Wie schreibe ich ein Buch?

Schreiben aus mehreren Blickwinkeln

zuletzt bearbeitet am 06. Nov 2018

veröffentlicht am 16. Sep 2017 von Melanie Naumann

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Alternative Erzählstrukturen 2

Schreiben aus mehreren Blickwinkeln - Alternative Erzählstrukturen 2

Erfahre die Vor- und Nachteile der Verwendung verschiedener Blickwinkel und wie du sie am besten für deine Geschichte einsetzt.


Zu dieser Erzählstruktur gehört die bekannte Möglichkeit, eine Geschichte von einer Person erzählen zu lassen, welche dann durch die Sichtweise einer anderen Person abgewandelt wird.

Ein weiterer populärer Stil, der vor allem in der aktuellen TV-Serie und dem Bestseller Game of Thrones genutzt wird, ist es den Charakter, aus dessen Perspektive man das Geschehen betrachtet, von Kapitel zu Kapitel zu wechseln. George Martin nutzt dafür die Namen des Protagonisten, aus dessen Sichtweise er schreibt, für die Kapitelüberschriften. So ist dem Leser sofort bewusst, von wem wir die Geschichte erzählt bekommen.

 

Warum mehrere Blickwinkel nutzen?

Manche Geschichten besitzen eine größere Tragweite, mehr Stimmen, oder bieten so viel Kontext, dass sie nicht aus der Sicht eines einzigen Protagonisten geschrieben werden können.
Sollte diese Komplexität bei dir der Fall sein, musst du ein paar Dinge beachten, bevor du dich in dieses gigantische Unterfangen stürzt.

Schreibst du ein Buch mit Co-Protagonisten, sollte jede Figur ungefähr denselben Anteil am Umfang bekommen, d.h. kein Charakter ist wichtiger als ein anderer, selbst wenn ein Charakter die Handlung mehr vorantreibt als die anderen.
Für die Erzählform wählen wir den Erzähler in der dritten Person mit Zugang zu den Gedanken und Gefühlen des Protagonisten, der in dem jeweiligen Kapitel als Hauptfigur herausgestellt ist. Erscheinen mehrere Protagonisten in einer Szene zusammen, solltest du dir überlegen, welcher Charakter kann das Geschehen am besten erzählen oder kommentieren? Wer von ihnen hat am meisten zu verlieren? Von welchem Charakter sollen wir die wahren Intentionen vielleicht lieber noch nicht sehen?

Bedenke, dass du nicht den allwissenden Erzähler für multiple Protagonisten verwenden solltest, sonst wird es für den Leser zu verwirrend, wenn er von einem Kopf in den nächsten springt, und Gedanken und Gefühle den Figuren nicht mehr zuordnen kann.

 

5 Vorteile mehrere Protagonisten und Blickwinkel in deinem Roman zu nutzen.

Schreibst du deine Geschichte aus mehreren Blickwinkeln, kann diese Erzählstruktur deiner Handlung auf verschiedene Art und Weise zugutekommen.

Denk jedoch daran, dass du bei Wechsel der Erzählperspektive eine neue Szene / ein neues Kapitel beginnst.

1. Deine Geschichte muss aus verschiedenen Blickwinkeln erzählt werden, d.h. egal wie mitreißend die Reise einer Figur ist, so wirken manche Geschichten mehr, wenn sie von verschiedenen Personen erzählt werden. Je mehr ein und dieselbe Geschichte erzählen, desto mehr Facetten tauchen auf und desto mehr ergibt sich das Gesamtbild. Stell dir deine Geschichte als ein Puzzle vor und jede Figur kann ein Puzzleteil zu der Geschichte beitragen. Sie mögen vielleicht das Leben der anderen nicht verstehen, aber durch die Ereignisse der Handlung können sie aneinandergeraten.

2. Jede Figur sollte einen eigenen Handlungsstrang zu der Geschichte beitragen. Die Zusammensetzung einer Geschichte aus mehreren Blickwinkeln funktioniert nur, wenn jede Person einzigartige Hinweise anbieten kann, d.h. neue Informationen, Meinungen, Erinnerungen oder Anhaltspunkte, die uns tiefer in die Geschichte tauchen lassen.

3. Jede Figur muss den Leser mitreißen können. Das gelingt dir, in dem du jedem Protagonisten ein Ziel gibst, das er unter allen Umständen erreichen will, und dafür sich selbst verändern muss. Der Bezug zur Haupthandlung muss aber gegeben sein. Du kannst ihn nicht nach etwas streben lassen, was die anderen Charaktere nicht auf irgendeine Art beeinflusst oder gar hindert ihre eigenen Ziele zu erreichen.

4. Solltest du einen Roman schreiben wollen, der sich über eine lange Zeitperiode erstreckt, nutze diese Erzählstruktur. Durch den hohen Zeitumfang der Handlung kann eine historische Geschichte sehr begrenzt wirken, wenn sie nur aus einer Erzählperspektive erzählt wird. Denke an die Tore der Welt von Ken Flett. Es wäre nur halb so spannend gewesen, hätten wir nur durch Exposition herausgefunden, dass Tom das Baby im Wald zurücklässt oder wir die Intrigen des Erzbischofs nicht vor allen anderen Figuren kannten. Das bedeutet, dass eine Figur nie allwissend sein kann, aber durch mehrere Protagonisten kannst du der Geschichte Tiefe und Fülle verleihen.

5. Zudem können mehrere Protagonisten eine mitreißende Geschichte erschaffen. Da jedem Charakter ein Kapitel / eine Szene gehören sollte, endet diese mit dem sogenannten Cliffhanger. Der Leser wiederum will erfahren, wie die Geschichte der Figur weitergeht, die jedoch erst im übernächsten Kapitel fortgesetzt wird. Also liest er weiter, und sogleich endet das nächste Kapitel genauso mit einem Cliffhanger. Setz diese Technik für all deine Protagonisten um, und der Leser wird dein Buch nicht mehr aus der Hand legen wollen.

 

5 allgemeine Probleme, wenn du mehrere Blickwinkel nutzt.

Bevor du beginnst deinen Eifer für mehrere Protagonisten umzusetzen, bedenke noch ein paar Fallen, in die du stürzen könntest.

1. Sollte dein Antagonist seinen eigenen Spannungsbogen bekommen, denke daran, dass jede Figur, die du für deine Erzählperspektive nutzt, sich verändern muss. Sprich, dein Antagonist muss die Chance auf Erlösung erhalten. Das heißt, du musst den Grund, warum dein Antagonist so handelt, wie er es tut, nicht durch mehrere Szenen erläutern, sofern du nicht die Absicht hast, die Veränderung zum Guten in ihm am Ende zu zeigen.

2. Wiederhole keine Szenen in verschiedenen Blickwinkeln, sofern du damit keine neuen Informationen zur Handlung lieferst. Sonst wird es langweilig und dein Erzählfluss stockt. (Filmbeispiel: 8 Blickwinkel - alle 8 Perspektiven der Augenzeugen fügten sich zu dem Verständnis zusammen, was bei dem Anschlag vorgefallen ist).

3. Führe keine Personen nur für den Zweck der Exposition ein. Blickwinkel sollten nicht dafür eingesetzt werden, um Informationen zu geben, die der Protagonist nicht kennt. Neue Co-Protagonisten besitzen ihre eigenen Ziele, und dienen nicht der Erklärung, wie der Protagonist von einem Punkt zum nächsten in der Geschichte gelangt.

4. Füge keine Figuren hinzu, nur um neue Subplots erschaffen zu können. Manche Autoren glauben, dass sie nur durch mehrere Subplots, die verschiedene Charaktere miteinander verbinden, eine mitreißende Handlung schaffen können. Diese Idee kompliziert den Hauptplot aber eher.
Die beste Handlung geht aus dem Problem einer einzigen Person hervor, aus einer schmerzenden Erinnerung oder einer neuen Herausforderung.
Subplots dürfen nicht künstlich geschaffen werden. Sie wachsen aus der Materie aus einem zentralen Punkt, und ergeben kein wildwucherndes Netz aus verwirrenden Einzelgeschichten.

5. Jede Figur, und das was ihre Handlung bestimmt, sollte sich voneinander unterscheiden. Jede Figur hat ihre eigene Persönlichkeit, Vergangenheit, Weltanschauung, Träume etc., genauso wie sie ihre eigene Sprechweise, Artikulation, Mimik und Gestik besitzen. So individuell, wie ein jeder ist, so solltest du sie auch schreiben. Und auch ihr Bogenplot, mit dem einschneidenden Ereignis, der wachsenden Komplikation, das Ziel, und der Weg und das Streben zu diesem Ziel sollte unterschiedlich in jeder Erzählperspektive sein.
Falls du keine Idee hast, wie ein weiterer Charakter eine entscheidende Rolle in deiner Handlung spielt, und der keine Geschichte besitzt, die seine Werte verändert, solltest du dich lieber auf einen Protagonisten konzentrieren.

 

Mehrere Protagonisten voneinander unterscheiden.

Wie kannst du entscheiden, wie viele Protagonisten deine Geschichte benötigt? Dafür solltest du ähnliche Romane mit mehreren Hauptfiguren in deinem Genre analysieren.
Drei Protagonisten ist jedoch eine gute Zahl. Auch zwei oder mehr Funktionieren gut. Es gibt keine Regel, wie viele Protagonisten eine Geschichte besitzen darf.
Bedenke jedoch, je mehr Protagonisten du einführst, umso schwieriger wird es sich auf das Streben jedes Einzelnen zu konzentrieren. Auch der Leser könnte sich hin- und hergerissen fühlen, oder gar verwirrt.
Der jamaikanische Schriftsteller Marlon James hat es in seinem Roman ›Eine kurze Geschichte von sieben Morden‹ dreizehn Protagonisten bei über 75 Figuren und Stimmen auf ca. 850 Seiten (dt. Ausgabe) geschrieben. Wie George R. R. Martin nutzte er die Namen des Protagonisten für die Kapitelnamen.

Um aufzuschlüsseln, wann und wie oft du die Erzählperspektive bei mehreren Protagonisten wechseln solltest (nie in einer Szene!), nutzen viele Autoren eine Art Formel, wo die Kapitel der Protagonisten oder eine Szene einer Erzählperspektive sich in einem Muster wiederholen, z. B. Protagonist A, Protagonist B, Protagonist C.
Andere strukturieren ihre Szenen so, dass ein Protagonist öfter auftaucht (beachte jedoch, der Umfang für jeden Protagonisten sollte ausgeglichen sein).
A, B, C, A, A, B, A, C, oder auch A, B, A, C, B, A, A, C.

 

Weitere Erzählstrukturen: Die nicht lineare Struktur.

 



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Melanie Naumann ist die erste deutsche zertifizierte Story Grid Lektorin. Sie liebt die Analyse von Geschichten – global betrachtet bis hin zu den Szenen und Beats – und hilft Autoren, ihren besten Roman zu schreiben. Sie bietet sowohl die Diagnose eines Manuskripts an, als auch wöchentliche Coachinganrufe zwischen Autor und Lektor.

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