Wie schreibe ich ein Buch?

Die nicht lineare Struktur

zuletzt bearbeitet am 06. Nov 2018

veröffentlicht am 09. Sep 2017 von Melanie Naumann

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Alternative Erzählstrukturen 1

Die nicht lineare Struktur - Alternative Erzählstrukturen 1

Mit dem nicht linearen Erzählen kannst du sofort Spannung erzeugen. Ohne die Ursache zu kennen, muss sich dein Protagonist sofort mit den Herausforderungen auseinandersetzen, die du ihm auferlegst.


So nutzt du Rückblenden, um Spannung aufzubauen.

In den letzten drei Blogeinträgen befassten wir uns mit den verschiedenen Plottypen. Wir lernten die klassische Struktur des Bogenplots / der Heldenreise kennen, tauchten in das Innere mit dem Mini-Plot und trafen den Rebellen, den Anti-Plot.

 

Organisation, Rhythmus und Energie deines Romans

Nun konzentrieren wir uns auf die Struktur deines Romans, d.h. auf ihre Organisation, den Rhythmus und die Energie, die darin liegt.

Normalerweise sehen wir die Struktur als einen Berg oder ein Dreieck, der / das die steigende Spannung symbolisiert. In einer linearen Linie folgt der Protagonist dieser Form: Er steigt auf, bis er mit der Auflösung der Spannungsbogen wieder abfällt. (Siehe dazu meine Infografik zur Heldenreise).

Heldenreise Verlauf

Doch lass uns heute aus dem Dreieckskonzept ausbrechen und über andere Strukturformen nachdenken. Die folgenden Beispiele können an das Konzept des Bogenplots angeschlossen werden, oder nutze sie, um eine neue Richtung für Rhythmus und Spannung zu kreieren.

 

Die nicht lineare Struktur

Wie schreibst du deine Geschichte? Beginnst du mit dem Ende, damit du weißt, wie sie ausgeht oder legst du fest, worauf du hinarbeiten willst? Vielleicht startest du auch am Anfang, um zu sehen, wohin dich deine Figuren führen. Ein anderer startet en media res, d.h. irgendwo in der Mitte der Handlung.
Du kannst die Szenen deiner Geschichte in der Reihenfolge schreiben, wie es für dich am besten passt. Am Ende wirst du sie jedoch chronologisch ordnen müssen oder in die Reihenfolge setzen, wie sie am stärksten wirken. Das heißt, du kannst mit einer Szene beginnen, die kurz vor dem Ende sitzt, nur um im zweiten Kapitel mit dem zeitlichen Beginn der Story zu starten. Setzt du diese Entscheidung um, dann schreibst du in eine nicht lineare Erzählung. Das Gleiche gilt, wenn du zwischen Zeiträumen vor- und zurückspringst.

Zum Vergleich, eine lineare Erzählung beginnt am Anfang und verrät den Verlauf der Geschichte, wie sich die Ereignisse zeitlich zutragen.
Zuerst passiert A, dann B, dann C und am Ende D.

Nicht lineare Erzählungen folgen dieser chronologischen Regel nicht. Sie können am Anfang oder in der Mitte beginnen, und arbeiten sich vor- und zurück zwischen den Ereignissen.
C erfährt der Leser zuerst, dann A, dann B und am Ende D.
Oder: D beginnt, gefolgt von A, springt zu C und endet mit B.

Nicht-lineare Struktur Erzählung

Nicht lineare Erzählungen nutzen Rückblenden oder Vorausdeutungen. Sie offenbaren vergangene oder zukünftige Ereignisse durch Erinnerungen oder andere Formen der Ausführung. (Bekannte Beispiele sind der Film ›Memento‹, ›Pulp Fiction‹ oder die TV-Serie ›Lost‹, aus dem literarischen Bereich: ›Die Frau des Zeitreisenden‹.)

Jedoch kann der Erzählfluss auch umschlagen, während er weiterhin erscheint voranzugehen. Jennifer Egan gewann mit ihrem Buch ›Der größere Teil der Welt‹ den Pulitzer Preis für ihre außergewöhnliche Erzählstruktur. In ihrem Roman setzt sich die Geschichte aus mehreren Charakteren, unterschiedlichen Erzählperspektiven und aus verschiedenen Zeiträumen und Orten zusammen, die sich von der Hippie-Ära über die Punk- und New-Wave-Jahre bis in die Zeit des Internets strecken. All die Ereignisse der Geschichten folgen keiner Chronologie, und doch drehen sie sich alle um die Hauptfigur Sasha.
Zum Beispiel wird ihre turbulente Kindheit durch die Erinnerung von ihrem Onkel offenbart, der sie in Italien zu sich aufnahm, nachdem sie von zuhause davon rannte. Der Leser weiß, dass dies eine Rückblende ist, weil am Beginn Sasha als eine erwachsene Frau vorgestellt wurde. Alle weiteren Kapitel handeln von den Personen, die Sasha entweder persönlich oder durch jemanden anderen kennen. Während sie ihre eigenen, individuellen Geschichten erzählen, erfährt der Leser immer mehr über Sashas Leben und die aller erzählenden Personen.

 

Nicht lineares Erzählen nutzen, um Spannung aufzubauen.

Nutze nicht lineare Strukturen, um dramatische Auswirkungen aufzuzeigen. Die Nebeneinanderstellung von ›ungeordneten‹ Szenen kann dem Leser helfen, Plotverbindungen herzustellen, Figurentiefe zu entwickeln oder das Thema deines Romans hervorzuheben.
Rückblenden lenken die Aufmerksamkeit auf kausale Zusammenhänge, die jedoch als Rätsel genutzt werden können – hier wird der Leseantrieb von der Suche nach der ersten Ursache angetrieben. Selbst durcheinander angeordnete Sequenzen können dem Ursache-Wirkung-Prinzip folgen. Sie müssen von dem fähigen Leser am Ende nur als dieses Konstrukt zusammengesetzt werden.

 

Eine Rückblende bedeutet nicht lineare Erzählung?

Eine Geschichte mit einer Rückblende kann als Teil einer nicht linearen Struktur gesehen werden. Definieren wir jedoch die Rückblende als Erinnerung, die aus dem Denken eines Charakters zu einem Ereignis springt, existiert sie in der linearen Zeitebene der Erzählform.

 

Schwächen Rückblenden meinen Erzählstil?

Für jeden, der Stephen Kings Buch ›Das Leben und das Schreiben‹ gelesen hat, wird die Aussage, keine Rückblenden zu verwenden, im Kopf hängengeblieben sein.

Denken wir zurück: Bei einer linearen Struktur wählt der Autor ein Anfang und ein Ende, und verbindet in diesem Zeitrahmen die Ereignisse in einer Sequenz, wie es im wahren Leben Ursache und Wirkung diktiert. Wer jedoch Inhalte liefert, die außerhalb der gewohnten Zeitschiene geschehen, und durch Rückblenden und Erinnerungen den Leser von der Gegenwart der Geschichte abzieht, riskiert es, den Leser zu verwirren. Vor allem, wenn der Übergang von zweifelhafter Relevanz ist, wird sich der Leser fragen, warum er aus der spannenden Handlung herausgerissen wird.

Aber diese Risiken können überwunden werden und einen Anreiz bilden, mit einem nichtlinearen Geschichtsformat zu experimentieren. Statt einer linearen Geschichte mit einer gelegentlich, eingepackten Erinnerung, ordnen sich in der nicht linearen Erzählung die wesentlichen Szenen in der Reihenfolge an, die den größten Nutzen für die Geschichte bietet.
Der Begriff Rückblende wird über sich hinauswachsen, dient er doch der Einführung von neuen Subplots, Handlungssträngen und Figuren. Die Sequenz der Szenen wird durch die Wirkung beurteilt, und nicht durch ihre zeitliche Lage.

 

Vorteile der nicht linearen Erzählung

Das nicht lineare Format bietet dem Autor mehrere Vorteile gegenüber der linearen Erzählform.

Der erste Vorteil bezieht sich auf Klarheit und Tempo.

Ereignisse, die in einer nicht linearen Sequenz erzählt werden, benötigen keine Exposition, die den Leser langweilen könnte. Der Handlung wird es ermöglicht, an dem Zeitpunkt zu beginnen, wo sie drastisch im Spannungsbogen steigt. Genauso kannst du in einer gesetzten Zeitspanne, sei es ein Tag, ein Jahr oder Jahrzehnte etc. die Momente heraussuchen, die am relevantesten für den Verlauf deiner Geschichte sind. Dabei wird der Kontext, in dem die Rückblenden zueinanderstehen, den Platz der linearen Erzählung einnehmen. Damit nimmt deine Geschichte an Effizienz zu und die Dichte deiner Erzählung (das Verhältnis von interessantem zu langweiligem Material) steigt.

 

Ein zweiter Vorteil der nicht linearen Geschichte ist, dass Autoren die Tiefe eines Charakters unter Beweis stellen können, um gleichzeitig eine packende Frage zu stellen.

Stell dir vor:
Die junge Protagonistin flieht von dem Ort, an dem ein Mord begangen wurde. Eine Leiche, Blut. Und das Tatmesser in ihrer Handtasche. Sie trägt ein schwarzes Shirt und eine zerrissene Jeans über ihren Turnschuhen, an denen Erbrochenes klebt. Sie stützt sich an einem Laternenmast und verdreht die Augen. Sie ist high.

In der darauffolgenden Szene sehen wir einen Ausschnitt vom Morgen des selben Tages. Sie argumentiert mit ihrem Ex, der die Schulaufführung ihres Kindes besuchen soll.

Wenn wir die gegenwärtige Geschichte wieder aufnehmen, finden wir sie auf der Rückbank eines Streifenwagens. Sie erbricht und betet.

Der Kontrast von der Gegenwarts-Figur zu der Figur in der Rückblende schafft Charaktertiefe, während gleichzeitig eine spannende Frage gestellt wird. Natürlich wollen wir wissen, wer die Leiche ist. Aber noch mehr interessiert uns diese Frau.

Die nächste Szene könnte eine Rückblende von ihrem Schuleingang sein, ein Ausflug mit Freunden oder eine Verabredung. Es kann alles sein, dass die dringende Frage im Kopf des Lesers weiter aufschiebt und nur schrittweise mehr über diese Frau offenbart.
Der nichtlineare Autor ist nur an die Notwendigkeit der Kreation der richtigen Wirkung gebunden.
Bsp. TV-Serie Quantico

 

Der dritte Vorteil bezieht sich auf den steigenden Spannungsbogen, der durch das Geben von Informationen geschaffen wird, die nicht in der Reihenfolge von Ursache und Wirkung liegen.

In der linearen Erzählung unterscheiden wir zwischen zwei Ursache-Wirkung Verkettungen. Die eine bezieht sich auf die Ursache, um eine schreckliche Schlussfolgerung anzudeuten, die für Protagonisten und Leser gleichermaßen unerträglich sein wird, z.B. Kind schießt Fußball auf Haus. Verbindung. Scheibe splittert).
In einem Roman muss jede darauffolgende Ursache und seine Wirkung die Lage verschlimmern, bis sich der Höhepunkt bildet und der Protagonist eine Entdeckung macht, die die Spannung löst und einen zufriedenstellenden Abschluss liefert.

Die zweite Methode bei dem linearen Erzählen für Ursache und Wirkung beginnt mit der Wirkung. Dies ist die Methode, die du fokussieren solltest, denn was den Leser ultimativ interessiert, ist die Frage, was mit deinem Protagonisten / deiner Protagonisten geschieht, nachdem etwas sein Leben verkomplizierte, wobei der Grund nur eine Erwähnung finden sollte.
Der Beginn mit der Wirkung ist zusätzlich gut für Krimis, wo der Detektiv neue Hinweise findet. Nutzt du jedoch keinen Aufspürer von Verbrechen, wird die lineare Handlung dich zwingen zurückzublicken, wenn du mit einer Wirkung beginnst.

 

Mehr Spannung schaffen.

In der nicht linearen Erzählung werden Ursache und Wirkung irrelevant. Der Autor kann in Szenen hinein- und hinauszoomen ohne dass die Geschichte eine vom Kontext abhängige Ursache und Wirkung verlangt. Falls sie notwendig werden sollten, muss der Autor sie jedoch dem Leser zur Verfügung stellen.

Wie bereits erwähnt, gewährt die nicht lineare Struktur eine bessere Kontrolle von Tempo und Spannung. Der Leser stürzt in der gegenwärtigen Geschichte vorwärts und der Inhalt, der bei linearer Form durch Exposition entwickelt werden müsste, kann durch Schnappschüsse schnell dargestellt werden, die von anderen Zeitleisten genommen werden.

In der nicht linearen Erzählung könnten wir, statt mit dem Kind, das den Fußball schießt, mit seinem Vater beginnen, der eine Waffe in der Hand hält und auf die Scherben der Fensterscheibe starrt.
Die nächste Szene könnte den Antagonisten zeigen, der den Vater herausfordert. In der darauffolgenden Szene stürzt der Vater aus dem Haus und zu seinem weinenden Kind. Die Szene mit dem Kind und dem Fußball ist nur dann relevant, wenn der Vater das Kind erschießt. Die Ursache von den Scherben ist nicht zwingend notwendig für die darauffolgende Aktion. Falls sie relevant sein soll, kann der Vater in einer späteren Szene etwas dazu aufdecken. Indessen ist der Vater frei jede Katastrophe herbeizuführen, die uns weiterblättern lässt.

 

Linear vs. nicht lineare Erzählung

Zusammengefasst können wir sagen, dass der Autor in einer linearen Erzählung die Spannung durch aufeinanderfolgende Ursachen aufbaut, die immer katastrophaler werden, bis sie den Höhepunkt erreichen.

In der nicht linearen Struktur schmeißen wir den Protagonisten in die Katastrophe, während die Ursachen nur in dem Sinne relevant sind, dass sie mit seiner Reise durch das Chaos zusammenhängen.
Um die Spannung aufrecht zu erhalten und den Leser miträtseln zu lassen, greift der Autor bei linearer Erzählung auf Tricks und Techniken der subtilen Irreführung zurück. Wohingegen nicht lineare Autoren durch ihre wandelnden Szenen wahre Cliffhanger erzeugen, die durch die Verwendung mehrerer Zeitleisten aufblühen.

Die Vorteile der nicht linearen Struktur sind keine Tricks. Sie betten sich tief in der Struktur der Geschichte ein, sodass sie eine hohe Leserbeteiligung kreieren. Es ist wie einen Roman zu schreiben, bei dem jedes Kapitel das erste ist.

 

Fang bei deiner nächsten Geschichte einfach 24 Stunden vor dem Ende an und achte darauf, was passiert, wenn der Effekt für den Leser das Einzige sein kann, das die Reihenfolge deiner Szenen vorgibt.

 

Hier geht es weiter zur nächsten Erzählstruktur: Schreiben aus mehreren Blickwinkeln.

 



Melanie Naumann - Lektorin Storyanalyse - Schreibe deinen besten Roman. Melanie Naumann - Lektorin Storyanalyse - Schreibe deinen besten Roman.
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Melanie Naumann ist die erste deutsche zertifizierte Story Grid Lektorin. Sie liebt die Analyse von Geschichten – global betrachtet bis hin zu den Szenen und Beats – und hilft Autoren, eine authentische und charakterstarke Handlung in jeder Art von Setting zu entwickeln. Sie bietet sowohl die Diagnose eines Manuskripts an, als auch wöchentliche Coachinggespräche zwischen Autor und Lektor.

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