Analyse von Szenen

Transport

zuletzt bearbeitet am 10. Mär 2019

veröffentlicht am 10. Mär 2019 von Melanie Naumann

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Szenenanalyse zu Transport von Phillip P. Peterson

Transport - Szenenanalyse zu Transport von Phillip P. Peterson

Lerne mit Hilfe von Beispielen, wie man bessere Szenen schreibt. In diesem Artikel nutzen wir eine Szene aus dem SciFi-Roman 'Transport' als Beispiel.


So geht's:

Egal, ob Song oder Szene, ich werde immer die folgenden Fragen zu dem jeweiligen Beispiel beantworten:

  • Für wen hat sich die Szene am stärksten gewandelt?
  • Wie hat sich die Szene vom Anfang zum Ende gewandelt?
  • Was ist das auslösende Ereignis der Szene?
  • Was ist eine steigende Komplikation in der Szene?
  • Was ist der Wendepunkt der Szene?
  • Was ist die Krise der Szene?
  • Was ist der Höhepunkt der Szene?
  • Was ist die Auflösung der Szene?

 

Transport PetersonAnalyse der ersten Szene aus dem SciFi Roman: Transport

(Link ist Amazon Affiliate Link)

Aufgrund des Copyrights bitte ich dich, die erste Szene des Romans 'Transport' von Phillip P. Peterson über den folgenden Link zu lesen. 

Szenentitel: Unerwarteter Besuch.

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Versuche dann,  die oberen Fragen selbst zu beantworten, bevor du meine Antworten liest. Je mehr du selbst trainierst, umso besser werden auch deine eigene Szenen.

P.S. Unterschiedliche Auffassungen können existieren.

 

Meine Antworten:

1. Für wen hat sich die Szene am stärksten gewandelt?

Russell Harris sitzt im Todestrakt und wartet auf seine Hinrichtung. Für ihn steht also am meisten auf dem Spiel. Da er uns als erste Figur namentlich vorgestellt wird, gehen wir davon aus, dass er der Protagonist der Geschichte sein wird.

2. Wie hat sich die Szene vom Anfang zum Ende gewandelt?

Tod zu Leben.

Am Anfang der Szene wissen wir, dass Harris auf seine Hinrichtung wartet. Der Gnadengesuch wurde bereits abgelehnt. Er steht kurz vor seinem Tod. Am Ende der Szene hat Harris immerhin die Chance erhalten, über sein eigenes Schicksal bestimmen zu können, selbst wenn die Überlebenschancen der Mission nicht die besten sind.

3. Was ist das auslösende Ereignis der Szene?

Russell Harris sitzt in seiner Zelle mit seinen düsteren Gedanken, da zum Tode Verurteilte in ihren letzten Tagen in Ruhe gelassen werden.

Für die Fragen 3-8 nutzen wir immer die Perspektivfigur, um die Antworten zu finden. Natürlich sollte sich auch für die Nebenfiguren in der Szene etwas ändern, aber wenn man verfolgen will, wie sich der Verlauf der Geschichte auf die Perspektivfigur auswirkt, sollte man auch diese Figur im Auge behalten.

4. Was ist eine steigende Komplikation in der Szene?

  • der Besucher ist nicht sein Anwalt, der vielleicht doch noch den Gnadengesuch hätte herbeiführen können
  • Harris hat einen unerwarteten Besucher

5. Was ist der Wendepunkt der Szene?

Sicherlich ist das Erscheinen des General Morrows ein Wendepunkt für Harris. Sein unerwarteter Besuch entpuppt sich als General, den er von früher kennt. Aber diese Offenbarung ist nur der Wendepunkt eines Beats, und nicht der Wendepunkt der Szene. Um den Wendepunkt der Szene herauszufinden, müssen wir immer darauf achten, wie sich die Szene vom Beginn zum Ende wandelt. Da sich die Szene von Tod zu Leben wandelt, ist das Erscheinen des Generals nicht der Auslöser des Wandels.

Der Wandel der Szene von Tod zu Leben tritt erst ein, als der General dem Gefangenen sein Angebot unterbreitet. Erst hier hat der Protagonist (Harris) mit seiner Entscheidung in dieser Krise die Wahl, ob er sich für einen schnellen Tod oder einen ungewissen, aber vielleicht vermeidbaren Tod entscheiden kann.

6. Was ist die Krise der Szene?

Soll Harris in ein paar Tagen auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet werden?

Oder soll er an einer Mission teilnehmen, die genauso seinen Tod bedeutet. Und womöglich noch grauenhafter als der Stuhl, aber dennoch mit der Chance, dass er für sein Verbrechen begnadigt wird? 

Harris muss diese Entscheidung binnen von fünf Minuten treffen. Sehr guter Einsatz der Uhr, um die Spannung zu erhöhen, und um nicht in den Kopf des Protagonisten eintauchen zu müssen, der sich fragt, wie er sich entscheiden soll.

Peterson ging sogar noch einen Schritt weiter, indem er die Ausführungen zu der Mission ungewiss lässt. Harris weiß nur so viel: Selbst die Führung weiß nicht, wo er hingeschickt wird. Ein sehr guter Schachzug des Autors, um den Leser auf diesen ersten Seiten noch mehr zu fesseln und auch, um Empathie mit Harris aufzubauen. Wir wollen, dass er sich für die Mission entscheidet, da wir mit ihm das Unbekannte erforschen wollen. Gleichzeitig hoffen wir, dass er überleben wird, denn wir sind ihm dankbar, wenn er uns auf diese unglaubliche und gefährliche Reise mitnimmt.

7. Was ist der Höhepunkt der Szene?

Harris entscheidet sich dazu, dass er den Auftrag annimmt.

8. Was ist die Auflösung der Szene?

Besser als der Autor selbst kann ich es nicht sagen: 'Vom Häftlich und Todeszelleninsassen zurück ins Soldatenleben ...'

 

Anmerkung zur Szene

Interessant ist auch hier, dass der Autor sich dazu entschlossen hat, die Geschichte in medias res zu beginnen. Das bedeutet, mittendrin in der Action. Wir erfahren keine Vorgeschichte zu dem Protagonisten Russell Harris. Keine Erklärungen zu dem 'Warum', weswegen welchen Verbrechens er in einer Todeszelle auf seine Hinrichtung wartet.

Die Szene beginnt im Dialog mit der Aufforderung: 'Aufstehen. Hände durch die Luke!'. Sofort ist dem Leser bewusst, wo er sich befindet. Im Gefängnis. Keine Beschreibung von einer engen Gefängniszelle, dem Gepöbel der Mitgefangenen oder der stinkigen, abgestandenen Luft. Wir haben bereits so viele Filme mit Gefängniszellen gesehen, dass wir die notwendigen Bilder sofort selbst in unserem Kopf erzeugen. Dieser Beginn war sehr klug vom Autor gewählt.

Des Weiteren können wir sagen, dass die erste Szene des Romans gleichzeitig das auslösende Ereignis der globalen Geschichte ist. Wie auch schon bei der Unendlichen Geschichte gäbe es keine Geschichte, wenn sich der Protagonist gegen den Ruf des Abenteuers entschieden hätte. Harris hätte das Angebot von General Morrow ablehnen können und er wäre die nächsten Tage hingerichtet worden, aber er stimmte zu und so nimmt die Geschichte ihren Lauf.

 

Zum Genre:

Da sich die erste Szene bereits um Leben und Tod dreht, können wir mit Sicherheit annehmen, dass sich der vorliegende Roman um eine Actiongeschichte, eine Horrorstory oder um einen Thriller drehen wird. Das sind die drei Genres, bei denen Leben und Tod die Werteskala beschreibt, die in diesen Geschichten zeigt, was auf dem Spiel steht.

Da ich den Roman erst begonnen habe, kann ich jetzt noch keine weiteren Aussagen zu dem Genre treffen. Aber eins der drei wird es sein.

Beachte: Science-Fiction ist kein Genre, dass die Handlung der Geschichte beschreibt.

Science-Fiction ist eine Form von Fantasy und beschreibt somit nur die Realität, in welcher die Geschichte stattfindet und wie weit der Leser seinen Glauben dehnen muss, um die Ereignisse der Geschichte zu akzeptieren.

Science-Fiction ist kein Genre, das den Inhalt beschreibt. In einer Science-Fiction Realität kann sich demnach eine Liebesgeschichte abspielen (About Time), ein Western (Cowboys and Alliens), eine Horrorstory (Predator) oder ein anderes der insgesamt 12 Genres, die den Inhalt einer Geschichte (nach Shawn Coyne) beschreiben.

Willst du deine eigene Szene analysiert haben?

Dann sende sie mir an mel@storyanalyse.de. Ich analysiere sie kostenlos für dich, wenn du mit der Veröffentlichung deiner Szene einverstanden bist. Ich stelle sie als Beispiel inklusive meiner Anmerkungen in dieser Kategorie ein. Ansonsten kannst du hier auch die kostenpflichtige, umfassendere Version der Szenenanalyse anfragen.


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Melanie Naumann ist die erste deutsche zertifizierte Story Grid Lektorin. Sie liebt die Analyse von Geschichten – global betrachtet bis hin zu den Szenen und Beats – und hilft Autoren, ihren besten Roman zu schreiben. Sie bietet sowohl die Diagnose eines Manuskripts an, als auch wöchentliche Coachinganrufe zwischen Autor und Lektor.

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