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Steigende Komplikationen in deinem Roman (Leitfaden)

zuletzt bearbeitet am 22. Mai 2019

veröffentlicht am 10. Aug 2018 von Melanie Naumann

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Die Hindernisse für den Protagonisten

Steigende Komplikationen in deinem Roman (Leitfaden) - Die Hindernisse für den Protagonisten

Was sind steigende Komplikationen im Roman? Wie und wann setzt man sie ein und warum braucht eine Geschichte dieses Element, um funktionieren zu können?


Inhaltsübersicht

 

In den beiden vorigen Kapiteln sind wir auf das auslösende Ereignis der Geschichte eingegangen und haben herausgefunden, dass in jeder Einheit von Geschichten (Taktschlag, Szene, Sequenz, Akt, globale Geschichte) immer ein auslösendes Ereignis existieren muss.

 

Definition: Steigende Komplikationen in Romanen

Nachdem das auslösende Ereignis der globalen Geschichte das Leben des Protagonisten aus der Bahn geworfen hat, entwickelt sich in ihm/ihr das Verlangen, wieder ein harmonisches Gleichgewicht zu finden.

Die steigenden Komplikationen sind die Hindernisse, die dem Protagonisten auf seinem Weg zu seinem Ziel begegnen. Jede Entscheidung/Aktion der Hauptfigur sollte von anderen Figuren, der Umwelt oder den Umständen vereitelt werden.

 

Warum brauchen Geschichten steigende Komplikationen?

Steigende Komplikationen bringen Suspense/Spannung in die Reise deines Protagonisten.

Wie unzufrieden würde ein Leser sein, wenn er seine Zeit in einen Protagonisten investieren müsste, dessen Leben nicht von immer schwerwiegenderen Komplikationen herausgefordert wird? Es sind diese Herausforderungen, die der Protagonist überwinden muss, was den Leser zum Mitfiebern bringt. Immer wieder will sich der Leser die Frage stellen: "Oh je, wie soll er/sie aus der heiklen Situation wieder rauskommen, um doch noch sein/ihr Ziel erreichen zu können?"

 

Der Protagonist sollte mehrere, steigende Komplikationen in einer Szene, einer Sequenz, einem Akt und in der globalen Geschichte überstehen müssen.

Wir bezeichnen diese Komplikationen als »steigend«, weil die Hindernisse in ihrer Intensität zu nehmen.

Es wird immer schwieriger, die Hürden zu überwinden, und der Held scheint sich seinem Ziel immer weiter zu entfernen, als das er es je erreichen könnte.

 

Sollten die Hindernisse jedoch gleich bleiben oder gar abschwächen, verliert der Leser das Interesse.

Eine weitere Möglichkeit, den Leser schnell zu langweilen, wäre, wenn man dieselbe Komplikation wiederholt, ohne sie so zu verschärfen, ohne dass immer mehr für den Protagonisten auf dem Spiel steht.

 

Das auslösende Ereignis der Geschichte und der Beginn der steigenden Komplikationen.

Das auslösende Ereignis ist der Anfangspunkt der Reise, auf welcher der Protagonist sein unbewusstes oder bewusstes Objekt des Verlangens definieren kann. Doch dieses Objekt des Verlangens ist nicht der wichtigste Bestandteil der Geschichte, sondern es ist das Abenteuer, das Ziel zu erreichen, dass uns das auslösende Ereignis verspricht.

 

Im Herrn der Ringe will Frodo den Ring in das Feuer des Schicksalsberges werfen, um den bösen Herrscher Sauron zu vernichten. Die Zerstörung des Rings stellt Frodos bewusstes Objekt des Verlangens dar, aber es ist seine Reise, die jeder Leser/Zuschauer miterleben will.

Im König der Löwen möchte Simba König werden, doch mit dem Verlust seines Vaters verliert sich dieser Wunsch, bis das geweihte Land ihn braucht, um Ska und seine Hyänen zu vertreiben. Auch hier ist es Simbas Reise, die wir erleben möchten.

Im Film »Auf der Flucht« will Harrison Ford den einarmigen Mann finden, der seine Frau umbrachte.

In »Alien« will Sigourney Weaver das Monster töten.

In »Das Schweigen der Lämmer« will Clarice Starling Buffalo Bill finden. Doch auch hier und in jeder anderen Geschichte ist es die Reise, die den Leser/Zuschauer interessiert.

 

Die zwei Etappen von steigenden Komplikationen.

Es existieren zwei Arten von steigenden Komplikationen, denen man besondere Aufmerksamkeit schenken sollte (egal, welche Einheit von Geschichten man betrachtet).

Wir sprechen von der letzten Komplikation vor dem Wendepunkt und dem Wendepunkt selbst.

Die Komplikation vor dem Wendepunkt

Betrachten wir die Komplikation vor dem Wendepunkt, befinden wir uns an dem Punkt, bevor sich die Szene in die entgegengesetzte Richtung entwickelt oder der Hauptwert des Genres zu dem jeweils anderen Extrem wandert (die gegensätzlichen Pole/Werte – Romance: Liebe vs. Hass, Krimi: Gerechtigkeit vs. Ungerechtigkeit; Action: Leben vs. Tod, etc. hier gibt es die Übersicht).

Dieser Punkt stellt die letzte Chance des Protagonisten dar, eine besondere Strategie umzusetzen, bevor er dazu gezwungen wird, eine Veränderung oder einen Misserfolg akzeptieren zu müssen.

 

Der Wendepunkt

Der Wendepunkt selbst katapultiert den Protagonisten in eine Krise, auf die er reagieren muss.

Sollte die betrachtete Einheit deiner Geschichte über keinen Wendepunkt verfügen, wird die Geschichte darunter leiden. Je größer die Einheit dabei ist (Sequenz, Akt, global), wird die Geschichte immer weniger funktionieren.

 

Egal, in welcher Lage sich dein Protagonist befindet, versuche sein Streben nach seinem bewussten/unbewussten Ziel immer stärker zu verschlimmern. Doch bedenke, dass bedeutet nicht, dass alles schief laufen muss. Lass ihm auch die kleinen oder großen Erfolge, denn nur mit diesen Gegensätzlichkeiten können die schlechten Ereignisse Gewicht bekommen.

 

Hast du dir schon einmal die Frage gestellt, was unser Verhalten antreibt?

Warum tun wir, was wir tun? Was steckt dahinter?
Und wie leicht lassen wir uns von unseren Zielen abbringen?

Das sind wichtige Fragen, die man sich auch für das Verhalten der eigenen Protagonisten stellen sollte.

 

Die 4 Arten von Komplikationen

Komplikation in Geschichten für die FigurenDie folgende Ausführung ist die Fortsetzung des Beispiels, was ich nutzte, um zu erklären, was ein Wendepunkt ist.

Lies dir das oben genannte Beispiel noch einmal durch, damit du die weiteren Ausführungen besser verstehen kannst.

Fortgeführtes Beispiel:

Ausgangssituation: Ich sitze im Park und der Wind reißt mir meine Eintrittskarte aus der Hand, genau von dem Konzert, auf das ich mich schon seit Monaten gefreut habe.

Mein Ziel: Die Karte wiederzubekommen.

Dieses Ziel, der Wille, das Ticket wiederzubekommen, treibt mein Verhalten an.

Aber als ich dem Ticket hinterher jage, passieren unterschiedliche Dinge, die mich unterbrechen.

 

Es gibt vier verschiedene Dinge, die das Erreichen des Ziels verhindern und den Protagonisten vom Kurs abbringen können.

1. Ein Hindernis – negativ

Komplikation 1: Ich springe auf, verheddere mich in der Picknickdecke und falle auf die Wiese.

Ich stürze auf die Wiese = ein Hindernis, das ich überwinden muss.

Der Sturz ist somit eine negative Sache, die mir auf meinem Weg passiert.

Daraufhin muss ich mich dem Hindernis stellen und meinen Pfad zum Ziel überdenken und eine Entscheidung treffen, wie ich mich am besten verhalten soll, um meinen Weg fortzusetzen.

Beispiel: Ich setze meine Füße auf das Gras, bevor ich aufstehe, weil ich durch die gewellte Decke und/oder die Grasflecken an meinen Knien an den Sturz erinnert werde.

 

2. Werkzeug – positiv

Ein hilfreiches Werkzeug kommt zum Vorschein.

Beispiel: Mein Ticket wedelt durch die Luft. Vor mir liegt ein Kescher, den ich zum Einfangen des Tickets nutzen kann.

Ich stoppe, nehme das Werkzeug auf und freue mich über das tolle Hilfsmittel. Auch dem Protagonisten ergeht es so, wenn er etwas findet, dass ihm hilft, sein Ziel zu erreichen.
Das Gehirn schüttet ein paar Glückshormone aus und der Protagonist wird heiterer.

Auch Werkzeuge können als »steigende Komplikationen« eingeordnet werden.

Sie müssen in ihrer Wertigkeit höher sein, als die vorherige »Komplikation«.

 

3. Alles andere – Irrelevant

Beispiel: Alles andere, was/wer sich ebenso im Park aufhält, ist irrelevant.

Je nachdem, wie das Setting deiner Szene ist, weitet sich diese Annahme auf Dorf, Stadt, Land aus.

Während ich auf meinem Weg zm Ticket bin, ist mir der Rest des Universums relativ egal. Ich nehme weder die Kinder wahr, die einen Drachen steigen lassen, noch die ältere Dame, die ihren Krückstock fallen lässt. All das ist irrelevant.

Diese irrelevanten Dinge umgeben mich / den Protagonisten die ganze Zeit.

 

4. Das unerwartete Ereignis – Krise

Das unerwartete Ereignis ist etwas, das geschieht, mit dem der Protagonist auf seinem Weg zum Ziel nicht gerechnet hat.

Es ist, als würde er auf einer dünnen Eisfläche laufen, die seinem Gewicht wunderbar standhält.

Dann öffnet sich ein Loch und er fällt hinein.

Das ist der Moment der Krise.

Es ist eine Krise, die im alltäglichen Verhalten und auch beim Geschichtenerzählen auftritt.

Beispiel: Das auslösende Ereignis ist, wenn ich beschließe, dem Ticket hinterher zu jagen, um meine anderen Ziele zu erreichen (Konzertbesuch).

Die Entscheidung ist eine Mikro-Aufgabe, die dazu beiträgt, dass ich einen schönen Abend mit Musik erleben kann.
Die steigenden Komplikationen sind sowohl die negativen Hindernisse als auch die positiven Werkzeuge, die mir auf meinem Weg begegnen, das Ticket wieder zu bekommen.

Bei der Krise ist es so, dass eine Komplikation auftritt, die wie ein schwarzes Loch ist.

Beispiel: Ich sehe weder links noch rechts, aber plötzlich ist da ein dumfes Aufschlagen und ein Schrei.

In diesem Moment fällt der Protagonist in das Loch, denn genau in diesem Moment entsteht die Krise im Inneren des Protagonisten.

Krise: Verfolge ich meinen Weg weiter, um das Ticket zu holen, ODER gebe ich das Ziel auf und helfe der alten Frau, die gestürzt ist?

 

Die Krise ist ein vollkommenes, unerwartetes Ereignis und entsteht aus all den Dingen, die irrelevant sind.

Etwas, das irrelevant für den Protagonisten zuvor war, wird plötzlich sehr ernst.

Beispiel: die alte Dame, die vorher auf der Bank saß und die Tauben fütterte, war ein vertrautes Bild, dem ich keine Beachtung schenkte. Aber als sie stolpert und fällt, wird ihre Anwesenheit für mich relevant.

Die unerwartete Komplikation zieht mich aus meinem Verhalten / meiner Handlung heraus und ergibt eine Krise für mich.

In meinem Beispiel ist die Krise: Eine beste schlechteste Wahl – oder eine unvereinbare Güter Entscheidung.

 

Krise in Geschichten, Romanen und BüchernKrise: Beste schlechteste Wahl

Wenn ich dem Ticket weiter hinterher jage, wird die Frau leiden. Dann werde ich mich auch später noch beim Konzert schlecht fühlen und ich werde den Abend nicht genießen können.

oder

Wenn ich der Frau helfe, werde ich das Ticket womöglich verlieren und nicht zum Konzert gehen können.

In diesem Moment muss ich eine moralisch, aktive Entscheidung über mein Verhalten treffen.

Diese Entscheidung wird der Höhepunkt der kleinen Mini-Szene werden.

Lies hier den Artikel zu der Krise und die beste, schlechteste Wahl.

 

Luxuskrise für deinen ProtagonistenKrise: Zwei positive Möglichkeiten, die sich nicht miteinander vereinbaren lassen

Wenn ich das Ticket fange, wäre das gut für mich und mein persönliches Glücksgefühl. Ich würde in dem sozialen Gefüge meiner Bekannten, die mit mir auf's Konzert kommen, nach oben steigen und Freundschaftserlebnisse aufbauen. Das wäre gut für mich.

oder

Es wäre gut für die Frau, wenn ich mich um sie kümmer.

 

Lies hier den Artikel zu der Luxuskrise für deinen Protagonisten

 

Krise: Das tiefe Loch

Unser gesamtes Leben besteht aus diesen Mini-Momenten – immer und immer wieder. Denn alles, was wir erreichen wollen, hängt von unserer Projektion eines Bedürfnisses oder eines Zieles ab.

Alles, was wir tun (ich will nach Berlin fahren; ich will früh um 5 aufstehen, ...) bricht sich auf viele kleine, aktive Aufgaben und Entscheidungen herunter, die von den vier Dingen abhängen:

  • dem negativen Hindernis
  • dem positiven Werkezeug
  • den irrelevanten Dingen
  • dem unerwarteten Ereignis (ein Ereignis, dass wir nicht vorhersehen konnten)

 

Wir fallen in ein Loch und wissen nicht, wie tief wir fallen werden. Das ist die Krise.

In einer Geschichte fädeln wir diese kleinen Mini-Ereignisse auf (vom Taktschlag, zur Szene, Sequenz, Akt, Subplot, Anfang, Mitte und Ende der Geschichte) und lassen sie eskalieren. Die schwarzen Löcher werden immer größer, wobei die Löcher von Anfang, Mitte und Ende richtig tief sein müssen.

Wir müssen in jeden der drei Teile (Anfang, Mitte und Ende der Geschichte) nach oben steigen, nur um dann unseren Protagonisten wieder in tiefes, eiskaltes Wasser fallen lassen zu können. (Genau dann, wenn die Krise in diesen Akten aufkommt)

 

Manchmal, wenn man ins Loch fällt, fällt man in eisiges Wasser (negatives Hindernis, unerwartetes Ereignis)

Andere Male ist es etwas, das eine Möglichkeit darstellt (positive Werkzeug).

 

 

Wie denkst du über Komplikationen für deine Protagonisten?

Hast du daran gedacht, dass selbst Hilfsmittel zu den steigenden Komplikationen zählen können?

Hinterlass deine Fragen / Anregungen gern in den Kommentaren



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