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Wie schreibe ich ein Buch?

Was will dein Protagonist?

das bewusste Objekt des Verlangens

Hast du dir schon einmal Gedanken gemacht, weswegen dein Protagonist oder dein Antagonist so handelt, wie er es tut? Oder hast du vielleicht vergessen, deinen Figuren etwas zu geben, das sie um jeden Preis erreichen wollen?

 

Was will dein Protagonist? - das bewusste Objekt des Verlangens

21. Feb 2017 0

Rückblick

Externer Inhalt & das bewusste Objekt des Verlangens

In den letzten Wochen setzten wir uns intensiv mit dem Aufbau von Geschichten auseinander, wobei wir vor allem die verschiedenen Erzählstrukturen untersuchten, die uns von der Heldenreise über den Mini- & Anti-Plot bis hin zu weniger gebräuchlicheren Erzählstrukturen führte.

Im Blogeintrag »Konflikte« lernten wir, dass sowohl der Bogenplot als auch der Mini-Plot ein externes, bewusstes oder ein inneres, unbewusstes Objekt des Verlangens benötigen, die den Protagonisten auf seiner Reise antreiben – sei diese in seinem Inneren oder durch die Außenwelt.

Wie du als Autor diese inneren und externen Objekte des Verlangens offenbarst, gehört zu den bedeutendsten Entscheidungen, die du für deine Geschichte treffen musst, wenn du dein Buch schreibst.

Diese Entscheidungen beeinflussen einen Teil der ›Fünf Bereiche der Genre-Entscheidung‹ – den Inhalt, der die Atmosphäre / die zentrale Idee der Geschichte setzt.
Dieser Bereich lässt sich, wie das Objekt des Verlangens, in eine externe und eine interne Seite unterteilen, wobei die externe Seite von dem bewussten Objekt des Verlangens bestimmt wird (Was will der Protagonist) und die interne Seite von dem unbewussten Objekt des Verlangens (Was braucht der Protagonist).

 

Was will der Protagonist – das externe Objekt des Verlangens.

Was dein Protagonist will, hängt immer davon ab, in welchem Genre du schreibst.

Der externe Inhaltsbereich ist der Gedanke, den wir am ehesten mit Genre assoziieren – Action, Horror, Krimi, Western, Thriller, Romanze, Krieg, etc.

Wir können Geschichten in unterschiedlichen Genres voneinander unterscheiden, weil sie durch ihre Charakteristik eindeutig zu identifizieren sind.

Das heißt, diese Geschichten haben eine Gemeinsamkeit: sie werden von einem globalen externen Wert und seinen positiven und negativen Energien angetrieben. Das bedeutet, der Konflikt, der sich in diesen Geschichten bildet, beruht auf externen Ursachen.

 

Der Konflikt für extern gelagerte Geschichten

Wie oben erwähnt, beruht der Konflikt entweder auf persönlichen oder natürlich-verursachten Wendungen. Diese antagonistischen Kräfte, sei es ein Konkurrent des Unternehmens oder der Auserwählten, ein Widersacher, der Täter eines Verbrechens, ein Monster, Naturkräfte etc. sind für den Leser leicht zu identifizieren.

Kurz und knapp, alle Geschichten des externen Inhaltsbereichs sind der Stoff für Hollywoodfilme und Bestseller.

Exkurs: Warum lieben wir Konflikte?

Unser Leben lang sind wir mit jenen Geschichten aufgewachsen, die uns einen Helden zeigen, der gegen ein Monster, einen Konkurrenten, Naturkräfte etc. kämpfen muss, um irgendetwas zu gewinnen oder um für eine gute Sache einzustehen.

Sei es im Kindesalter von den Märchen, die uns auf überspitzte Weise den Unterschied von Gut und Böse erklärten, oder im Erwachsenenalter von Geschichten, die uns für einen Moment aus dem Alltag in eine Welt entfliehen lassen, in der wir ohne Konsequenzen oder unter Lebensgefahr bei waghalsigen Autorennen mitheizen, die Casinos von Las Vegas berauben, oder uns der Leidenschaft einer neuen Liebe hingeben können, ohne unsere Ehe zu gefährden.

Geschichten sind uns urvertraut, und wenn sie die Konventionen und obligatorischen Szenen einhalten, dann befriedigen sie unsere Erwartungen – denn nur durch diese Erwartungen an eine Geschichte, entscheiden wir uns einen bestimmten Film in Kino ansehen zu wollen oder ein Buch zu kaufen. Selbst wenn wir nicht genau sagen können, was wir von der Geschichte erwarten, wissen wir es sofort, wenn wir es nicht darin finden.

Jeder, der schon einmal einen schlechten Film aus Enttäuschung bewertet hat, weiß, wovon ich rede.

Und als Autor muss man wissen, was die Geschichte, die man schreiben will, an Konventionen und Pflichtszenen verlangt.

Wie kann man eine Liebesgeschichte schreiben, wenn man nicht berücksichtigt, dass sich in einer Liebesgeschichte das Paar an einem Punkt trennen wird, und somit die große Frage aufwirfst: Kommen die beiden wieder zusammen oder ist alles verloren?

Angenommen, du schreibst einen Thriller und du vergisst das falsche Ende. Deine Leser werden unzufrieden das Buch zuschlagen, denn sie haben eine finale Auseinandersetzung erwartet. Ein falsches, und somit doppeltes Ende ist ein Muss für einen Thriller.

 

Das bewusste Objekt des Verlangens

Der externe Inhaltsbereich wird, wie wir es bereits bei dem Kapitel zur Heldenreise herausgestellt haben, von einem Bogenplot bestimmt, in dem der Protagonist nach einem bewussten Objekt des Verlangens strebt.

Dieses Objekt ist das greifbare Ziel, das der Protagonist will und seit dem auslösenden Moment verfolgt – damit treibt er die Geschichte voran.

Denken wir nun an die Konventionen, die in jedem Genre unterschiedlich sind, so stellt sich heraus, dass diese bewussten Objekte des Verlangens von den Genre-Konventionen selbst bestimmt werden.

Das bedeutet, mit der Wahl der Genre-Entscheidung ›externer Inhalt‹ ist dein bewusstes Objekt des Verlangens für deinen Protagonisten vorbestimmt.

Dahingegen bestimmt die Verfolgung des unbewussten Objekt des Verlangens das interne Genre.

 

Welche Konflikte für welches Genre?

In einer Action Geschichte ist das externe / bewusste Objekt des Verlangens eine Konvention. Sie lautet: Der Held / der Protagonist der Geschichte muss den Bösewicht stoppen und ein unschuldiges Leben retten. Das der Protagonist ein Held sein muss (jemand, der sich selbst opfert um andere zu retten) ist eine weitere Konvention.

In einer Liebesgeschichte ist das externe / bewusste Objekt des Verlangens auch eine Konvention. Der Protagonist sucht oder verweigert den Aufbau einer intensiven Beziehung mit jemanden. Das ist sein Objekt des Verlangens – eine Beziehung.

In einem Krimi lautet die Konvention: Der Protagonist will den Verbrecher vor Gericht bringen.

 

Wie du in den oberen Beispielen erkennen kannst, triffst du mit der Wahl deines externen Genres eine Entscheidung, welche deine Geschichte und die Art prägt, wie du sie erzählst.

Das bedeutet: Die obligatorischen Szenen und Konventionen müssen in jedem Genre eingehalten werden.

Beachte, dass Leser ihren Freunden nicht erzählen, dass sie eine Geschichte gelesen haben, wo eine Frau gegen einen Psychopathen kämpfen muss, aber in dem Thriller kein falsches Ende vorkam. Stattdessen werden sie ihren Freunden von einem Buchkauf abraten, weil etwas fehlte, oder die Geschichte zu platt wirkte.

 

Wenn du die obligatorischen Szenen und Konventionen deines externen Genres nicht kennst, oder nicht weißt, wie Autoren sie vor dir diese gemeistert haben, wirst du nie etwas Originelles schaffen können, weil du eben nicht weißt, welche Ideen und Fassungen von der berühmten Kuss-Szene in einer Liebesgeschichte schon verwirklicht wurden. Oder wie sich in einem Thriller der Protagonist in der Gnade des Antagonisten befindet. Oder wie der berühmte erste Mord in einem Krimi aussehen könnte.

 

Um Autor zu sein, musst du erst zum Leser werden.

 

Mehr zu Konventionen und Pflichtszenen

Als ich meinen Roman lektorierte, merkte ich schnell, dass irgendetwas fehlte. Intuitiv hatte ich die Konventionen und obligatorischen Szenen eines Thrillers eingebaut, doch ich hatte nur ein Ende geschrieben, das in diesem Genre als das ›falsche‹ Ende bezeichnet wird. Bei einem Thriller weiß der Leser, dass nichts so ist, wie es scheint. Deswegen folgt ein zweites Ende, in dem der Antagonist noch ein letztes Mal versucht, seine Ziele umzusetzen oder wir bereits eine Vorschau auf die Fortsetzung erhalten.

Egal, für welchen Typ Roman du dich entscheidest, solltest du die Hintergründe des Genres kennen. Nimm dir die Klassiker (bei Thrillern z.B. Das Schweigen der Lämmer, oder bei Liebesgeschichten: Stolz und Vorurteil, etc.), lese, studiere und verstehe, wie die Autoren, die einzelnen Konventionen und obligatorischen Szenen erfüllten.

 

Hervorzuheben ist, dass Genres sich mit der Zeit bewegen.

Sie verwandeln und verbinden sich und passen sich dem Tenor der Zeit an.

Das heißt, Genres verändern sich, um die Ängste der Zeit der Gegenwart zu reflektieren. Deswegen ist es kein Wunder, dass der Thriller zu dem beliebtesten Genre heutzutage herangewachsen ist, weil er den größten Teil der Gesellschaft bedient – den, der von den Bedrohungen des modernen Lebens überwältigt ist.

Betrachten wir den Aufbau der Genres, dann lassen sie sich zwei Kategorien unterteilen.

Die Genres, die ein bewusstes Objekt des Verlangens besitzen, und die, die ein unbewusstes Objekt des Verlangens besitzen.

Aber wir müssen die Grenze hier nicht ziehen.

Je mehr du dich mit Genres auseinandersetzt (nicht nur das, in dem du schreiben magst), umso mehr wird dein Verständnis für die Erwartungen, die ein Leser an deine Geschichte hat, heranwachsen.

Das bedeutet, du kannst, wie es Thomas Harris mit dem Schweigen der Lämmer getan hat, einen Großteil der Konventionen eines externen Genres bedienen (in diesem Fall den Thriller), aber die Geschichte mit einem zweiten Genre kombinieren. Harris hat sogar neben der Actiongeschichte auch noch den Horror bei seinem Thriller ›Roter Drache‹ hinzugefügt, und somit den modernen Serienkiller-Thriller geschaffen.

Diese Metamorphose von Genres kann dir auch gelingen. Je besser du verschiedene Genres kennst, desto größer ist deine Chance etwas Neues und Einzigartiges zu kreieren.

 

Vorrausschau

In meinen nächsten Beiträgen werde ich intensiv auf die Genres eingehen, die sich im externen Bereich einordnen lassen. Das sind hauptsächlich solche, die externe antagonistische Kräfte besitzen (sei es ein Mensch, die Gesellschaft oder die Kräfte der Natur), und gegen einen Protagonisten gerichtet sind.

Meist verfügen diese Geschichten über ein in sich geschlossenes Ende, unterliegen dem Ursache-Wirkung Prinzip und geschehen in einer linearen Abfolge der Ereignisse. Sie lassen sich meist der Drei-/ oder Fünf-Akt-Struktur zuordnen.

Ein Teil der Werke, die dem externen Genre angehören, widmen sich sogar dem Mini-Plot auf kleinerer Ebene. Diese Geschichten verfügen über ein unbewusstes Objekt des Verlangens. Meist packen sie die Aufmerksamkeit des Lesers durch den externen Teil des Genres, nur um sich später mit dem inneren Konflikt des Protagonisten auseinanderzusetzen.

Nehmen wir uns das Beispiel mit dem Schweigen der Lämmer zur Hand, dann erkennen wir, dass Thomas Harris auch das interne Genre der Weltansicht eingebaut hat. Während sich das externe Genre auf einen Serienkiller-Thriller bezieht, so ist der innere Konflikt der Protagonistin Sterling, der Wandel ihrer Weltansicht, als ihr fester Glaube über die Unfehlbarkeit des FBIs sich von Zweifel zu Enttäuschung wandelt.

 


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Was will dein Protagonist? - das bewusste Objekt des Verlangens
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Melanie Naumann schreibt Thriller, studierte Sprache und bildet sich seit 2015 als Lektorin fort. Aus der Liebe zum Lektorat entstand zuerst ein Schreibblog, Ende 2018 dann Storyanalyse.de, um Autoren Hilfestellungen zum Schreiben und Lektorieren ihrer Manuskripte zu geben.

Melanie orientiert sich an den Story Grid Erkenntnissen von Shawn Coyne, da sie die Art des Lektorats des US-amerikanischen Lektors als die hilfreichste Methode empfindet, um herauszufinden, ob Geschichten funktionieren.

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