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GENRE – ein Versprechen an den Leser

Konventionen und Pflichtszenen

Teilen wir ein Buch in ein Genre ein, wird ihm die Zugehörigkeit zu einer etablierten Kategorie gegeben. Dabei fungiert der Begriff des Genres als Überbegriff, unter dem sich die verschiedenen Storybereiche, wie Krimi, Romanze, Abenteuer, Krieg, etc. unterteilen lassen.

 

GENRE – ein Versprechen an den Leser - Konventionen und Pflichtszenen

05. Aug 2017 0

Inhaltsübersicht:

 

Wie du das Versprechen an deine Leser halten kannst.

Die Wahl des Genres bildet die wichtigste Entscheidung, die ein Autor vor Beginn des Buchschreibens treffen muss.

Ein Genre besteht aus Konventionen und Pflichtszenen, die eingehalten werden müssen.

Zudem sollte sich das Genre bereits auf dem Cover, in der Vermarktung und im ersten Kapitel herauskristallisieren, denn es gibt dem Leser ein Versprechen darauf, was er von der Geschichte erwarten kann.

Entscheidest du dich in keinem Genre zu schreiben, bist du verloren. Denn jede Geschichte, die je erzählt wurde, lässt sich in Genres klassifizieren.

  • J.R.R. Tolkiens ›Der Herr der Ringe‹ ist: Fantasy, Heldenreise, episches Abenteuer, Drama.
  • Moby Dick ist: Realismus, Langzeit, Mini-Plot, Gesellschaft, Drama.
  • Iliad ist: Fantasy, Langzeit, Heldenreise, Krieg / Bildung, literarisch.

 

Kenne dein Genre und du weißt, was du abliefern musst.

Die Entscheidung, zu welchem Genre deine Geschichte gehören wird, gibt die notwendigen Informationen, um zu wissen, was deine potenziellen Leser von deinem Buch erwarten werden.

Genre verrät, welche entscheidenden Konventionen und Pflichtszenen zu deiner Geschichte gehören müssen.

Folgst du diesen Anforderungen nicht, wird deine Geschichte nicht funktionieren. Das klingt hart, aber um deinen Leser zufriedenzustellen, musst du wissen, was du abliefern musst.

Denn sobald du an den Punkt gelangst, wo du dir sagst, dass du für jemand anderes als dich selbst schreibst, musst du die Wünsche deines Zielpublikums bedenken.

Eine Geschichte bedeutet nichts, wenn man sie nicht miterleben kann. Dein Ziel muss es sein, nicht nur die Erwartungen deiner Leser zu erfüllen, sondern sie auch zu überraschen oder zu schockieren. Nur so wirst du ein Erlebnis für sie kreieren, dass sie nicht vergessen werden.

 

Was ist dein Genre?

Bevor du dein Buch schreibst, stell dir die Frage, zu welchem Genre deine Geschichte gehören soll und welche konventionellen Erwartungen diese Entscheidung mit sich bringt.

Diese Festlegung wird dir im Schreibprozess weiterhelfen, wenn du mal feststecken solltest oder nicht weiter weißt. Genre liefert dir Anhaltspunkte, welche Szenen in dein Buch müssen und welche Erwartungen an deine Geschichte bestehen.

Zum Beispiel: Du findest ein Buch mit dem aufgedruckten Genre: Krimi.

Was denkst du, was du von dieser Geschichte erwarten kannst?

  • ein Detektiv, ein Polizist oder ein Amateur wird versuchen das Verbrechen aufzuklären.
  • bestimmte Nebenfiguren, wie die rechte Hand des Protagonisten werden auftauchen und natürlich auch der Hauptverdächtige.
  • es werden falsche Fährten gelegt, die dich miträtseln lassen.

Diese Elemente müssen in einem Krimi enthalten sein, oder du wirst deine Leser verwirren, langweilen oder dazu treiben, das Buch nicht weiterlesen zu wollen.

 

Was sind Konventionen?

Konventionen sind keine Pflichtszenen, eher spezifische Anforderungen an den Handlungsstrang und die Figuren in deiner Geschichte. Sie sind kleine Offenbarungs-Wendepunkte, die nach dem Ermessen des Autors in die Story gewebt werden können.

Klopf, Klopf. Wer ist da?
Um dies besser zu verstehen, hier ein Beispiel am berühmten: ›Klopf, Klopf‹ Witz.

Klopf, klopf.
Wer ist da?

Banane.

Banane Wer?

Klopf, Klopf?

Wer ist da?

Banane.

Banane Wer?

Klopf, Klopf?

Wer ist da?

Orange.

Orange Wer?

Orange, froh, dass ich nicht Banane sagte?


Die Anforderung an einen ›Klopf, Klopf‹ Witz wird mit der letzten Zeile, der Pointe, erfüllt. Das Wortspiel am Ende gehört zu unserer Erwartung.

Klopf, Klopf?

Wer ist da?

G.

G. wer?

Nicht schießen, ist nur ein ›Klopf. Klopf‹ Witz.

Das ›Klopf, klopf‹ und das ›Wer ist da?‹ sind die Pflichtbestandteile in diesem Witz, und das genau in dieser Form, genau diese Worte.

Diese obligatorischen Elemente sind so vertraut und identifizierbar für den Hörer/Leser, dass sie sofort eine Erwartung hervorrufen. Sobald wir das ›Klopf, klopf‹ hören, erwarten wir die Konvention dieser Witzart: das lustige Wortspiel am Ende. Erhalten wir es nicht, werden wir verwirrt sein. Wir werden nicht lachen und der Witz wird nicht weitererzählt.
Er hat nicht funktioniert.

Gleichermaßen bedeutet das Wortspiel am Ende nichts, wenn wir nicht vorher ›Klopf, Klopf‹ und ›Wer ist da‹ gehört haben.

Solltest du jemals zweifeln, ob du eine Pflichtszene oder eine Konvention in deine Story einbringen solltest, dann erinner dich an diesen Witz und was passiert, wenn du nur einen Teil herauslassen würdest.

Konventionen und Pflichtszenen in deiner Geschichte

Meistens beziehen sich Konventionen auf die Besetzung in deinem Buch: die Freundin in einer Liebesgeschichte, das Monster in einer Horrorstory; auf die Wahl der Szenerie: das Labyrinth ähnliche Schloss in einer gotischen Romanze; oder die Fallstricke in deinem Plot (= die falschen Fährten in einem Krimi).

Die obligatorischen Szenen sind die Pflichtszenen, die die einzelnen Konventionen in ihrer Auflösung verlangen.

An Beispiel des Krimis, was wären die Pflichtszenen?

  • eine Leiche wird entdeckt.
  • der Detektiv / Polizist wird den Mörder mit seiner Tat konfrontieren.
  • Gerechtigkeit wird siegen (der Mörder wird für sein Verbrechen bestraft) oder die Geschichte endet in Ironie (der Polizist stellt den Mörder, aber verliert jemand nahestehenden; oder er erwischt den Mörder nicht, aber der Verlust endet in einem höheren Gut).

Solltest du eine der genannten Szenen werglassen, hast du keinen Krimi geschrieben, sondern nur eine Geschichte, die nicht funktioniert.

Wenn du einen professionellen Roman schreiben willst, dann musst du die Konventionen und die Pflichtszenen deines Genres kennen.
Solltest du das nicht tun, dann lerne sie.

Robert McKee plädiert für die Einhaltung der Konventionen:

„Genrekonventionen (…) hemmen die Kreativität nicht, sie inspirieren sie. Die Herausforderung ist, die Konvention einzuhalten, aber das Klischee zu vermeiden.“ (Robert McKee, Story. Die Prinzipien des Drehbuchschreibens, Alexander Verlag 2007, Seite 106)

Dafür solltest du die Bestseller deines Genres lesen und aufschreiben, was sie gemeinsam haben. Mit diesem Einblick kannst du dich an die Pflichtszenen herantasten.

Auflistung von bestimmten Genres mit Konventionen und Pflichtszenen folgt:
Bisher veröffentlicht für das Action-Genre, Thriller, Horror.

 


Obligatorische Szenen:

Pflichtszenen sind die Schwersten für einen Autor – die Entdeckung der Leiche, der Held in der Gnade des Bösewichts, der erste Kuss, die Attacke des Monsters, etc., weil man nicht in Klischees fallen darf. Immerhin sind es Pflichtszenen und das bedeutet, dass sie bereits über Millionen Mal geschrieben worden sind. Also musst du mit etwas Frischen kommen, wenn du dich an diese Szenen wagst.

Viele Autoren verachten Pflichtszenen genau aus oben genannten Grund: Sie wollen sie nicht schreiben, weil sie sie als Klischee betrachten. Manche meinen sogar, dass sich ihr Werk über das ›Genre‹ hebt und sie revolutionär schreiben, was sie von Konventionen und Pflichtszenen befreit.

Aber das ist totaler Quatsch.

Wenn der globale Startmoment, der Augenblick, der die Geschichte ins Rollen bringt, mit einem bestimmten Genre in Verbindung gebracht wird, aber der Rest der Geschichte davon abweicht, wird die Geschichte nicht funktionieren.

Und diejenigen, die den Fehler machen, es zu kaufen, werden allen ihren Freunden sagen, dass sie nicht den gleichen Fehler begehen sollen.

 



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Storyanalyse.de

Melanie Naumann hilft Autoren, ihre Geschichten auf ein neues Level zu heben.

Melanie Naumann schreibt Thriller, studierte Sprache und bildet sich seit 2015 als Lektorin fort. Aus der Liebe zum Lektorat entstand zuerst ein Schreibblog, Ende 2018 dann Storyanalyse.de, um Autoren Hilfestellungen zum Schreiben und Lektorieren ihrer Manuskripte zu geben.

Melanie orientiert sich an den Story Grid Erkenntnissen von Shawn Coyne, da sie die Art des Lektorats des US-amerikanischen Lektors als die hilfreichste Methode empfindet, um herauszufinden, ob Geschichten funktionieren.

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