Rezensionen zu ausgewählten Büchern

Der Sündenfänger

Der Sündenfänger von Ilona Bulazel

Psychothriller
Der Sündenfänger - Der Sündenfänger von Ilona Bulazel

Werbung, da Produktrezension

Der Sündenfänger

Der Sündenfänger - Der Sündenfänger von Ilona Bulazel

Autor: Ilona Bulazel
Genre: Psychothriller

Erscheinungsjahr: 2017
Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform

ISBN: 978-1981544042

Seiten: 298
Printausgabe Preis: 9,99 €

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14. Feb 2018   0

Kurze Inhaltszusammenfassung

Der Psychothriller "Der Sündenfänger" von Ilona Bulazel handelt von dem Hauptkommissar Jens Stutter und seiner Kollegin Jasmin Nau, die zusammen eine Reihe von grausamen Morden aufklären müssen. Ihre Spur bringt sie auf die Fährte des Sündenfängers, eines selbst ernannten Helfers von Gott, der die Menschen für ihre Sünden mit Folter und Tod bestraft.

 

Zum Cover

Eine Frau, die den Betrachter direkt in die Augen schaut, weckt Interesse und Aufmerksamkeit.
Unter ihrem eisigen Blick fühlt man sich beobachtet. Man kann kaum wegsehen, wäre da nicht das blutige, auf dem Kopf stehende Kreuz, zu dem der Blick immer wieder springt.

Für einen Psychothriller ein gelungenes Cover.
Das Bild der Frau ist großartig, jedoch ist die Umsetzung verbesserungswürdig. So sollte das blutige Kreuz besser die Gesichtsform aufnehmen (vor allem in der Vertikalen), sodass es nicht so "aufgesetzt" wirkt.
Der Artikel "Der" stört meines Empfindens ebenso die gute Kombination aus Bild und Schrift. Hier hätte man das Wort "Der" kleiner und in gemeinsamer Fußlinie mit den Ü-Strichen setzen können, so würde es nicht so sehr die Proportionen der beiden, sonst so symmetrischen Bildteile (links & rechts) stören.

 

Zur Geschichte

Die Geschichte zum Sündenfänger ist originell und es gibt wohl kaum einen passenderen Titel für die Geschichte eines Serienmörders, der mit seinen Morden biblische Szenen nachstellt.

Die Handlung des Buches verläuft in einer direkten, chronologischen Linie, ohne Rückblenden und nennenswerte Ausschweifungen.

Die Autorin konzentrierte sich im Wesentlichen auf die Ermittlungen, die den Hauptkommisar und seine Kollegin von einem potenziell Verdächtigen zum nächsten bringen. Die Verdächtigen-Liste ist dabei relativ kurz, da durch die wenigen Handlungsorte nur die psychiatrische Klinik "Zum grünen Park" als Ursprung des Sündenfängers in Frage kommt.
Der Leser hat relativ schnell eine Ahnung, wer der Mörder sein kann.

 

Das Genre "Psychothriller" weckt enorme Erwartung an eine Geschichte.

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich liebe es, wenn man am Ende der Geschichte sich selbst eingesteht, dass man auf irgendeine Weise die Handlung des Mörders nachvollziehen kann; wenn man ihn beobachtet hat oder die Dinge aus seiner Perspektive sah.
In dieser Geschichte werden die Morde allerdings nur "angerissen". Sie sind ein angenehmes Beiwerk, aber zu kurz und bildlos, um in der Brutalität, in der sie durchgeführt werden, wirklich Spannung zu schaffen.

Die einzige Nachvollziehbarkeit des Motivs des Täters erhält der Leser in einer langen Schurken-  / Erklärungsrede am Ende des Buches.

 

Leider finde ich, dass das Versprechen an den Leser unter dem Titel "Psychothriller" nicht vollständig eingehalten wird. Zu sehr konzentrierte sich die Autorin auf die Schilderung der Ermittlungen, und damit meine ich: Schilderung.
In der ersten Hälfte des Buches findet sich der Leser nur in Dialogen wieder, ohne visuelle Anhaltspunkte, wo sich die Figuren befinden noch was sie gerade tun. Sie stehen nur da und reden, und die einzigen Beschreibungen beziehen sich darauf, wie eine Person etwas sagte oder wie sie sich dabei fühlte.

Außerdem exisitert kein falsches Ende, wie es für Thriller üblich ist. Das ist für mich ein No-Go für einen Thriller.
Der Leser erwartet, dass irgendetwas am Ende noch passieren wird, bevor das richtige, zweite Ende folgt. Leider ist es in diesem Buch nicht vorhanden.

 

Figuren:

Neben dem bereits erwähnten Punkt, dass man das Motiv des Täters nur in der eigenen Rede nachvollziehen kann, fesselten mich auch die restlichen Figuren nicht.

Eine Polizeibeamtin, die zwar Männersorgen hat, und diese auf den letzten Seiten des Buches bewältigt und ein Hauptkommisar, der trotz Vergangenheitskomplex wieder ermittelt.

Die Hintergrundinformationen zu den Figuren sind zu wenig. Sie kämpfen kaum gegen ihre inneren Dämonen, was natürlich auch kein Muss ist.
Für mich jedoch waren sie einfach zu platt.

 

Stil & Sprache

Der Ausdruck der Autorin ist gut. Sie kennt ihr Handwerk und wie man Sätze wirkungsvoll aufbaut.
Auch grammatikalisch gibt es nichts auszusetzen, bis auf einen kleinen Fehler auf der ersten Seite ("bedeutete" statt "deutete).

 

Was mich am meisten störte, waren jedoch drei grundsätzliche Dinge.

Erstens: Zu viel Erzähltes sowie Autorenkommentare

Ich liebe das Prinzip "Show, don't tell" (Zeigen, statt erzählen), aber die Autorin behauptete zu oft. Sie erzählte, wie sich jemand benahm oder wie er etwas sagte, statt es zu zeigen.

"Ich habe so eine Ahnung", sagte sie beunruhigt. (Seite 96)

Ihre Haltung war provozierend. (Seite 73)

"..." brummte Jasmin Nau, die heute besonders schlechte Laune hatte. (Behauptung, Seite 64)

Jasmin, die nicht besonders trinkfest war. (Behauptung, Seite 198)

Autorenkommentar: Der Kampf war gefährlich. (Seite 11)

Als Leser will ich will selbst erleben, dass der Kampf um Leben und Tod geht. Ich will es nicht gesagt bekommen.

Autorenkommentar: Das war einfach nicht seine Art. (Behauptung, Seite 202)

Autorenkommentar: "Er wusste sofort, dass sie getrunken hatte. Den Grund sollte er gleich erfahren." (Seite 199)

 

Zweitens: Perspektive

Die Autorin nutzt für jede Szene einen Perspektivcharakter, von dem wir seine Gedanken und Gefühle erfahren können.

Leider springt sie in einer Szene auch manchmal in eine zweite Person und wir erfahren ihre Gedanken oder Gefühle. Das ist verwirrend für den Leser, wenn er sich so schon für jede Szene auf eine andere Person einlassen muss. (z.B. S. 107: Jasmin fragt sich selbst etwas und Stutter wusste, dass er richtig lag.)

Vor allem an Anfang geschah einer schneller Szenenwechsel mit immer neuen Perspektivfiguren, die bei einer so kurzen Geschichte einfach zu viele sind, weil sich der Leser mit keiner so richtig identifizieren kann.

Vor allem wird im Klappentext vom Hauptkommisar gesprochen, aber ich war mehr im Kopf seiner Kollegin, als das ich "mit ihm" unterwegs war.

 

Drittens: Fragwürdige Aussagen

Ich gehöre zu den Personen, die jederzeit das Wort "sagte" oder "fragte" vor allen anderen exotischen Begriffen bevorzugen. Ich vertrete die Meinung, dass der Leser aus dem Gesagten herauslesen kann, ob etwas geschrien oder geflüstert wird. Ob die Person scherzt oder wütend ist.

"Dialoganhängsel" wie "... schnappte sie", oder "... zischte sie" sind für mich einfach zu weit ausgeholt.

Er schlug ihm brutal ins Gesicht.

(Ein Schlag ist brutal, muss nicht extra gesagt werden.)

 

Endergebnis:

Die Idee des Sündenfängers gefällt mir in dieser Story, aber sie hatte nicht genug Tiefe. Außerdem waren mir einfach zu viele Erklärungen und Behauptungen in der Geschichte enthalten, dass ich das Geschehen nicht "live" miterleben konnte.

So geradlinig wie die Story ist, so ist sie kaum verstrickt genug, um für mich mehr als eine Lektüre für Zwischendurch zu sein.

Der Sündenfänger Rezension - Bewertung


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