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Konflikte und das auslösende Ereignis

Wie du Szenen schreibst, die deine Geschichte voranbringen

Nachdem wir uns in den letzten Artikeln ausführlich mit Erzählstrukturen befasst haben, kommen wir nun zu dem Thema, dem man im wahren Leben am liebsten aus dem Weg geht, aber das für eine Geschichte unabdingbar ist.

 

Konflikte und das auslösende Ereignis - Wie du Szenen schreibst, die deine Geschichte voranbringen

07. Feb 2017 0

In diesem Artikel erfährst du, was Konflikte sind und warum Konflikte so wichtig für deine Geschichte und deine Figuren sind.

 

Inhaltsübersicht

 

Wie du Szenen schreibst, die deine Geschichte voranbringen

Leser im Hintergrund. Text darüber: Leser wollen mit den Figuren leiden, das Unmögliche bezwingen, das Unfassbare erleben, Elend und Leid erfahren, Gefahren überwinden und sich mit ihnen verlieben.Kommerzielle Fiktion verkauft sich am besten, wenn die Leser mit den Protagonisten mitfiebern können.

Leser wollen mit den Figuren leiden, das Unmögliche bezwingen, das Unfassbare erleben, Elend und Leid erfahren, Gefahren überwinden und sich mit ihnen verlieben. Sie wollen ihre Emotionen mitfühlen. Sie wollen mit ihnen um ihr Leben fürchten und die Spannung fühlen, die wir Autoren durch Auseinandersetzungen, Gefahr und Widerstände erschaffen.

 

Die Notwendigkeit von Konflikten in Geschichten.

Robert McKee sagte dazu, dass der Protagonist einer Geschichte eine Welt betritt, die von dem Gesetz des Konflikts regiert wird.

Das bedeutet, eine Geschichte ohne Konflikte ist keine Geschichte. Sondern Konflikte bilden eine Geschichte.

Im großen Rahmen kannst du dir den Hauptkonflikt zwischen Protagonist und Antagonist wie beim Tauziehen vorstellen.

Konflikte sind zwei Kräfte, die gegeneinander streben, um ihre unvereinbaren Ziele zu erreichen.

Zueinander sind sie Gegensätze, wie zwei Pole, die sich abstoßen und durch diese polarisierenden Kräfte die Geschichte vorantreiben.

 

Was bringt eine Geschichte dem Leser, wenn keine Konflikte darin existieren?

Du kannst eine wunderschöne Erzählung mit knackigem Dialog und poetischen Beschreibungen aufgeschrieben haben, doch was bringt diese Geschichte dem Leser, wenn keine Konflikte darin existieren?

Wenn der Protagonist sich mit keinen Problemen auseinandersetzen muss und keine Kämpfe (ob emotional oder körperlich) austrägt? Dann ist die Geschichte keine Geschichte, sondern nur langweilig.

Wenn deine Hauptfiguren durch Konflikte nicht herausgefordert werden, können sie sich nicht verändern. Und gerade diese Veränderung, ob zum Positiven oder Negativen, ist es, was uns als Leser interessiert. Manchmal beeinflusst uns eine Geschichte so sehr, dass wir beginnen über unser eigenes Leben nachzudenken.

So z.B. in dem Film von Kramer vs. Kramer.

Ein Mann wird von seiner Frau verlassen und muss sich entscheiden, ob er seine Karriere weiter in den Vordergrund stellt und seinen Sohn vernachlässigt, oder ob er seinem Sohn mehr Zeit schenkt, aber dafür seine persönlichen Ziele zurückstecken muss. Er entscheidet sich für seinen Sohn und lernt mit der Zeit, wie wichtig Familie ist. So sehr, dass er am Ende in der Sorgerechtsverhandlung sich selbst fragt, was ist das Beste für seinen Sohn. Und er lässt ihn zurück zu seiner Mutter gehen, obwohl er ihn dafür ›verliert‹.

Das ist eine Veränderung, die uns selbst zum Nachdenken bracht. Vor allem, wenn wir Kinder haben und uns bewusst wird, dass wir nicht immer für sie da sind, wie wir es sollten, sondern auch oft unsere persönlichen Ziele voranstellen.

 "Konflikte sind zwei Kräfte, die gegeneinander streben, um ihre unvereinbaren Ziele zu erreichen. Zueinander sind sie Gegensätze, wie zwei Pole, die sich abstoßen und durch diese polarisierenden Kräfte die Geschichte vorantreiben."

Konflikt ist weder Unglück noch Pech.

Konflikte sind nicht nur Wut, Katastrophen und Auseinandersetzungen.

Sie sind auch keine Missverständnisse, die geklärt werden können. All diese ›hab ich nicht‹ – ›hast du Wohl‹ Streitigkeiten bringen keine Geschichte voran. Sie sind nicht der Konflikt, aus denen spannende Geschichten wachsen oder die eine Handlung vorantreiben können. Es geht nicht darum eine Figur auf Jobsuche zu schicken, sie kündigen zu lassen, sie sucht wieder einen Job, wieder gefeuert ... das ist keine Geschichte.

Konflikte müssen die Lage des Protagonisten bis zum Höhepunkt verschlimmern, wobei sie in ihrer Intensität zunehmen sollten.

Denk an Frodo: zuerst musste er sich entscheiden, ob er den Ring nach Bruchtal bringen soll oder ob Gandalf das allein machen muss.
In Bruchtal angekommen, steht er vor der nächsten Entscheidung. Soll er versuchen den Ring bis nach Mordor zu tragen, oder soll er zurück nach Hause gehen?

Klar, der Herr der Ringe ist ein Fantasy-Epos. Nichtsdestotrotz, kannst du auch in kleineren Geschichten die Intensität von Konflikten wachsen lassen.

Sei es ein Geschäftsmann, der morgens verschläft. Soll er noch zum Fitnessstudio für eine Trainingseinheit vor seinem Geschäftstermin oder soll er sie ausfallen lassen?

Er rennt zum Fitnessstudio. Er hat nur die Hälfte der Zeit zur Verfügung: Gewichte oder Laufband?

Dann, das Wasser in den Duschen funktioniert nicht. Soll er verschwitzt zum Termin oder nochmal kurz nach Hause? Er fährt heim und rast zu seinem Geschäftstermin. Er ignoriert ein Vorfahrtsschild und verursacht einen Unfall hinter sich. Soll er helfen oder Fahrerflucht begehen?

Konflikte fordern den Protagonisten heraus. Er muss auf sie reagieren, egal ob sie zufällig (Duschwasser) oder kausal (Unfall) sind. Sie sind die kleinen und großen Krisen / Fragen, in denen er sich für die beste schlechteste Wahl entscheiden muss oder für eine Option zwischen zwei positiven Möglichkeiten, die nicht miteinander vereinbar sind.

 

Wo sollte der erste Konflikt in der Geschichte auftauchen?

Das auslösende Ereignis.

Brechen wir die klassische Erzählstruktur oder den Mini-Plot auf ihre Bestandteile herunter, finden wir in der Kette von Ereignissen eine Similarität zu Joseph Campbells Aussage über die Heldenreise:

Ein oder mehrere Protagonisten begeben sich am Angang der Geschichte auf eine Mission und am Ende konnten sie die antagonistischen Kräfte (interne, persönliche oder äußere) entweder besiegen oder unterlagen ihnen, was sie grundsätzlich verändert.

Ist das alles?

Nicht ganz.

Weit am Anfang der Geschichte muss ein Ereignis das gewohnte Leben des Protagonisten aus der Bahn werfen.

Dieses Ereignis bezeichnen wir auch als das auslösende Ereignis.

Entweder passiert etwas Gutes oder, wie es zumeist der Fall ist, etwas Schlimmes geschieht.

Dieses Ereignis kann zufällig (Naturkatastrophe) oder begründet (Frau verlässt Protagonisten) sein. Diese Veränderung, sei es zum Guten oder Schlechten, erschüttert die Welt des Protagonisten und zwingt ihn zum Handeln, um wieder den Normalzustand zu erreichen.

Aus dem Verlangen, die gewohnte Balance wiederherzustellen, erwächst das Objekt des Verlangens, mit dem er sein Ziel erreichen kann. Dieses Objekt kann ein bewusstes Verlangen darstellen (ein greifbares Objekt, z.B. Ehefrau) oder ein unterbewusster Wunsch sein (Frau zu beweisen, dass er der beste Mann für sie ist).

Je nachdem, in welchem Genre du schreibst, unterscheidet sich die Ausgewogenheit von diesen beiden Bedürfnissen  welches dominiert und welches zwischen den Zeilen deiner Geschichte steht.

Das Allerwichtigste ist jedoch, dass deine Hauptfigur fest davon überzeugt sein muss, dass nur mit dem Objekt des Verlangens seine Welt wieder geordnet werden kann.

 

Ein Beispiel zum auslösenden Ereignis:

Am Anfang der Geschichte gesteht die Schwiegermutter dem Protagonisten, dass sie nur noch für ein halbes Jahr die Raten für ihre Villa bezahlen kann. Danach muss der Protagonist ihr helfen, alle Rechnungen zu begleichen, sodass sie weiterhin den Anschein einen Luxuslebens aufrechterhalten kann. Dieses Ereignis (Familienmitglied fordert verzweifelt um Hilfe) schmeißt den Protagonisten aus dem Alltagsleben und er muss etwas tun.

Aber auch Nichtstun ist eine Möglichkeit.

Wie es im normalen Leben ist, schieben wir Unangenehmes gern vor uns her. Auch der Protagonist kann sich dazu entscheiden, ihr nicht zu helfen. Doch dann wendet sich die Schwiegermutter an seine Frau und erzählt ihr von ihrem Dilemma, und das ihr Schwiegersohn nichts für sie getan hat. Die Tochter wird unter Stress gesetzt und steht zwischen den Fronten  zwischen der Liebe und Pflicht zu ihrer Mutter und die ihres Mannes.

Sagen wir, die Frau konfrontiert den Protagonisten. Er entscheidet sich, der Schwiegermutter zu helfen. Dafür glaubt er, muss er nur an eine enorme Geldsumme kommen und sie würde sie in Ruhe lassen. Das bedeutet, dass das bewusste, greifbare und externe Objekt des Verlangens eine riesige Summe Geld ist. Sobald er diese Summe aufgetrieben hat, verschwindet die Schwiegermutter wieder in ihr Luxusleben und sie sind sie los.

Mit diesem auslösenden Ereignis könnten wir einen Bogenplot zusammenspinnen. Die Geschichte könnte sich um die Planung und Durchführung eines Verbrechens drehen oder durch einen Überfall mit Verfolgungsjadgen zu einer Actiongeschichte werden. Die gesamte Handlung würde sich darum drehen, ob er das Geld zusammenbekommt oder nicht. Das ist super, das funktioniert.

Möchtest du jedoch auch die moralische Seite und den internen Konflikt beleuchten, der daraus entsteht, dass eine Schwiegermutter die Liebe ihres Schwiegersohns gegenüber ihrer Tochter missbraucht, nur um ihr Luxusleben fortführen zu können, solltest du ein internes Element des Erzählens einschließen. Dafür musst du dem Protagonisten ein unbewusstes Objekt des Verlangen geben.

 

Was könnte demnach ein unbewusstes, nicht greifbares Objekt des Verlangen für den Protagonisten sein?

Storyanalyse.de - Konflikte fordern den Protagonisten heraus. Er muss auf sie reagieren, egal ob sie zufällig (Duschwasser) oder kausal (Unfall) sind. Sie sind die kleinen und großen Krisen / Fragen, in denen er sich für die beste schlechteste Wahl entscheiden muss oder für eine Option zwischen zwei positiven Möglichkeiten, die nicht miteinander vereinbar sind.Vieles, aber was du letztlich wählst, hängt vor allem von deinem Genre ab. Natürlich kannst du auch ein Genre wählen, das mehr dem unbewussten Bedürfnis dient. So wandelt sich dein von der Handlung vorangetriebener Bogenplot zu einem Mini-Plot.

Ein nicht greifbares Ziel des Protagonisten könnte der Respekt seiner Schwiegermutter sein. Das bedeutet, wenn er ihr die Geldsumme übergibt, könnte er ihre Anerkennung erhalten. Nicht nur, dass er für ihre Tochter sorgen kann, sondern auch für ihre Mutter. Unterbewusst könnte er das Verlangen besitzen, einer Autoritätsfigur aus den Schulden zu helfen als Beweis für innere Stärke.

Ebenso kann er wollen, dass sie mitbekommt, wie hart er für ihr Luxusleben arbeitet, und was er für sie opfern muss. In diesem Fall wäre das unterbewusste Verlangen bedingungslose Liebe von ihr zu erhalten.

Mit diesen beiden Objekten des Verlangens, Geld und Respekt (bedingungslose Liebe) wird die Handlung vorangetrieben.

Sie ergeben jeweils zwei Handlungsstränge.

Handlungsstrang A: die äußere Handlung, um das bewusste Objekt des Verlangens zu erreichen.
Handlungsstrang B: das interne Geschehen, um das unbewusste Objekt des Verlangens zu erreichen.


Nach dem auslösendem Ereignis, welches das Leben deines Protagonisten aus dem Gleichgewicht brachte, wird sich deine Hauptfigur auf die Suche nach seinem Objekt des Verlangens begeben. Er muss Pläne schmieden und ausführen.

Sobald er sich auf den Pfad der Umsetzung seiner Pläne begibt, wirken antagonistische Kräfte gegen ihn. Seine Plänen gehen schief. Er muss umdenken. Wieder läuft etwas schief und er reagiert. Die Dinge eskalieren, bis er an dem Punkt angelangt, wo es keine Rückkehr für ihn gibt. Sein Leben wird nie mehr dasselbe sein, egal, ob er sein Ziel erreicht oder nicht.

 

Mehr zu Konflikten findest du im nächsten Artikel: Die drei Arten von Konflikten.



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Storyanalyse.de

Melanie Naumann hilft Autoren, ihre Geschichten auf ein neues Level zu heben.

Melanie Naumann schreibt Thriller, studierte Sprache und bildet sich seit 2015 als Lektorin fort. Aus der Liebe zum Lektorat entstand zuerst ein Schreibblog, Ende 2018 dann Storyanalyse.de, um Autoren Hilfestellungen zum Schreiben und Lektorieren ihrer Manuskripte zu geben.

Melanie orientiert sich an den Story Grid Erkenntnissen von Shawn Coyne, da sie die Art des Lektorats des US-amerikanischen Lektors als die hilfreichste Methode empfindet, um herauszufinden, ob Geschichten funktionieren.

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