Wie schreibe ich ein Buch?

Das Potenzial für Fortsetzungen

zuletzt bearbeitet am 04. Jan 2019

veröffentlicht am 18. Feb 2018 von Melanie Naumann

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Innere Konflikte schaffen

Das Potenzial für Fortsetzungen - Innere Konflikte schaffen

Finde heraus, wie du deinen Figuren mehr Charaktertiefe geben kannst, sodass sich deine Leser mit ihnen identifizieren können und eine Fortsetzung deiner Geschichte ersehnen.


So findest du heraus, was dein Protagonist braucht.

Bevor du diesen Artikel liest, lies dir ›die Fünf Bereiche der Genre-Entscheidung‹ durch, damit du weißt, wo du diesen Teil der Genre-Entscheidung einordnen kannst.

Für alle, die diesen Eintrag bereits gelesen haben oder wissen, dass wir die Handlung einer Geschichte in einen externen (mit einem bewussten Objekt des Verlangens) und einen internen (mit einem unbewussten Objekt des Verlangens) teilen können, erfährt im Folgenden, was ein Protagonist braucht und wie sehr der interne Konflikt zu einem Mittel herangewachsen ist, um mehr Charaktertiefe zu schaffen.

 

Interne Konflikte – und wie wichtig sie für deine Geschichte sind.

In der heutigen Film- und Buchwelt sind Serien und Buchreihen zu einem unverzichtbaren Standard in den Erwartungen der Kunden herangewachsen. Mittlerweile sind wir selbst von Filmen Fortsetzungen gewöhnt und wir warten regelrecht darauf, dass von unserem Lieblingsfilm, -serie, oder -buch ein neuer Teil erscheint.
Leser und Zuschauer, die sich mit den Charakteren deiner Geschichte identifizieren können, mit ihnen mitfiebern, lieben und fühlen, brauchen Fortsetzungen, sodass der Erzähltraum für sie stets am Leben bleibt. Wir wollen die Figuren, die uns inspirieren und beeindrucken, sei es Protagonist, Antagonist oder eine Nebenfigur, in ihrer Entwicklung verfolgen und sehen, wie es ihnen gelingt, sich immer neuen Herausforderungen zu stellen.

Selbst beim Verlagsanschreiben gehört der Punkt ›Möglichkeiten einer Fortsetzung‹ mittlerweile zum Standard des Exposés.


Die Sehnsucht nach einer Fortsetzung.

Und damit unsere Leser / Zuschauer eine Fortsetzung unserer Geschichte ersehnen, müssen wir den externen Inhaltsbereich mit dem internen verbinden, weil wir durch diese Kombination eine mitreißende und nachhaltige Geschichte schaffen, die durch ihre Figuren über mehrere Bände bestehen kann. Anders ausgedrückt, gelingt es dir, deine Hauptfiguren einem inneren Kampf auszusetzen, der sich in mehreren Erzählsträngen kreuzt, und deine Geschichte zudem über eine externe, gut verwobene Handlung verfügt, dann betrachte diese Kombination als den Grundstein für das Verlangen einer Fortsetzung – bei den Lesern als auch bei dir als Autor, denn je mehr Tiefe du deinen Figuren gibst (das erreichst du durch die internen Konflikte), umso realer werden sie.

 

Interne und äußere Konflikte.

Bitte bedenke, dass sich die internen Konflikte von den externen unterscheiden.
Externe Konflikte werden durch äußere Kräfte verursacht, die den Protagonisten am Erreichen seines bewussten Zieles hindern – sei es durch andere Personen, die sich ihm in den Weg stellen, durch Naturgewalten, oder gar die Gesellschaft. Ein bewusstes Ziel / Objekt des Verlangens kann in diesem Fall sein: Die Rettung einer entführten Person, seine Familie wiederfinden, die Liebe einer Person gewinnen, Fußballer werden, etc. Mehr zu den externen Konflikten findest du hier: ›So findest du heraus, was dein Protagonist will‹.

Interne Konflikte beziehen sich, wie wir es bereits im Mini-Plot kennengelernt haben, auf den inneren Kampf des Protagonisten und die Verfolgung eines unbewussten Zieles. Dieses unbewusste Objekt des Verlangens braucht der Protagonist, wohingegen das bewusste Objekt des Verlangens darstellt, was er will – das an der Oberfläche schwimmende, leicht zu identifizierende Ziel.


Nehmen wir uns das Genre des Thrillers als Beispiel.

Das bewusste Objekt des Verlangens kann für den Protagonisten die Rettung einer Person sein. Auf der inneren Ebene muss er sich jedoch mit dem Gedanken auseinandersetzen, dass er für die Rettung sich selbst opfern muss, um die Erlösung von einem vergangenen, ihn prägenden Ereignissen zu erlangen. Eine weitere Möglichkeit wäre, dass er die Grenzen seiner Moral überschreiten muss, um ein höheres Gut erreichen zu können.
Diese beiden Beispiele gehören zu dem internen Genre, das durch einen moralischen Konflikt ausgelöst wird. In der Handlung, in der es um die innere Erlösung geht, versucht der Protagonist alles, um sein bewusstes Ziel zu erreichen, z.B. die Rettung einer Person. Würde man ihn fragen, warum ihm diese Tat unbedingt gelingen muss (außer dem Fakt, dass es sein ›Job‹ ist), würde er allmählich verstehen, dass er ein unbewusstes Verlangen hat, sich von einem vergangenen Trauma zu erholen oder eine moralische Fehlentscheidung wiedergutzumachen. Dieses Gefühl schwellt unter der Oberfläche und bildet das interne, unbewusste Objekt des Verlangens des Protagonisten.

 

Der interne Konflikt und die Genre-Entscheidung.

Solltest du an der Entwicklung eines realen Charakters interessiert sein, der wie jeder Mensch sich mit dem internen für und wieder auseinandersetzt, dann ist es wichtig, dass du den passenden internen Konflikt für dein gewähltes, externes Genre findest. Allerdings ist die perfekte Kombination von internen und externen Konflikten ein Kunststück, das, wenn es schief läuft, deine Leser mit einem unzufriedenen Leseerlebnis zurücklässt.

Aber wie kannst du die beiden Konfliktarten dennoch miteinander verbinden?

Auch hier ist die beste Antwort: Um Autor zu sein, musst du erst zum Leser werden. Eine gute Lektüre, die beide Konflikte miteinander in Perfektion vereint, ist das Schweigen der Lämmer.

 

Wo findest du interne Konflikte?

interne Konflikte werden von der Natur des Protagonisten angetrieben.
Du kannst diese Art von Konflikten in drei Teilbereiche einordnen:

Status: Erfolg vs. Misserfolg – der soziale Stand deines Protagonisten verändert sich.

Weltanschauung: eine Veränderung im Leben führt zum Wandel der Werte, oder wie man die Welt sieht.

Moral: eine Veränderung der Moral des Protagonisten.


Wie oben erwähnt, wird die Wahl des internen Genres von dem unbewussten Objekt des Verlangens deines Protagonisten bestimmt – oder der inneren Reise, deren Beginn sie am Anfang der Geschichte nicht wahrnehmen. Bitte bedenke, dass diese Reise (außer du schreibst einen Mini-Plot) auch eine zweite externe Reise benötigt. Die Verfolgung des bewussten Objekt des Verlangens, wie Gerechtigkeit, Überleben, Rettung, Freundschaft, ein Preis, etc.
Die innere Reise, die etwas verfolgt, was der Protagonist braucht, wird ihm erst an einem kritischen Wendepunkt in der Geschichte bewusst. Meist dann, wenn er das bisher Bekannte in Frage stellen muss, oder eine Entscheidung treffen muss, mit der er sich im internen Widerspruch befindet.

Das Zusammenspiel dieser beiden Reisen nach den Objekten des Verlangens bringt deine Geschichte voran, da sie sowohl einem externen, dem Leser und Protagonisten bewusstes Ziel verfolgt und gleichzeitig Einblicke in die innere Natur des Menschen gewährt.

 

Weitere Unterteilung der internen Genres:

Status: Erfolg vs. Misserfolg, eine Veränderung des sozialen Standes

Erbärmlich: Schwacher Protagonist versucht, etwas aus sich zu machen und scheitert. (Little Miss Sunshine)
Gefühlvoll: der Schwache gewinnt, trotz allem (Rocky).
Tragisch: Streber begeht Fehler, die ihm zum Scheitern verurteilen (Eine amerikanische Tragödie)
Ansehen: Person mit Prinzipien steigt auf, ohne Kompromisse einzugehen (Gladiator)

 

Weltanschauung: eine Veränderung in der Wahrnehmung des Lebens

Bildung: eine Veränderung von einem sinnlosen Leben zu Bedeutung (Comeback der Liebe)
Erwachsenwerden: eine Veränderung von Naivität zu Weltlichkeit (Saturday Night Fever)
Offenbarung: Ignoranz zu Wissen (Ödipus Rex)
Ernüchterung: Glaube zu Ernüchterung (Der große Gatsby)

 

Moral: eine Veränderung des moralischen Kompasses des Protagonisten.

Strafbar: Guter Mensch begeht Straftaten und wird bestraft (Wall Street).
Erlösung: Schlechter Mensch sucht Wiedergutmachung (Drugstore Cowboy)
Probe: Willenskraft gegen Versuchung (Der Unbeugsame)


Vor allem, wenn du literarisch schreibst, solltest du dich mit den internen Konflikten deiner Protagonisten auseinandersetzen, da diese entscheidend für die Entwicklung des Charakters deiner Figur sind.
Literarische Werke verlangen meist den Mini-Plot als Grundlage der Erzählung, da die internen Konflikte die Geschichte vorantreiben sollen. Bedeutend ist hier der Wandel der inneren Welt, der für den Leser am Interessantes ist, da der Protagonist auf der internen Ebene am meisten zu verlieren hat.


Romane, die jedoch von externen, übermenschlichen Gegenkräften bestimmt werden, wie es vor allem in Horror und Action-Geschichten der Fall ist, können mehr auf interne Konflikte verzichten, da die Haupthandlung meist genügend Stoff bietet, um die Geschichte voranzubringen und die Spannung zu halten. Des Weiteren solltest du aufpassen, dass du – sofern du interne Konflikte in diese beiden Genres einbringst – es nicht übertreibst, weil du sonst das Versprechen an deine Leser enttäuschen könntest. Bedenke, was sie von deiner Geschichte erwarten, was du abliefern musst, und worin du dich nicht verlieren solltest.


Stephen King gehört zu den wenigen Personen, denen die Kombination aus externen und internen Konflikten perfekt gelingt. Betrachten wir seine Werke wie ›The Shining‹ oder ›Sie‹ fällt auf, dass die Horrorelemente, die er einfügt, gleichzeitig Symbole der inneren Aufruhr darstellen.
Bei ›The Shining‹ nimmt der Alkoholmissbrauch Gestalt in übernatürlichen Geister, die den Protagonisten dazu bringen, seine Familie zu töten.
In ›Sie‹ schaffte er Annie Wilkes, die seinen eigenen Kampf mit Kokain widerspiegelte.

Besser als jeder andere weiß Stephen King, wie sehr man den innerem Kampf Einhalt geben muss, sodass sie sich nicht in externe Horrorszenarien verwandeln.



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