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Hexenkessel von Martin Krist

Freak City: Hexenkessel – Analyse des Kurzromans

Du willst deinen besten Roman schreiben? Dann lerne mit Hilfe der globalen Analyse von Geschichten, wie man die Erwartungen der Leser erfüllt.

 

Hexenkessel von Martin Krist - Freak City: Hexenkessel – Analyse des Kurzromans

19. Jul 2019 0

So geht's:

Egal, welche Art von Roman oder Film, ich werde immer die folgenden Fragen zu dem jeweiligen Beispiel beantworten:

 

Du kennst Hexenkessel von Martin Krist noch nicht?

Vermeide, dass ich dir die Geschichte mit der folgenden Analyse spoiler, bevor du sie nicht selbst gesehen oder gelesen hast. Zu Amazon



Freak City: Hexenkessel – Analyse des Kurzromans

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Hinweis:Die Einordnung des Genres erfolgt nach dem Story Grid. Mehr dazu in dem Beitrag: Buch & Genre.


1. Was ist das globale Genre?

Globale Wert des Genres Western

Hexenkessel von Martin Krist ist ein Kurzroman nach der Struktur der Heldenreise, deren Geschehnisse durchaus in der realen Welt passieren könnten. Das primäre Genre für Hexenkessel ist Western – Profi und das sekundäre, interne Genre ist Moral – Erlösung.

WESTERN???

Wahrscheinlich fragst du dich, ob ich die Genrezuordnung von Freak City: Hexenkessel aus Versehen falsch vergeben habe. Western? Sind das nicht Cowboys und Indianer? Was hat das Genre Western mit diesem Roman zu tun?

Ist es nicht ein Thriller?

Oder zumindest ein Krimi?

Wenigstens Action?

Ja, was ist es denn nun?

Versuchen wir herauszufinden, zu welchem Genre Hexenkessel am besten passt.

Aber wovon handelt Hexenkessel?

 


2. Anfang, Mitte und Ende jeweils kurz zusammengefasst.

Anfang: Wenn der Schutzgelderpresser Pearl Navaro, der über einen ausgeprägten Sinn für die Spurensuche verfügt, um Hilfe gebeten wird, eine Musical-Darstellerin zu finden, muss er sich entscheiden, ob er nach ihr ermitteln soll oder ob er weiter als Erpresser arbeiten möchte. Er entscheidet sich dazu, nach Hause zu fahren, aber als er keinen Schlaf finden kann, fährt er zu dem Mann der gesuchten Mrs. Sharpio, der glaubt, sie wäre für die große Karriere abgehauen und hätte daher nicht die Cops verständigt.

Mitte: Als Pearl erfährt, dass zwei Polizisten etwas mit dem Verschwinden von Mrs. Sharpio zu tun haben, muss er sich entscheiden, ob er gegen die Polizei angehen will oder ob er die Ermittlung aufgibt. Pearl entscheidet sich, dem verdächtigen Polizisten zu folgen, und es gelingt ihm, den Polizisten in einer Schlachterei bewusstlos zu schlagen.

Ende: Konfrontiert mit einer jungen Mutter und ihrer Tochter, die von einem Serienmörder unter Druck gesetzt werden, muss er sich entscheiden, ob er der Frauen hilft und sein Leben für sie riskiert oder ob er sie allein gehen lässt, wohlwissend, dass sie sterben wird und er sie als Zeugin seines Kampfes mit dem Polizisten los wäre. Pearl entscheidet sich, ihr zu helfen und es gelingt ihm, den Mörder zu fesseln und die Frau vor der Polizei zu schützen, wofür er mit der Erkenntnis belohnt wird, in welcher Korruption sich sein Auftraggeber befindet, der selbst Polizist ist und der Pearl wegen eines Mordes erpresst.


Diese Zusammenfassung von Anfang, Mitte und Ende ist natürlich nicht die gesamte Geschichte.


3. Was ist die Erzählperspektive und das erzählerische Mittel?

In Hexenkessel erleben wir das Geschehen aus der Sicht von zwei Perspektivfiguren.

Die Erzählperspektive ist der personale Erzähler mit Einblick in die Gedanken und die Gefühle von den beiden Figuren Pearl Navaro und der jungen Mutter Patsy. Die gesamte Handlung lässt sich auf wenige Vorkommnisse herunterbrechen, selbst wenn ein rasanter Wechsel zwischen den beiden Perspektivfiguren die Handlung mit Cliffhangern füllt, bis die beiden Handlungsstränge am Ende kurz zusammengeführt werden.

Der Leser wird an einer Stelle aus dem Erzählfluss gerissen, als sich ein auktorialer Erzähler in die Handlung einmischt und vor dem Ausgang einer Situation bereits aussagt: »Mit etwas Glück kamen sie dann noch glimpflich aus der ganzen Sache heraus.« (Kindle, Seite 29 von 217, 15%)

Hexenkessel beinhaltet alle drei Formen der Fokalisierung, um die Geschichte voranzutreiben. Die Geschichte wird in der Vergangenheit erzählt.

 

Schwierigkeit eines Kurzromans mit zwei Reflektorfiguren

Der Leser nimmt auch an der Entwicklung der Ereignisse für die junge Mutter Patsy teil.

Patsy's Handlungsstrang: Sie bricht mit ihrem Freund Milo in ein Gebäude ein und stiehlt Wertsachen. Dabei ertappen sie den Burglary-Killer auf frischer Tat, der sie fortan verfolgt und umbringen will. Opfer dieser Verfolgung sind mitunter Patsys Ehemann (von dem sie sich sowieso trennen wollte) und auch Milo. Erst als Patsy sich in der Schlachterei ihres früheren Arbeitgebers mit Milo treffen will und stattdessen Pearl trifft, laufen die Handlungsstränge zu einem zusammen.

Ich muss zugeben, ich hatte meine Probleme mit der Zuordnung des Protagonisten. Immerhin haben wir einen Kurzroman und zwei Perspektivfiguren, die durch die abwechselnde Kapitelzuweisung den gleichen Anteil an Szenen erhalten.

Martin Krist hat zwei Möglichkeiten genutzt, um dem Leser klarer zu kommunizieren, wer sein Protagonist ist.

1. Er hat vor dem Start des ersten Kapitels einen kurzen Steckbrief zu Pearl eingefügt.

Immerhin kam die Exposition in schnell lesbaren Stichpunkten und überschwemmte den Leser nicht im Text. Ich persönlich bevorzuge es, wenn diese wichtigen Informationen zur Hauptfigur schrittweise im Text offenbart oder gezeigt werden. Show, don’t Tell. Dieses Vorwegnehmen von Charakterzügen und der Art der Persönlichkeit haben mir die Freude daran genommen, Pearl auf den Seiten kennenzulernen.

2. Vorstellung des Protagonisten in der ersten Szene

Die erste Szene ›EINS‹ beginnt mit Pearl als Perspektivfigur, wobei die Szene extrem kurz ist und man spätestens bei der Szene ›DREI‹ herausgefunden hat, das ›EINS‹ ein Prolog war (In ›EINS‹ wurde Pearl niedergestreckt und in ›DREI‹ ist alles so, als wäre nichts gewesen). Am Ende findet man sogar heraus, dass die erste Szene des Romans eine Vorausschau auf das Ende der Hexenkessel-Geschichte war.

Ich kann an dieser Stelle nicht für den Autor sprechen und was seine Intention war. Vielleicht hat er sich an Krimiserien wie NCIS orientiert, wo die Spannung des Zuschauers mit einem kurzen Einblick auf ein zukünftiges Ereignis gehalten wird. Wäre dem der Fall, hätte es als solches besser gekennzeichnet werden müssen. Ich fand es unter der Kapitelbezeichnung ›EINS‹ eher irritierend.

Somit ist klar, dass Szene ›EINS‹ nur existiert, dass der Leser einerseits zuerst die Figur Pearl erlebt, und nicht Patsy, mit der die eigentliche Handlung losgeht. Und andererseits kann der Autor mit dem Angriff auf Pearl dem Leser zeigen, welche Story der Leser erwarten kann: Leben und Tod steht auf dem Spiel.

 Analyse von Freak City: Hexenkessel - Martin Krist auf storyanalyse.de

Weitere Probleme, zwei Reflektorfiguren in einem Kurzroman unterzubringen:

Für mich war es schwierig, Empathie mit Patsy und Pearl aufzubauen. Zwei Reflektorfiguren in einer Kurzgeschichte zu haben, ist keine einfache Sache. Dazu hat der frühzeitige Einsatz von indirekter Rede es mir erschwert, Patsy besser verstehen zu können. Ihre Krisenentscheidungen sind am Anfang gleichbleibend. Mehrfach geht es um Auftrag oder Tochter und durch ihr Hin-und-her kommt man sich eher vor, wie in einer Geschichte über Ehe und moralische Entscheidungen.

 

Hexenkessel ist kein Thriller.

Für einen Thriller fehlen mir die Gründe, sowohl um Patsy als auch um den Killer verstehen zu können. Wir wissen kaum etwas über den Burglary-Killer, nur wie er mordet, aber nicht wirklich warum, und vor allem warum er es auf Patsy abgesehen hat. Echt nur wegen der Tasche? Sein Feldzug gegen sie scheint übertrieben zu sein, nur wegen etwas Diebesgut.

Außerdem braucht ein Thriller die innere Entwicklung des Protagonisten, sodass der Held den Killer stoppen kann (z.B. Starling muss einsehen, dass ein Menschenleben zu retten wichtiger ist, als ihre Karriere beim FBI, die sie nur benutzt haben). Leider hat sich weder Patsy noch Pearl entwickelt.

 

Weitere Genremöglichkeiten

Wenn wir die Story aus Patsys Sicht betrachten (angenommen wir hätten den Steckbrief und die Werbung zu Pearl nicht gesehen), könnten wir annehmen, dass die Story eine Horrorgeschichte mit einem umheimlichen Monster als Gegner ist; oder eine Art Krimi, wo der Schurke (Patsy) versucht, mit ihrem Verbrechen durchzukommen [wird hier nur nebenbei von Polizei gejagt, aber mehr vom Serienkiller (gute Innovation des Genres)]; oder es ist eine Geschichte über Moral, wo ein guter Mensch ein Verbrechen begeht und dafür bestraft wird (Morde an Exmann und Geliebten).

Betrachten wir die Story aus Pearls Sicht, ist es teils Thriller, teils Krimi und teils eine Horrorgeschichte (nicht alle Pflichtszenen und Konventionen werden für Pearl als Protagonist erfüllt).

 

Ist Hexenkessel ein Krimi?

Wenn wir die Zusammenfassung lesen, kommt stark heraus, dass unser Protagonist ein Ermittler ist (wenn auch nicht offiziell). Demzufolge ordnet sich der globale Wert der Geschichte auf der Skala zwischen Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit ein. Dieser Wert gehört zum Genre Krimi. Aber ist Hexenkessel wirklich ein Krimi?

Um klarer zu definieren, was das primäre Genre dieser Geschichte ist, muss man herausfinden, welcher Wert am stärksten in der Geschichte auf dem Spiel steht. Das finden wir heraus, wenn wir uns fragen, was der Protagonist will und was er braucht.

 

4. Was sind die Objekte des Verlangens?

Externes Objekt des Verlangens: Pearl will nicht die Marionette von einer höheren Institution sein, die korrupt ist. Er will selbst entscheiden können, für was oder wen er arbeitet und vor allem, wie er das tut. Er will Freiheit.

Internes Objekt des Verlangens: Pearl trachtet nach Wiedergutmachung. Er braucht das Gefühl, von seiner Vergangenheit erlöst zu sein, um endlich frei sein zu können.

 

Wenn uns klar ist, was unser Protagonist will und braucht, können wir sehr gut auf die beiden Genres Rückschluss ziehen, die in der Geschichte am stärksten hervortreten.

Pearl will Autonomie. Er will selbst entscheiden.
Wenn wir uns die Skala des Western ansehen, dann bilden Freiheit und Unterwerfung die beiden Pole der Wertskala des Genres Dabei wäre die Unterwerfung im Glauben, frei zu sein, die Negation der Negation.

In der Bedürfnispyramide nach Maslow ordnet sich der Western in der Ebene der Sicherheitsbedürfnisse ein. Ich denke, es ist nicht abzustreiten, dass die Figuren in Hexenkessel sehr um ihre Sicherheit besorgt sind.

Schauen wir uns doch einfach die Pflichtszenen und Konventionen eines Western an und überprüfen, ob Hexenkessel die Erwartungen des Lesers an dieses Genre trifft.

 

5. Was sind die Pflichtszenen und Konventionen des globalen Genres?

Globale Genre: Western

Obligatorische Szenen des Western

  • Szene: Es gibt eine Attacke, welche die gesamte Geschichte auslöst.
    Da Pearl unser Protagonist ist, müssen wir also von ihm ausgehen. Im Buch passiert diese Attacke durch den Polizisten Bobby, der Pearl zur Schutzgelderpressung zwingt.
  • Szene: Der Protagonist versteht, was das Ziel des Antagonisten ist. In Western ist es meist so, dass ein hoher Level an Respekt zwischen Antagonist und Protagonist existiert.
    Ich würde somit behaupten, dass der Antagonist nicht der Serienmörder ist (weil den jagt Pearl ja nicht aktiv), sondern es ist die Polizei und die Behörden. Pearl versteht, dass Bobby auch mal das richtige tun will.
  • Szene: Der Protagonist lehnt die Verantwortung ab zu handeln.
    Pearl war zunächst widerwillig, was seinen Auftrag von Bobby anbelangte.
  • Szene: Der Held wird gezwungen, die gewöhnliche Welt zu verlassen, und äußert seinen Missmut.
    Pearl erhält die Möglichkeit, nach Mrs. Sharpio zu ermitteln, aber er lässt den Auftraggeber Trump in der Bar sitzen.
  • Szene: Die anfängliche Strategie misslingt, den Antagonisten auszustechen. 
    Passt hier sowohl zum FBI Gespräch in Pearls Wohnung, als auch zum Serienmörder, als sich Pearl im Gebüsch versteckte und vergeblich auf das Erscheinen des Killers wartete, der ihn dann überrumpelte.
  • Szene: Der Held erkennt, dass er seine Herangehensweise ändern muss, um irgendeine Form des Sieges zu erreichen, und gerät in einen Alles-Ist-Verloren Moment.
    Pearl hat den Kampf zu dem korrupten, glatzköpfigen Polizisten gebracht, den er in der Schlachterei bewusstlos schlägt. Aber er kann den Antagonisten (die Institution) nicht auf diese Weise besiegen. Aber wenn er Patsy hilft, könnte er nicht nur ihr Leben retten und wirklich einen Unterschied für sie und ihre Tochter machen, und vielleicht Bobby etwas gutes zuspielen)
  • Die wichtigste Szene im Western Genre ist der Showdown. Der Showdown ist das Event, wo sich der Held und der Bösewicht gegenüberstehen. Es ist der Moment, wo die innere Gabe des Helden zum Ausdruck kommt.
    Die Schlachterei liegt abgelegen. Tiermehl imitiert den sandigen Untergrund. Pearl steht dem glatzköpfigen Polizisten gegenüber, der ihn umbringen will.
  • Szene: ›Das Opfer des Helden wird belohnt‹.
    Pearl überlässt Detective Bobby den Ruhm, dass der Burglary Killer geschnappt ist. Pearls Belohnung ist die gute Tat, die er für Patsy und Christie getan hat. Er gibt ihnen die Chance auf einen Neuanfang.

 

Konventionen eines Western

  • Konvention: Im Western haben wir die Eigenart des Settings. Meist findet die Handlung in einer schroffen und feindlichen Umgebung statt.
    Ich denke, der Titel der Buchserie sagt hier alles aus: Freak City. Außerdem haben wir die Szene auf der abgelegenen Straße am Ende, die den Anschein einer sandigen Straße erweckt, so wie wir sie aus der Westernduellszene kennen.
  • Konvention: Ein Western hat drei klar definierte Rollen für die Figuren: Held, Opfer und Bösewicht.
    Das Ziel des Helden (Pearl) ist es, den Bösewicht zu stoppen und das Opfer zu retten (Man könnte meinen, Sharpio wäre das eigentliche Opfer. Aber es ist Patsy, die vom Burglary-Killer verfolgt wird. Für Peral ist jedoch nicht er Burglary-Killer der Bösewicht, sondern es ist die korrupte Institution, für die er im Schatten arbeiten muss (für den Polizisten Bobby).
  • Konvention: Der Held hat zudem Kumpanen, wie z.B. den Barkeeper
    Ob wir die Bar nun Salon oder Bar nennen, ist relativ egal. In Hexenkessel steht Pearls Freund Jesus hinter dem Tresen.
  • Konvention: An einer Stelle in der Handlung werden die Umstände für den Helden persönlich.
    Pearl gerät in den Radar des FBI’s.
  • Konvention: Der Held arbeitet außerhalb des Gesetzes
    Pearl darf sich offiziell ja nicht Privatdetektiv oder Ermittler nennen.
  • Konvention: Der Kräfteunterschied zwischen Held und Bösewicht ist enorm. Der Bösewicht ist viel stärker als der Held und das Opfer. 
    Im ersten Buch kratzt Krist schon die Gesellschaft (Polizeibehörden) als möglichen Antagonisten an. Dass diese Behörden mehr Macht als Pearl haben, ist klar. Aber auch der Burglary Killer ist um einiges stärker / cleverer als Pearl.
  • Konvention: Wie in jeder Action, Krimi und Thrillergeschichte kommt es auch zu einer Anpreisung des Bösewichts, um zu verdeutlichen, was auf dem Spiel steht.
    Bobby hat etwas gegen Pearl in der Hand, weswegen dieser wegen Mordes im Knast landen könnte. Außerdem realisiert Pearl, dass vielmehr Polizisten korrupt sind, als er zunächst annahm oder von denen er wusste.
  • Konvention: Zeitvorgabe.
    Patsy und Pearl haben zwei Stunden Zeit, um zur Troy Meadow Rd. zu kommen, wo ihr Freund Milo ist.
  • Konvention: Für den Protagonisten geht es um Leben und Tod.
    Wer sich mit der Polizei anlegt und einen glatzköpfigen Typen verfolgt, der scheinbar eine bekannte Schauspielerin entführte, der weiß sehr wohl, dass er sein eigenes Leben riskiert.

 

Ich denke, die Konventionen des Western-Genres erfüllt Hexenkessel zu 100% und das auf eine innovative Art und Weise.


Natürlich können wir nun auch die Pflichtszenen und Konventionen für einen Krimi auflisten. Auch hier werden wir sehen, dass Hexenkessel diese erfüllt.

Ein Western ist eine Mischung aus Krimi, Action und Gesellschaft. Und ja, deswegen werden wir auch Szenen und Konventionen in der Geschichte finden, die genau zu diesen Genres hindeuten. Selbst Elemente des Horrorgenres hat Martin Krist mit in der Geschichte verbaut.

Horror?

Der Burglary-Killer foltert aus Freude und man braucht nicht mit ihm verhandeln. Er lässt nicht mit sich reden. Das sind Merkmale für das typische Monster in einer Horrorgeschichte. Im Thriller verfolgt der Killer sein MacGuffin für einen übergeordneten Zweck, den man nachvollziehen kann (Buffalo Bill in das Schweigen der Lämmer wollte ein Kostüm aus der Haut von Frauen nähen, weil er eine Persönlichkeitsstörung hatte. Nachvollziehbar.) Aber der Burglary Killer scheint keinen Zweck zu verfolgen. Er ist somit nur ein Monster, das blanke Böse, daher: Horror.

 

6. Was ist das kontrollierende Thema?

Was ist dein Gefühl? Ist Hexenkessel gut ausgegangen?

Wenn ja, könnten wir sagen:

Gerechtigkeit siegt, wenn ein unbeugsames Individuum das Böse zum Wohle Aller bekämpft.

Hat das Pearl getan? Ja, er hat versucht zum Wohle Bobbys, für Patsy und ihre Tochter sowie für sein eigenes Wohl die beste Entscheidung zu treffen.

Für sein eigenes Wohl!

Hat Pearl am Ende des ersten Buches der Reihe schon Erlösung gefunden? Nein, denn er ist noch immer auf sich fokussiert. Patsy zu helfen, geschah nur teils aus Nächstenliebe. Vielmehr war es Pearls Chance, sich mit Bobby gutzustellen. Ein erster Versuch, um möglicherweise aus dessen Fängen zu kommen. Die Auflösung des Versuchs werden wir wohl in Teil 2 der Freak City Reihe erfahren.


Ist es nicht genauso zutreffend, wenn wir sagen:

Tyrannei regiert, wenn ein Mann mit dem Potenzial zu wissen, was das Richtige ist, seine eigenen Ziele vor die der Gesellschaft stellt und die Korrupten verteidigt, welche das Ideal einer gerechten Welt zugrunde richten.

Was denkst du?

 

Was ist mit den Lesererwartungen?

Ist ein Leser enttäuscht, wenn er einen Krimi von Martin Krist lesen wollte, aber stattdessen einen Western bekommt?

Um diese Frage zu beantworten, sollte man sich zunächst bewusst machen, dass es für jeden Roman ein Verkaufsgenre gibt (nennen wir es die Verkaufskategorie) und ein primäres Genre, das den Inhalt des Romans bestimmt.

Ich analysiere Geschichten nach dem Story Grid von Shawn Coyne, der in seinem fünfblättrigen Genre-Kleeblatt 12 Genres definiert hat, die den Inhalt einer Geschichte beschreiben.

Diese Genrezuordnung von Shawn Coyne dient mir als Lektor, dem Autor zu helfen herauszufinden, welche Art von Geschichte er wirklich schreiben will. Wir sprechen an dieser Stelle noch nicht von dem Regal, wo sein Buch später im Buchladen zu finden ist. Viel mehr geht es darum, mit der Genreentscheidung eine Orientierung für den Schreibprozess zu erlangen: Was ist mein Genre? Welche Erwartungen haben Leser an dieses Genre? Auf welche Szenen fiebern die Leser hin? Was erwarten sie von meinen Figuren? Etc.

 

Der Western

Selbst wenn Hexenkessel als Krimi oder Thriller verkauft wird, bekommt der Leser einen tollen, spannenden Happen für zwischendurch. Die meisten Leser werden nicht realisieren, dass sie eigentlich einen Western lesen. Das liegt daran, dass wir mit Western meist Cowboys und Indianer assoziieren.

Nach dem Story Grid bedeutet Western aber vorrangig:

Der Western bezieht sich auf die Rolle des Individuums in einer Massengesellschaft. Ist das selbständige Individuum gefährlich für die Ordnung oder notwendig, um die Machtlosen zu verteidigen? Shawn Coyne

Dieses Genre verbindet die Aspekte von Krimi, Gesellschaft und Actiongeschichten, in denen der Protagonist sowohl von der Gesellschaft verurteilt als auch höhergestellt wird.

six Guns and Society Will Wright

Will Wright (bestes Buch über das Western Genre: Sixguns & Society):

Englisches Original: »The Western is a myth that addressing how self-reliant individuals, relate to a society centered around morality, love, and law. The Western demonstrates that society needs the help of an independent outsider that it can’t produce on its own. In the Western, society and the outsider are forced into a negotiation of values of independence vs. connection. The antagonist’s threat makes the negotiation possible and necessary.«

Übersetzt: »Der Westen ist ein Mythos, der darauf abzielt, wie auf sich selbst gestellte Personen einer Gesellschaft gegenüberstehen, welche sich auf Moral, Liebe und Recht konzentriert. Der Westen zeigt, dass die Gesellschaft die Hilfe eines unabhängigen Außenseiters benötigt, den sie nicht alleine hervorbringen kann. Im Westen sind die Gesellschaft und der Außenseiter gezwungen, miteinander über die Werte Unabhängigkeit und Verbindung zu verhandeln. Die Bedrohung des Antagonisten macht die Verhandlung möglich und erforderlich.«

Wenn ich den unabhängigen Außenseiter betrachte, denke ich an Pearl. Er ist der passende Protagonist für einen Western.

 

Der Protagonist in einem Western

Der Westen entsteht aus dem Ideal der individuellen Souveränität. Und doch ist der Protagonist im Western oft gezwungen, im Namen einer ungerecht behandelten Gemeinschaft einzugreifen.

Der Protagonist ist ein verdrossener Held veralteter Werte, der in eine neue Weltordnung gedrängt wird. Und er ist nicht glücklich darüber. Er mag keine Veränderung.

Wenn wir wissen, was eine Figur braucht (Was ist ihr internes Objekt des Verlangens), können wir das interne Genre herausfinden. Pearl trachtet nach Wiedergutmachung. Er braucht Erlösung. Demzufolge ist das interne Genre Moral – Erlösung.

Pearl wirkt ein bisschen wie Walt Kowalski aus Gran Torino. Auch Walt macht eine große innere Entwicklung durch, dass er am Ende sogar dem Jungen seinen Wagen hinterlässt. Ich denke, auch Pearl würde diese Entwicklung und ein ›Nachlass‹ sehr gut stehen. Ich bezweifle zudem, dass er am Ende der Reihe noch lebt.

Wenn ich spinnen darf, würde ich sagen, dass er den letzten Showdown verliert und mit dem Leben bezahlt (denn die Polizei / Behörde / Politik ist zu mächtig), aber er gewinnt in dem unterstützenden internen Genre und findet Erlösung. Verlieren, aber gleichzeitig gewinnen ist die pure Ironie des Lebens, und ein sehr geliebtes Ende bei Geschichten, indem die Figur entweder erreicht, was sie will, aber dafür nicht bekommt, was sie braucht – oder umgekehrt.

 

Weitere Anmerkungen

Ich betrachte die Geschichte global, wenn ich von Western spreche. Global bezieht sich hier darauf, dass Freak City eine Buchserie ist, die sich um den Protagonisten Pearl dreht. Er ist somit der Fremde, der in die Stadt kam. Das ist der Anfang der Geschichte, bevor das erste Buch startet. (Aufgrund des Steckbriefs wissen wir ja bereits schon mehr zu Pearl). Die globale Geschichte beginnt also wie ein Western: Er ist das Halbblut (Außenseiter), der nach ›Freak City‹ kam.

Ich betrachte die Buchserie zudem global, weil ich denke, dass die Bücher der Reihe aufeinander aufbauen, weil sonst die Informationen des Steckbriefs obsolet wären. Diese Informationen geben ein Versprechen darauf, dass der Leser mit jedem Buch mehr zu der Figur Pearl erfahren wird. Sprich müsste sich demzufolge, ein spezifisches Genre über den Gesamtverlauf der Geschichte / Buchreihe spannen, da man annimmt, dass Pearl noch mit den Geistern der Vergangenheit konfrontiert wird.

 

Wer möchte, kann auch gern die Konventionen und Pflichtszenen des internen Genres für Hexenkessel herausfinden. In der Analyse von Faust 2 kannst du sie für das Moral Genre – Erlösung finden. Schreibe sie doch gern in die Kommentare.

Oder schreibe auf, was du denkst, was das primäre Genre von Hexenkessel ist. Beachte, ich spreche nicht von der Verkaufskategorie.


Mach mit bei der nächsten Analyse.

Vielleicht möchtest du versuchen, die sechs Fragen selbst zu beantworten und sie anschließend mit meinen Antworten zu vergleichen.

Als nächstes gehe ich auf Der Fedora Attentäter (Teil 1 und 2) von Melanie Naumann ein. Auf Amazon kaufen oder Weitere Analysen ansehen
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Melanie Naumann ist die erste deutsche zertifizierte Story Grid Lektorin. Sie liebt die Analyse von Geschichten – global betrachtet bis hin zu den Szenen und Beats – und hilft Autoren, eine authentische und charakterstarke Handlung in jeder Art von Setting zu entwickeln. Sie bietet sowohl die Diagnose eines Manuskripts an, als auch wöchentliche Coachinggespräche zwischen Autor und Lektor.

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