oder auch George R.R. Martin nutzen doch auch nicht diese fünf Fragen, um ihr Genre zu finden. Warum sollte ich es nutzen?

Sicherlich betrachten diese Autoren nicht vorher diese fünf Fragen, um so ihre Geschichte zu definieren. Sie schreiben aber auch schon seit ihrer Kindheit und haben wahrscheinlich genügend Manuskripte geschrieben, die noch immer in ihren Schubladen liegen. Ich möchte dir auch nicht aufzwingen, wie man ein Buch schreiben kann. Die fünf Fragen dienen lediglich der ersten Orientierung.

Wie bei den oben genannten Autoren, wird sich auch bei dir mit der Zeit die Intuition dafür entwickeln, wie man gute Romane schreibt. Aber wenn du schneller verstehen möchtest, wie sich die Erwartungen deiner Leser erfüllen lassen, musst du dein Genre finden.

»Man muss vom Publikum lernen. Die Komplikation ist, es wird dich etwas kosten. Man muss den Preis zahlen, um ihr Urteil zu erfahren. Es gibt keine höhere Instanz. Du kannst nicht sagen: 'Hey, wart mal. Weißt du, wie hart ich an diesem Projekt gearbeitet habe?' Das Publikum interessiert es nicht, und das muss es auch nicht. Sie antworten: 'Hast du geliefert, was ich erwartet habe?'« (David Mamet, Masterclass)

 

In der Kategorie 'Aufbau von Geschichten' gehe ich näher auf die Struktur und den Inhalt ein.

 

 

Was ist dein Genre, in dem du schreibst? Hat dir dieser Artikel geholfen oder hast du noch Fragen? Schreib sie gern in die Kommentare.



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Melanie Naumann ist die erste deutsche zertifizierte Story Grid Lektorin. Sie liebt die Analyse von Geschichten – global betrachtet bis hin zu den Szenen und Beats – und hilft Autoren, ihren besten Roman zu schreiben. Sie bietet sowohl die Diagnose eines Manuskripts an, als auch wöchentliche Coachinganrufe zwischen Autor und Lektor.

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