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Wann funktioniert eine Geschichte?

Zwei essentielle Fähigkeiten, um Geschichten zu schreiben – Teil 2

Erfahre, was man vor dem Schreiben tun kann, dass man bereits beim Plotten auf eine in sich geschlossene Geschichte hinarbeiten kann.

 

Wann funktioniert eine Geschichte? - Zwei essentielle Fähigkeiten, um Geschichten zu schreiben – Teil 2

07. Dez 2018 0

Wenn man einen Roman schreiben will, reicht es nicht, wenn man 80.000 Wörter in schön klingenden Sätzen zu einem Buch zusammenfasst.

Die Kunst liegt darin, dass die Szenen das Gerüst der Geschichte aufbauen. Sie müssen also aufeinander aufbauen oder das gesamte Konstrukt ist wacklig oder stürzt ein.

Wie schafft man es also, Szenen zu schreiben, die global gesehen, alle zur Geschichte beitragen?

Erfahre in diesem Beitrag, was man vor dem Schreiben tun kann, dass man bereits beim Plotten auf eine in sich geschlossene Geschichte hinarbeiten kann.

 

 

Die Makrosicht auf die Geschichte

Wenn man einen Roman schreibt, ist es nur zu leicht, sich in den Details zu verlieren. Sei es Sprache, Stil oder kleinere Elemente wie Szenerie, Figuren oder das Schreiben nach den 5 Sinnen.

Wenn wir eine Geschichte global betrachten, muss man sie in fünf kurzen Sätzen zusammenfassen können.

Ungefähr so (Beispiel: Der Marsianer):

Auslösendes Ereignis: Mann wird auf dem Mars zurückgelassen.

Komplikationen: Wir müssen die Crew zurücksenden, um ihn zu holen, oder er wird sterben.

Krise: Sollen wir es tun oder nicht?

Höhepunkt: Wir tun es. Wir senden die Crew zurück.

Auflösung: Wir haben ihn.


So einfach kann man eine Geschichte zusammenfassen.

Man muss also lernen seine Geschichte global zu betrachten, damit man den Überblick behält. Natürlich gibt es genügend Stoff dazwischen, was die Geschichte für den Leser spannend macht.

Je nach Genre existieren bestimmte Schlüsselelemente, welche das Gerüst der Story bilden.

Genre gibt außerdem vor, wie eine Geschichte beginnt, wie sie endet und wie der Mittelteil verläuft.

 

Wie lässt sich sagen, ob eine Geschichte funktioniert oder nicht?

  • die Geschichte enthält die obligatorischen Szenen, welche der Leser erwartet
  • die Erwartungen des Lesers werden durch die Konventionen des Genres erfüllt
  • Es steht in der Geschichte immer mehr für die Figuren auf dem Spiel. Das bedeutet, dass mit dem Fortschreiten der Geschehnisse, die Konsequenzen aus den Entscheidungen des Protagonisten immer irreversibler werden
  • Szenen brauchen Abwechslung und müssen sich überraschend wenden können
  • Der Anfang der Story packt den Leser am Haken. Der Mittelteil erhöht die Anspannung und das Ende erreicht einen überraschenden, aber unausweichliche Auflösung.

 

Sicht auf die globale Geschichte mit einem Teleskop

Wann weiß man, dass man an seiner globalen Geschichte arbeiten muss?

Wenn du es schaffst, funktionierende Szenen am Stück zu schreiben, bildet das Üben des globalen Geschichtenerzählens den nächsten Schritt.

Auch wenn du noch nicht so gut beim Schreiben einer funktionierenden Szene bist, wird dir die Makrosicht auf deine Geschichte helfen, herauszufinden, wie wichtig die Szenenarbeit ist. Denn wem es nicht gelingt, einen Wandel in einer Szene einzubauen, der wird es auch schwer haben, eine globale Veränderung in die Story einzubauen.

 

Was sind die Anzeichen, dass man Schwierigkeiten mit der globalen Geschichte hat?

  • Lesern fällt es schwer, deine Geschichte einzuordnen.
  • Ein Leser mag zwar nicht sagen können, dass du einen fantastischen Romance-Thriller geschrieben hast, aber er sollte sehen können, dass die Geschichte spannend ist, das auch die Liebe nicht zu kurz kommt und das die Realität der Welt nicht der unseren entspricht. Wenn ein Leser diese Elemente nicht findet, hat man ein globales Problem des Geschichtenerzählens.
  • Leser sagen, sie haben etwas in der Geschichte vermisst. Sie können einen auch direkt ansprechen und fragen: Warum hat er ihr nie seine Liebe bewiesen?
  • Außerdem deuten auch folgende Aussagen darauf hin, dass deine Geschichte nicht funktioniert:
    »Ich habe das Ende von Anfang an vorhergesehen.«
    »War irgendwie immer das Gleiche.«
    »Ich habe die Geschichte nicht zu Ende gelesen.«

 

Teste selbst, ob deine globale Geschichte funktioniert.

Dann musst du einfach nur drei Sätze deiner Geschichte aufschreiben.

Der erste Satz sagt aus, was am Anfang deiner Geschichte passiert.

Der zweite Satz fasst zusammen, was im Mittelteil geschieht.

Der dritte Satz sagt aus, was am Ende passiert.

 

Wenn du diese drei Sätze hast, kannst du dich fragen, ob vom Anfang zum Ende hin sich etwas für deinen Protagonisten verändert hat?

Wenn ja, super. Schau dir als Nächstes an, ob das, was auf dem Spiel steht, auch der Wert deines primären Genres ist. (Auflistung Genre & Wert nach dem Story Grid sh. hier).

Im Action-Genre ist der Protagonist am Anfang dem Leben nahe, aber im Verlauf der Geschichte schwebt er immer mehr in Lebensgefahr.

Der Herr der Ringe ist z.B. eine Actiongeschichte. Am Anfang lebt Frodo in seiner heilen Welt, am Ende kämpft er sich durch Mordor, wohlwissend, dass es eine Mission ohne Rückkehr ist.

Wenn sich deine drei Sätze in ihrem Wandel auf der Skala deines Genres bewegen, hast du deine globale Geschichte, die in ihrer Rohform funktioniert.

 

Wie kannst du das Erzählen deiner globalen Geschichte verbessern?

Natürlich kannst du einen Schreibkurs belegen, aber wenn du dich selbst überprüfen möchtest, dann gibt es auch einen einfachen Weg.

Nachdem du eine Szene geschrieben hast, frage dich einfach zwei Dinge:

  • Was passiert als Nächstes in meiner Geschichte?
  • Macht das, was als Nächstes passieren wird, auch Sinn zu dem, was zuvor geschah?

 

Feedback bekommen und sich selbst antreiben

Wenn du ein super Geschichtenerzähler werden willst, reicht es nicht, wenn du nur für dich übst. Irgendwann kommt der Punkt, wo du dein Werk veröffentlichen willst. Neben Absagen von Literaturagenturen und Verlagen können für Selfpublisher auch die negativen Rezensionen bei Amazon einflattern.

Der beste Weg für einen Autor ist es also sich gezieltes, spezifisches Feedback einzuholen – sowohl für die einzelnen Szenen als auch für die globale Geschichte.

Wie das Feedback zu den Szenen aussieht, kannst du hier im ersten Teil dieses Beitrags lesen.

 

Wie kann das Feedback zur globalen Geschichte aussehen?

Um deine globale Geschichte zu analysieren, kann dir ein Lektor helfen, der sich auf die Entwicklung von Geschichten spezialisiert hat.

Wenn du keinen Freund hast, der ein riesiger Fan deines Genres ist, wird es dir schwer fallen, selbst das nötige Feedback für deine Story zu erhalten.

Das sind Anmerkungen wie: Ab Kapitel 7 gibt es keine Zunahme mehr in dem, was für deinen Protagonisten auf dem Spiel steht. Oder deine Liebesgeschichte enthält nicht die Szene mit dem Liebesbeweis. Oder in deiner Horrorgeschichte hat dein Protagonist das Monster zur Vernunft gebracht.

Diese spezifische Art von Anmerkungen ist genau das Feedback, das die Probleme deiner globalen Geschichte aufdeckt und dir gleichzeitig hilft, die Fehler auszubessern.

 

Was sollst du also mit deinen 10.000 Schreibstunden anstellen?

In diesem und dem letzten Artikel sind wir auf die Szene an sich und die globale Geschichte eingegangen.

Am besten ist es, wenn du diesen beiden Fähigkeiten deine Aufmerksamkeit gibst.

Arbeite daran, Szenen zu schreiben, die sich auf überraschende Weise drehen. Und denke über die globale Geschichte nach und wie du deinen Protagonisten noch tiefer in die Misere stürzen lassen kannst – während du die Konventionen deines gewählten Genres einhältst.

Versuche, Feedback zu deinen Szenen und der Idee zu deiner globalen Geschichte zu bekommen, damit du weißt, worauf du in deiner Schreibzeit den Fokus legen musst.

 


Worauf legst du den Fokus, wenn du schreibst? Und was sind deine Möglichkeiten, dir Feedback einzuholen?

Schreib es gern in den Kommentaren.



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Storyanalyse.de

Melanie Naumann hilft Autoren, ihre Geschichten auf ein neues Level zu heben.

Melanie Naumann schreibt Thriller, studierte Sprache und bildet sich seit 2015 als Lektorin fort. Aus der Liebe zum Lektorat entstand zuerst ein Schreibblog, Ende 2018 dann Storyanalyse.de, um Autoren Hilfestellungen zum Schreiben und Lektorieren ihrer Manuskripte zu geben.

Melanie orientiert sich an den Story Grid Erkenntnissen von Shawn Coyne, da sie die Art des Lektorats des US-amerikanischen Lektors als die hilfreichste Methode empfindet, um herauszufinden, ob Geschichten funktionieren.

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