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Thriller - kompakt informiert

15 Fragen und Antworten an den Thriller

 

Thriller - kompakt informiert - 15 Fragen und Antworten an den Thriller

03. Aug 2018 0

1. Was passiert, wenn man eine Action-, Horror- und Krimigeschichte miteinander mischt?

Auch heute möchte ich mir die Zeit nehmen, um mit euch über mein Lieblingsgenre zu sprechen.

Mein aktueller Thriller: ›Der Fedora Attentäter‹ ist seit Juli 2018 im Handel erhältlich. Gern gebe ich euch die folgenden Orientierungspunkte weiter, die euch helfen sollen, wenn ihr einen Thriller schreiben wollt.

 

Wenn ich sage, dass der Thriller eine Mischung aus Action, Horror und Krimi ist, müssen wir die drei Genres in den jeweiligen Wert aufbrechen, um den sich die Geschichte dreht.

 

2. Was ist der Wert des Thrillers? Von welchen beiden Polen handelt er?

Action- und Horrorgeschichten bewegen sich zwischen Leben und Tod. Sie adaptieren diese beiden Grenzwerte bis zu einem realistischen, menschlichen Extrem.

Beim Thriller eskaliert das Extrem bis zu dem Punkt, den Robert McKee als das Schicksal bezeichnet, das schlimmer als der Tod ist. Dieser Wert stammt aus dem Horror-Genre und wird im Thriller meist auf einem internen Charakterlevel ausgetragen: Die Angst vor der Verdammnis.

Betrachten wir den Thriller auf einer Skala, dann bewegen wir uns vom Leben über den Tod bis hin zu der Möglichkeit eines Lebens in Verdammnis. Das bedeutet, man muss mit etwas leben, das man sich nicht verzeihen kann.

 

3. Was sind die Emotionen im Thriller?

Die Kernemotion eskaliert von den Intrigen eines Krimis, über die Hochspannung einer Actiongeschichte bis hin zu einer horrormäßigen Angst und dem ultimativen Terror, den man aus Horrorgeschichten kennt.

 

4. Was ist der Hauptkonflikt im Thriller?

Die Kräfte des Konflikts sowie der Antagonist sind viel bösartiger als der eindimensionale Schurke aus einer Actiongeschichte, aber nur eine Nuance schwächer als das unerklärliche Horror-Monster.

In kurz: Im Thriller dringen wir bis an die Grenze des Horrors vom realen Leben vor – wahre Monster, denen unsere alltägliche Welt zum Opfer fällt.

 

5. Was unterscheidet den Thriller von einer Action-, Krimi- oder Horrorgeschichte?

Der Unterschied liegt darin, dass der Thriller in Ergänzung zu dem externen Genre eines zweiten internen Genres bedarf. Dieses interne Genre treibt den zweiten Handlungsstrang voran.

Intern klingt natürlich konfus, bedeutet aber nichts anderes, als das, was im Inneren des Protagonisten vorgeht. Er muss sich äußeren Bedrohungen stellen und die Art, wie er mit diesen Gefahren umgeht, beeinflussen den Konflikt, den er in seinem Inneren austrägt.

Beispiel:
James Bond tötet und geht seinen Weg weiter. (Action).

Im Thriller hinterfragt der Protagonist seine Handlungen. Sein innerer Konflikt wird von den Taten bestimmt, die er verfolgt oder zu denen er durch äußere Kräfte gezwungen wird.

 

6. Wer kämpft im Thriller gegeneinander?

Im Thriller gibt es einen heroischen Protagonisten. Heldenhaft bedeutet aber nicht, dass wir es mit einem klassischen Supermann oder einem Herkules zu tun haben. Es heißt, dass der Protagonist bereit ist, sein eigenes Leben für Andere zu opfern – im Angesicht seines inneren/persönlichen Konflikts (+der Angst vor Verdammnis) und dem drohenden, allgegenwärtigen Horrorgegner.

 

7. Wie groß sind die Bedrohungen im Thriller?

Die Bedrohungen sind realistische Gefahren des höchsten Levels – Antagonisten auf dem Zenit ihrer Stärke.

 

8. Was kann man von einem Thriller erwarten?

Mitreißende Actionszenen, die durch das Wagnis des Protagonisten entstehen, um die Pläne des Antagonisten zu durchkreuzen.

Held und Schurke treffen aufeinander, weil es für den Helden keinen anderen Ausweg gibt, als sich dem Schurken zu stellen.

Held und Schurke sind wie Yin und Yang – der Antagonist mag in seinem Fach der Beste sein, aber der Held hat die Kapazität (auch wenn er es nicht weiß) gegen ihn anzutreten.

 

9. Wie entwickelt sich der Protagonist in einem Thriller?

Im Thriller muss der Antagonist seinen Kampf persönlich machen.

Das heißt, der Protagonist der Geschichte muss, gewöhnlich in der Mitte des Romans oder am Ende des zweiten Aktes, zum Opfer werden. Der Protagonist wandelt sich im Thriller demnach von einem Jedermann, zum Opfer und schließlich zum Helden.

 

10. Wer ist der Antagonist in einem Thriller?

Der Schurke in einem Thriller ist ein Soziopat. Aber egal, wie krank die Ziele sind, die er verfolgt, er muss die Gelegenheit bekommen, sich zu erklären. Das ist die bekannte Rede des Bösewichts, in der er dem Protagonisten seine Absichten erklärt und sie so nachvollziehbar darstellt, dass man seiner Denkweise bis zu einem bestimmten Grad zustimmen muss (nicht seinen Handlungen, aber seinen Zielen).

Der Soziopat hat den Helden ausgewählt und treibt ihn an die Grenze von Leben und Tod – während am Ende die Negation der Negation sitzt (Robert McKee).

Die Negation der Negation ist ein Leben, das durch die eigene Reue schlimmer als der Tod ist: Verdammnis.

 

11. Was ist der Unterschied zwischen der Verdammnis im Thriller und der in einer Horrorgeschichte?

Während Horrorgeschichten den Protagonisten auch bis zu einem Schicksal bringen, das schlimmer als der Tod ist, setzt der Thriller dieses Grauen auf sehr realistische und fürchterliche Weise um.

Außerdem kennen wir zusätzlich das Innere Hin- und Her des Protagonisten, das mit allen drei Ebenen des Konflikts gefüllt sind (intern, persönlich und extern).

 

12. Was macht den Thriller besonders?

Ist der Thriller gut umgesetzt, lässt er uns nicht mehr los. Thriller unterhalten uns, wie es Action/Abenteuer, Horror und Krimis können, und geben uns zusätzlich einen Einblick in den innneren Kampf des Protagonisten (mehr dazu auch im Beitrag zum Mini-Plot).

 

13. Was passiert beim Alles-Ist-Verloren Moment in einem Thriller?

Der Alles-Ist-Verloren Moment ist, wie es der Name sagt, ein Moment. Es ist ein Augenblick, wo der Held sich selbst versteht, wo er analysiert, was er will und was er braucht.

An diesem Punkt muss er einsehen, dass es für ihn keine Möglichkeit gibt, den Antagonisten zu besiegen. Seine Werkzeuge und Fähigkeiten reichen nicht aus, um im Kampf gegen ihn zu gewinnen. Er muss einsehen, dass er keine Chance hat – wenn er sich nicht verändert.

Genau wegen dieses Moments brauchen wir ein internes Genre für den Thriller. Der Held muss seine innere Einstellung ändern. Dafür muss er sich selbst verstehen und einsehen, dass es kein Zurück mehr in seine naive Fantasiewelt gibt.

 

14. Welche Realität braucht der Thriller?

Die meisten Thriller (es gibt Ausnahmen) spielen in unserer alltäglichen Welt. Die Vorkomnisse sind keine wahren Begebenheiten, aber sie könnten geschehen.

 

 15. Was kann die Welt aussehen, in der ein Thriller spielt?

Lass mich dir hierzu ein paar Beispiele nennen.

Man sollte sich jedoch merken, dass der Protagonist durch seine Erfahrung in einem speziellen Gebiet die Richtung mitbestimmt, in die sich der Thriller einordnen lässt.

Der Fedora AttentäterBeispiele für verschiedene Thriller-Arten:

  • Frau in Gefahr: Der Feind in meinem Bett (von Nancy Price) = Frau ist Held und Opfer
    Auch mein aktueller Thriller: Der Fedora Attentäter hat eine Frau als Protagonistin, die sowohl zum Opfer im Spiel des Antagonisten wird, aber auch die Heldin ist
  • Kind in Gefahr: Der Client (von John Grisham) = Kind als Opfer/Held
  • Serien-Mörder: Das Schweigen der Lämmer (von Thomas Harris) = Polizei, FBI und Sterling als Held/Opfer
  • Spionage: Der Staatsfeind Nr. 1 (von Tony Scott) = Staranwalt als Held/Opfer
    Die Bourne Identität (von Robert Ludlumm) = Spion als Held/Opfer
  • Recht: Die Firma (von John Grisham) = junger Anwalt als Held/Opfer
  • Medizin: Der Schakal (von Matt Nilsen) = Psychiater als Held/Opfer
  • Militär: Shooter (von Antoine Fuqua) = Scharfschütze als Held/Opfer
  • Politisch: Der Marathon-Mann (von William Goldman) = Jedermann/Politiker/Gangster als Held/Opfer)
  • Psychologisch: Shutter Island (von Dennis Lehane) = US-Marshall als Held/Opfer
  • Journalismus: Nightcrawler – Jede Nacht hat ihren Preis (von Dan Gilroy) = Kameramann als Held/Opfer
  • Finanzen: Der gefährlichste Mann der Welt (Stephen Frey) = Geschäftsmann als Held/Opfer


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Melanie Naumann schreibt Thriller, studierte Sprache und bildet sich seit 2015 als Lektorin fort. Aus der Liebe zum Lektorat entstand zuerst ein Schreibblog, Ende 2018 dann Storyanalyse.de, um Autoren Hilfestellungen zum Schreiben und Lektorieren ihrer Manuskripte zu geben.

Melanie orientiert sich an den Story Grid Erkenntnissen von Shawn Coyne, da sie die Art des Lektorats des US-amerikanischen Lektors als die hilfreichste Methode empfindet, um herauszufinden, ob Geschichten funktionieren.

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