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Die vier Arten von Komplikationen
Was können Komplikationen sein?

4 Dinge, die deine Figuren hindern oder sie unterstützen, ihr Ziel zu erreichen. Eine Fortsetzung zum Themas der steigenden Komplikationen in Romanen.

 

Die vier Arten von Komplikationen - Was können Komplikationen sein?

17. Aug 2018 0

Hast du dir schon einmal die Frage gestellt, was unser Verhalten antreibt?

Warum tun wir, was wir tun? Was steckt dahinter?
Und wie leicht lassen wir uns von unseren Zielen abbringen?

Das sind wichtige Fragen, die man sich auch für das Verhalten der eigenen Protagonisten stellen sollte.

 

Was treibt unser Verhalten an?

Die folgende Ausführung ist die Fortsetzung des Beispiels, was ich nutzte, um zu erklären, was ein Wendepunkt ist. (Rückblende hier).

Lies dir das oben genannte Beispiel noch einmal durch, damit du die weiteren Ausführungen besser verstehen kannst.

Fortgeführtes Beispiel:

Ausgangssituation: Ich sitze im Park und der Wind reißt mir meine Eintrittskarte aus der Hand, genau von dem Konzert, auf das ich mich schon seit Monaten gefreut habe.

Mein Ziel: Die Karte wiederzubekommen.

Dieses Ziel, der Wille, das Ticket wiederzubekommen, treibt mein Verhalten an.

Aber als ich dem Ticket hinterher jage, passieren unterschiedliche Dinge, die mich unterbrechen.

 

Es gibt vier verschiedene Dinge, die das Erreichen des Ziels verhindern und den Protagonisten vom Kurs abbringen können.

Ein Hindernis – negativ

Komplikation 1: Ich springe auf, verheddere mich in der Picknickdecke und falle auf die Wiese.

Ich stürze auf die Wiese = ein Hindernis, das ich überwinden muss.

Der Sturz ist somit eine negative Sache, die mir auf meinem Weg passiert.

Daraufhin muss ich mich dem Hindernis stellen und meinen Pfad zum Ziel überdenken und eine Entscheidung treffen, wie ich mich am besten verhalten soll, um meinen Weg fortzusetzen.

Beispiel: Ich setze meine Füße auf das Gras, bevor ich aufstehe, weil ich durch die gewellte Decke und/oder die Grasflecken an meinen Knien an den Sturz erinnert werde.

 

Werkzeug – positiv

Ein hilfreiches Werkzeug kommt zum Vorschein.

Beispiel: Mein Ticket wedelt durch die Luft. Vor mir liegt ein Kescher, den ich zum Einfangen des Tickets nutzen kann.

Ich stoppe, nehme das Werkzeug auf und freue mich über das tolle Hilfsmittel. Auch dem Protagonisten ergeht es so, wenn er etwas findet, dass ihm hilft, sein Ziel zu erreichen.
Das Gehirn schüttet ein paar Glückshormone aus und der Protagonist wird heiterer.

Auch Werkzeuge können als »steigende Komplikationen« eingeordnet werden.

Sie müssen in ihrer Wertigkeit höher sein, als die vorherige »Komplikation«.

 

Alles andere – Irrelevant

Beispiel: Alles andere, was/wer sich ebenso im Park aufhält, ist irrelevant.

Je nachdem, wie das Setting deiner Szene ist, weitet sich diese Annahme auf Dorf, Stadt, Land aus.

Während ich auf meinem Weg zm Ticket bin, ist mir der Rest des Universums relativ egal. Ich nehme weder die Kinder wahr, die einen Drachen steigen lassen, noch die ältere Dame, die ihren Krückstock fallen lässt. All das ist irrelevant.

Diese irrelevanten Dinge umgeben mich / den Protagonisten die ganze Zeit.

 

Das unerwartete Ereignis – Krise

Das unerwartete Ereignis ist etwas, das geschieht, mit dem der Protagonist auf seinem Weg zum Ziel nicht gerechnet hat.

Es ist, als würde er auf einer dünnen Eisfläche laufen, die seinem Gewicht wunderbar standhält.

Dann öffnet sich ein Loch und er fällt hinein.

Das ist der Moment der Krise.

Es ist eine Krise, die im alltäglichen Verhalten und auch beim Geschichtenerzählen auftritt.

Beispiel: Das auslösende Ereignis ist, wenn ich beschließe, dem Ticket hinterher zu jagen, um meine anderen Ziele zu erreichen (Konzertbesuch).

Die Entscheidung ist eine Mikro-Aufgabe, die dazu beiträgt, dass ich einen schönen Abend mit Musik erleben kann.
Die steigenden Komplikationen sind sowohl die negativen Hindernisse als auch die positiven Werkzeuge, die mir auf meinem Weg begegnen, das Ticket wieder zu bekommen.

Bei der Krise ist es so, dass eine Komplikation auftritt, die wie ein schwarzes Loch ist.

Beispiel: Ich sehe weder links noch rechts, aber plötzlich ist da ein dumfes Aufschlagen und ein Schrei.

In diesem Moment fällt der Protagonist in das Loch, denn genau in diesem Moment entsteht die Krise im Inneren des Protagonisten.

Krise: Verfolge ich meinen Weg weiter, um das Ticket zu holen, ODER gebe ich das Ziel auf und helfe der alten Frau, die gestürzt ist?

Die Krise ist ein vollkommenes, unerwartetes Ereignis und entsteht aus all den Dingen, die irrelevant sind.

Etwas, das irrelevant für den Protagonisten zuvor war, wird plötzlich sehr ernst.

Beispiel: die alte Dame, die vorher auf der Bank saß und die Tauben fütterte, war ein vertrautes Bild, dem ich keine Beachtung schenkte. Aber als sie stolpert und fällt, wird ihre Anwesenheit für mich relevant.

Die unerwartete Komplikation zieht mich aus meinem Verhalten / meiner Handlung heraus und ergibt eine Krise für mich.

In meinem Beispiel ist die Krise: Eine beste schlechteste Wahl – oder eine unvereinbare Güter Entscheidung.

 

Beste schlechteste Wahl

Wenn ich dem Ticket weiter hinterher jage, wird die Frau leiden. Dann werde ich mich auch später noch beim Konzert schlecht fühlen und ich werde den Abend nicht genießen können.

oder

Wenn ich der Frau helfe, werde ich das Ticket womöglich verlieren und nicht zum Konzert gehen können.

In diesem Moment muss ich eine moralisch, aktive Entscheidung über mein Verhalten treffen.

Diese Entscheidung wird der Höhepunkt der kleinen Mini-Szene werden.

 

Die unvereinbare Güter – Entscheidung

Wenn ich das Ticket fange, wäre das gut für mich und mein persönliches Glücksgefühl. Ich würde in dem sozialen Gefüge meiner Bekannten, die mit mir auf's Konzert kommen, nach oben steigen und Freundschaftserlebnisse aufbauen. Das wäre gut für mich.

oder

Es wäre gut für die Frau, wenn ich mich um sie kümmer.

 

Das tiefe Loch

Unser gesamtes Leben besteht aus diesen Mini-Momenten – immer und immer wieder. Denn alles, was wir erreichen wollen, hängt von unserer Projektion eines Bedürfnisses oder eines Zieles ab.

Alles, was wir tun (ich will nach Berlin fahren; ich will früh um 5 aufstehen, ...) bricht sich auf viele kleine, aktive Aufgaben und Entscheidungen herunter, die von den vier Dingen abhängen:

  • dem negativen Hindernis
  • dem positiven Werkezeug
  • den irrelevanten Dingen
  • dem unerwarteten Ereignis (ein Ereignis, dass wir nicht vorhersehen konnten)

Wir fallen in ein Loch und wissen nicht, wie tief wir fallen werden. Das ist die Krise.

In einer Geschichte fädeln wir diese kleinen Mini-Ereignisse auf (vom Taktschlag, zur Szene, Sequenz, Akt, Subplot, Anfang, Mitte und Ende der Geschichte) und lassen sie eskalieren. Die schwarzen Löcher werden immer größer, wobei die Löcher von Anfang, Mitte und Ende richtig tief sein müssen.

Wir müssen in jeden der drei Teile (Anfang, Mitte und Ende der Geschichte) nach oben steigen, nur um dann unseren Protagonisten wieder in tiefes, eiskaltes Wasser fallen lassen zu können. (Genau dann, wenn die Krise in diesen Akten aufkommt)

 

Manchmal, wenn man ins Loch fällt, fällt man in eisiges Wasser (negatives Hindernis, unerwartetes Ereignis)

Andere Male ist es etwas, das eine Möglichkeit darstellt (positive Werkzeug).

 

Wie denkst du über Komplikationen für deine Protas?

Hast du daran gedacht, dass selbst Hilfsmittel zu den steigenden Komplikationen zählen können?

Hinterlass deine Fragen / Anregungen gern in den Kommentaren.



alt
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Melanie Naumann hilft Autoren, ihre Geschichten auf ein neues Level zu heben.

Melanie Naumann schreibt Thriller, studierte Sprache und bildet sich seit 2015 als Lektorin fort. Aus der Liebe zum Lektorat entstand zuerst ein Schreibblog, Ende 2018 dann Storyanalyse.de, um Autoren Hilfestellungen zum Schreiben und Lektorieren ihrer Manuskripte zu geben.

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