Wie schreibe ich ein Buch?

Ein gutes Rezept für bessere Geschichten

Das Ursache- & Wirkungsprinzip in Geschichten

Eine zufällige Aneinanderreihung von Ereignissen ist nicht genug, um eine Geschichte zu schaffen. Erfahre in diesem Beitrag mehr zum Prinzip von Ursache und Wirkung.

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zuletzt bearbeitet am 26. Apr 2019

veröffentlicht am 26. Apr 2019 von Melanie Naumann

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Ein gutes Rezept für bessere Geschichten - Das Ursache- & Wirkungsprinzip in Geschichten

Wenn man ein Meisterkoch werden möchte, reicht es nicht aus, wenn man nur nach Rezept kochen kann.

Man muss verstehen, welche Zutat welchen Effekt mit sich bringt und wie eine Zutat auf eine andere reagiert. So kann der Koch genau vorhersehen, wenn er verschiedene Gewürze und Zutaten verwendet, was das Ergebnis sein wird.

Gute Köche verstehen das Prinzip zwischen Ursache und Wirkung.

Diese voneinander abhängige Verbindung stellt auch für Autoren eine wichtige Fähigkeit dar.

Die Fotografie von Worten reicht nicht aus. - Zitat von Dwight V. Swain.Wenn wir ein tolles Buch lesen und auch so einen mitreißenden Roman schreiben wollen, dann ist die Ursache (Wissen, Fähigkeiten, Arbeit) für die Wirkung (eine super Geschichte) nicht greifbar/klar für uns. Diese kausalen Beziehungen in einer Geschichte werden meist nicht behandelt oder sie werden darauf beschränkt, dass es eine Verkettung von Ereignissen geben muss, die einen Anfang, eine Mitte oder ein Ende formen – aber nicht den kausalen Faden, der das zusammenhängende Ganze bildet.

Dwight V. Swain sagte: Die Fotografie von Wörtern reicht nicht aus.“

John Gardner erklärt: „Man muss konkrete Bilder von Moment zu Moment präsentieren, die aus einer sorgfältigen Beobachtung des Verhaltens der Menschen stammen. Und wir müssen die Verbindungen zwischen den Momenten, die genauen Gesten, Gesichtsausdrücke oder Sprechveränderungen herstellen, welche innerhalb einer bestimmten Szene die Menschen von Emotion zu Emotion bewegen, von einem Moment zum nächsten.“

Eine zufällige Aneinanderreihung von Ereignissen ist nicht genug, um eine Geschichte zu schaffen.

 

In diesem Beitrag erfährst du, warum das Prinzip von Ursache und Wirkung so eine Herausforderung darstellt. Außerdem gehe ich darauf ein, warum die kausale Verbindung zwischen Anfang und Ende eine Geschichte verbessert und wie man sie sowohl im Mikrokosmos der Geschichte als auch in der Makroansicht finden kann.

Am Ende des Beitrags wirst du ein besseres Gespür für Ursache und Wirkung in Geschichten besitzen.

 

Inhalt

 

Geschichten handeln von Veränderung

Wie bereits in dem gleichnamigen Blogbeitrag geschrieben (Geschichten handeln von Veränderung), beginnt der Protagonist in einem bestimmten Zustand und endet in einem anderen Zustand.

Auch ist es wichtig, dass eine Veränderung nicht einfach so passiert.

Außer du schreibst einen Antiplot, wo zufällige Ereignisse als kausal/vorherbestimmte Ursachen aufgefasst werden.

 

Um die Figur an einen Wendepunkt zu bringen, bedarf es eine Kombination von einer Sammlung spezifischer Bedingungen und einer Reihe von kausal miteinander verbundenen Ereignissen (Ursache und Wirkung), die aus einem Konflikt oder einer Aktion hervorgehen.Eine Veränderung ist nicht zufällig.

Stattdessen ist der Zustand der Figuren kontinuierlich über die verschiedenen Einheiten der Geschichte hinweg von Veränderung geprägt. Sobald die Handlung anhält und sich nichts für die Figuren geschieht, dass ihren Zustand oder ihr Empfinden verändert, stockt die Geschichte.

Als Autor sollte man darauf achten, dass man nicht den Lesefluss für seine Leser unterbricht, indem man zu lange Passagen oder Szenen einfügt, bei denen sich der Leser fragt: »Wann geht es denn mit der Geschichte weiter?«

Um diesen Wandel des Zustands zu verstehen, betrachten wir den Wendepunkt der globalen Geschichte:

Um die Figur an einen Wendepunkt zu bringen, bedarf es eine Kombination von einer Sammlung spezifischer Bedingungen und einer Reihe von kausal miteinander verbundenen Ereignissen (Ursache und Wirkung), die aus einem Konflikt oder einer Aktion hervorgehen.

Robert McKee Story

Auch wenn Geschichten ein Abbild des Lebens darstellen sollen, so sind reine zufällige Ereignisse kaum von Interesse der Leser.

Robert McKee weist in seinem Buch STORY darauf hin, dass man zufällige Ereignisse nur bis ungefähr zur Mitte der Geschichte einstreuen darf. Denn jedes zufällige Ereignis muss seine Wirkung erst noch entfalten, um von einer anfänglichen Bedeutung im Laufe der Geschichte eine andere Bedeutung zu erlangen.

Wenn man am Ende der Geschichte den Zufall über das Schicksal der Figuren bestimmen lässt, dann nutzt man die Methode der Deus ex Machina – eine von Gott gesandte Maschine, um die Geschichte aufzulösen. Was früher im griechischen Theater funktioniert hat, ist ein großer Fehltritt heutzutage. Die Geschichte wird nicht glaubwürdig sein und die Leser sind unzufrieden.

 

Leser wollen sehen, wie die Figur ihren Weg aus ihrem Dilemma findet, auch wenn sie noch so sehr in der Klemme sitzt. Die Geschichte muss einen Sinn ergeben, denn wir wenden uns an Geschichten, um Dinge erklärt zu bekommen, die wir nicht verstehen, und um nützliche Lektionen zu lernen, ohne uns dem Risiko auszusetzen, das wir selbst gefährdet sind.

Zufall ist zwar ein Teil des wahren Lebens, aber in einer Geschichte muss der Protagonist selbst am Ende eine Lösung finden.

Stell dir nur vor, wir sehen John McClane (Bruce Willis in Stirb Langsam) gefesselt auf dem Stuhl sitzen und Hans Gruber will ihn erschießen, aber ohne dass McClane sich selbst aus der Situation befreit, hat Gruber plötzlich und rein zufällig einen Herzinfarkt und stirbt. Hätte uns Stirb Langsam mit diesem Ende gefallen? Oder gefällt uns der Film besser, weil McClane mit seinem Hau-Drauf-Humor den Schurken überlistet?

 

Schauen wir uns zunächst an, was Bedingungen, Ursachen und Wirkungen sind, bevor wir sie in einem Beispiel miteinander kombinieren.

 

Bedingungen

Bevor eine Ursache eine Wirkung erzielen kann, bedarf es bestimmten Bedingungen, die in der Umwelt existieren müssen.

Wenn wir ein Gericht kochen wollen, brauchen wir nicht nur die Zutaten, sondern auch die Werkzeuge, um überhaupt kochen zu können. Also einen Herd, Kochutensilien ... sowie ein Grundverständnis dessen, wie Kochen funktioniert.

Die Bedingungen für einen Wandel des Wertes in einer Szene sollten in der Geschichte genauso klar sein. Aber was bedeutet das?

Die Figur befindet sich inmitten ihrer Umwelt. Alles, was sie umgibt – Menschen, Orte, Objekte – bilden das Potenzial für ein unerwartetes Ereignis. Sprich, was für die Figur eben noch irrelevant war, erlangt plötzlich Bedeutung. Aber allein dieses Hervorkommen eines Wendepunktes reicht nicht für die Geschichte aus.

Wenn wir die gesamte Geschichte betrachten, wissen wir, dass sie sich an einem bestimmten Wert orientiert, der ausdrückt, was auf dem Spiel steht. Ist es Gerechtigkeit? Liebe? Leben oder Tod? Erfolg? Wissen? Die Bedingungen sollten demnach diesen spezifischen Wert verändern, vor allem den Status Quo des Protagonisten in seiner alltäglichen Welt. Bedenke auch, dass die Konventionen des Genres einen Beitrag leisten, wie die Umwelt für deinen Protagonisten aussieht. Konventionen beziehen sich auf Figuren, Handlungsorte und die Mittel, wie man die Handlung vorantreiben kann. Zudem bereichern auch die Objekte des Verlangens (was der Protagonist will und braucht) seine Umgebung.

 

Unmittelbare Ursachen

Selbst wenn wir die optimalen Bedingungen für ein bestimmtes Resultat geschaffen haben, bedarf es einer unmittelbaren Ursache, welche die Dinge ins Rollen bringt.

Ein Gericht wird nie zu einem Gericht werden, wenn man die Zutaten nicht miteinander kombiniert, mischt, brät und kocht. Eine Reihe von Ursachen und Wirkungen wird die Zutaten in das fertige Essen verwandeln.

Auch in einer Geschichte bedarf es einer unmittelbaren Ursache – das auslösende Ereignis der globalen Geschichte – welche sich durch den Wert wandeln sollte, um den es sich bei der Geschichte dreht (= also welcher Wert auf dem Spiel steht). Aber auch jede weitere Szene der Geschichte sollte zu der Auflösung der Story beitragen, indem die Szene sich kontinuierlich auf der Werteskala bewegt.

 

Auswirkungen

Im wahren Leben ist es uns manchmal nicht klar, welche Ursache, zu welcher Wirkung führte. Sobald eine Lücke dazwischen auftritt oder etwas eintritt, was wir nicht verstehen, können wir nicht die unmittelbare Ursache erkennen, die zu diesem Ereignis führte.

In Geschichten ist es anders.

Die Auswirkungen müssen sowohl klar verständlich als auch imminent sein.

Selbst wenn wir den Höhepunkt betrachten, auf den die gesamte Geschichte zusteuert, entsteht der Wertwandel als Resultat von Ursachen und Wirkungen, die in den verschiedenen Einheiten der Geschichte stattfanden (in Subplots, Akten, Sequenzen, Szenen und den Beats). Die Bedeutung jeder Ursache sollte dem Leser ersichtlich sein, ob bewusst oder unterbewusst.

Manchmal will man bestimmte Wirkungen oder ihre Bedeutung dem Leser nicht sofort aufzeigen, dennoch muss der Leser ein Verständnis davon haben, was in der Geschichte passiert.

Tipp: Wenn du am ersten Entwurf arbeitest, schreibe die Wirkungen klar im Manuskript auf. Bei der Überarbeitung hast du die Möglichkeit, sie noch zu verschleiern, dass sie nicht so offensichtlich sind. Gern kannst du dir hier auch eine Randnotiz zur Erinnerung in deinem Text setzen.

 Das Prinzip von Ursache und Wirkung bezogen auf das Schreiben von Romanen / Geschichten

Ursache und Wirkung in der Geschichte

Wie schon McKee und auch Shawn Coyne sagte, gibt es fünf Bestandteile, aus denen Geschichten bestehen. Das auslösende Ereignis der Geschichte stellt die unmittelbare Ursache dar, welche den Protagonisten dazu bringt, ein Ziel zu verfolgen (Wirkung). Während der Protagonist sein Ziel verfolgt, muss er sich steigenden Komplikationen stellen. Aus der Sicht der Hauptfigur können diese Komplikationen Auswirkungen von ihren früheren Aktionen sein (= die Antworten der antagonistischen Kraft) sowie Ursachen dessen, was sie als Nächstes tun wird. Die letzte steigende Komplikation ist der Wendepunkt, der die Auswirkung dessen darstellt, was der letzte Versuch des Protagonisten war, um mit seiner anfänglichen Strategie sein Ziel zu erreichen. Aber diese Strategie misslingt und die Figur stürzt in ein Dilemma, in dem sie sich in einer Krise befindet. Der Höhepunkt bezieht sich auf die in der Krise getroffene Entscheidung. Die Umsetzung der Entscheidung ist die Auflösung – auf Worte müssen Taten folgen.

Aber nicht nur die globale Geschichte besteht aus dieser Verkettung der fünf Bestandteile, sondern auch jede andere Einheit der Geschichte, nur eben auf einem kleineren Level. Sie besitzen jedoch das gleiche Muster und tragen zu dem Wert bei, der in der Geschichte auf dem Spiel steht.

Oft spreche ich ja auch von den Pflichtszenen, welche unterschiedlich für jedes Genre sind. Auch hier sind diese Pflichtszenen eine genre-spezifische Reihe von Ursachen und Wirkungen, die dabei helfen, die Erwartungen der Leser zu erfüllen.

Wenn man versteht, welche Gesamtveränderung eine Geschichte erzielen soll, kann man damit beginnen, die kleineren Ursachen aufzulisten, welche der Leser von dieser Art Veränderung erwartet. Jede Einheit der Geschichte sollte die Bedingungen, unmittelbaren Ursachen sowie die notwendigen Auswirkungen in sich tragen, um zu dem globalen Wertwandel beizutragen.

 

Was sind die Bedingungen, unmittelbaren Ursachen und Auswirkungen in einer Szene?

Wie wir bereits gesagt haben, bilden sich die Bedingungen aus der Umwelt des Protagonisten, sprich die Nebenfiguren, Orte und Objekte, welche die unmittelbare Ursache erst möglich machen. Auch zuvor geschehene Ereignisse gehören dazu. Ganz wichtig ist hier die essentielle Aktion der Hauptfigur (ihre Intension oder ihr Ziel für diese Szene, welches man mit einem aktiven Verb ausdrücken kann).

Sobald man die Bedingungen in der Szene etabliert hat, erweckt das auslösende Ereignis (unmittelbare Ursache) ein Verlangen oder ein Ziel für die Figur, nach der sie handeln wird (Wirkung). Während sie ihr Ziel verfolgt (Ursache), treten steigende Komplikationen auf (Wirkungen und weitere Ursachen) in einem Spiel aus Aktion und Reaktion, die auf Wendepunkt, Krise, Höhepunkt und Auflösung zusteuern. Jeder dieser fünf Bestandteile ist sowohl Auswirkung dessen, was zuvorkam, als auch Ursache für das, was folgen wird.

 

Nächste Woche zeige ich dir an einem Beispiel, wie man dieses Ursache- und Wirkungsprinzip in einer Geschichte erkennen kann. Und wie man mit Hilfe dieser Verkettung die Prämisse für die eigene Geschichte definiert.

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Liebe Grüße,
Melanie



Melanie Naumann - Lektorin Storyanalyse - Schreibe deinen besten Roman. Melanie Naumann - Lektorin Storyanalyse - Schreibe deinen besten Roman.
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Melanie Naumann ist die erste deutsche zertifizierte Story Grid Lektorin. Sie liebt die Analyse von Geschichten – global betrachtet bis hin zu den Szenen und Beats – und hilft Autoren, ihren besten Roman zu schreiben. Sie bietet sowohl die Diagnose eines Manuskripts an, als auch wöchentliche Coachinganrufe zwischen Autor und Lektor.

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